Die durchschnittlichen US-Einzelhandelspreise für Benzin werden voraussichtlich am Montag erstmals seit über drei Monaten die Marke von 3 Dollar pro Gallone überschreiten. Dies ist eine direkte Folge des eskalierenden Konflikts zwischen den Vereinigten Staaten und dem wichtigen Ölproduzenten Iran, der die globalen Ölströme unterbricht. Analysten warnen vor weiteren Preissteigerungen, was erhebliche wirtschaftliche und politische Auswirkungen haben könnte.
Wichtige Erkenntnisse
- Benzinpreise über 3 Dollar pro Gallone erwartet.
- Konflikt im Nahen Osten stört globale Öllieferungen.
- Straße von Hormus ist ein kritischer Engpass.
- Rohölpreise stiegen bereits um 10 Prozent.
- Saisonale Nachfrage und Sommerkraftstoff treiben Preise zusätzlich an.
Geopolitische Spannungen treiben Ölpreise in die Höhe
Der jüngste Angriff der USA und Israels auf den Iran hat die Lage im Nahen Osten dramatisch verschärft. Nach dem Tod des Obersten Führers Ali Khamenei hat die iranische Regierung angekündigt, die Schifffahrt durch die Straße von Hormus zu schließen. Diese Meerenge ist ein entscheidender Punkt für den weltweiten Ölhandel, da etwa ein Fünftel des globalen Öls per Tanker durch sie hindurchfließt.
Die Auswirkungen waren sofort spürbar. Der globale Referenzwert für Rohöl, Brent, stieg am Sonntag im außerbörslichen Handel um 10 Prozent auf etwa 80 Dollar pro Barrel. Einige Analysten prognostizieren, dass Brent sogar die 100-Dollar-Marke erreichen könnte, sollte sich der Konflikt weiter zuspitzen.
Faktencheck
- 10% Anstieg: Brent-Rohölpreis sprang um 10% auf 80 Dollar pro Barrel.
- 20% des weltweiten Öls: Fließt durch die Straße von Hormus.
- 3 beschädigte Tanker: Berichte über Schäden an mindestens drei Tankern in der Region.
Auswirkungen auf die US-Verbraucher
Für US-Präsident Donald Trump und die Republikanische Partei stellen die steigenden Benzinpreise ein erhebliches Risiko dar, insbesondere im Vorfeld der Zwischenwahlen im November. Die Preisinflation bleibt ein zentrales Anliegen der Wähler. Trump hatte in der Vergangenheit wiederholt die Senkung der Benzinpreise für sich beansprucht, oft ohne ausreichende Grundlage.
„Öl wird sich zuerst bewegen. Benzin wird folgen – aber allmählich“, erklärte Patrick De Haan, Analyst bei GasBuddy, einem Preisverfolger für den Einzelhandel, in einem Blogbeitrag nach den Angriffen auf den Iran. Er erwartet, dass die Preise sehr schnell die Marke von 3,10 bis 3,25 Dollar pro Gallone erreichen werden.
Die Rolle der Straße von Hormus
Die Straße von Hormus ist nicht nur ein geografischer Engpass, sondern ein geopolitischer Dreh- und Angelpunkt. Ihre Schließung hätte katastrophale Folgen für die globale Energieversorgung. Schon jetzt haben große Reedereien angekündigt, die Meerenge zu meiden, was zu längeren Transportwegen und höheren Kosten führt.
Mindestens drei Tanker wurden in der Region beschädigt, und ein Seemann kam ums Leben. Diese Vorfälle verdeutlichen die unmittelbare Gefahr für die Schifffahrt und die globale Lieferkette. Die Unsicherheit im Nahen Osten beeinflusst die Rohölpreise direkt und unaufhaltsam.
Hintergrund: Die Straße von Hormus
Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und dem Arabischen Meer. Sie ist nur etwa 39 Kilometer breit an ihrer engsten Stelle und strategisch von immenser Bedeutung für den internationalen Ölhandel. Eine Blockade dieser Passage würde die Weltwirtschaft massiv destabilisieren.
Saisonale Faktoren verschärfen die Lage
Auch vor dem jüngsten Angriff auf den Iran waren die Benzinpreise in den USA bereits im Steigen begriffen. Raffinerien haben in den letzten Wochen damit begonnen, den teureren Sommerkraftstoff herzustellen. Dieser ist aufgrund von Umweltvorschriften, die die Luftverschmutzung bei wärmerem Wetter reduzieren sollen, vorgeschrieben.
Zusätzlich dazu steigt die Nachfrage nach Benzin in den Vereinigten Staaten traditionell während der Sommerferienzeit. Diese saisonalen Faktoren üben einen zusätzlichen Druck auf die Preise aus und verstärken die durch den Konflikt verursachten Steigerungen.
Regierungsoptionen und politische Risiken
Das Weiße Haus scheint bereit zu sein, die politischen Risiken höherer Ölpreise in Kauf zu nehmen, um seine außenpolitischen Ziele zu verfolgen. Bob McNally, Präsident der Energieberatungsfirma Rapidan Energy Group, betonte, dass man sich der Risiken bewusst sei und sich darauf konzentrieren werde, die Kontrolle des Iran über den Energiefluss durch die Straße von Hormus so kurz wie möglich zu halten.
Eine mögliche Maßnahme zur Preisdämpfung könnte die Freigabe von Öl aus der strategischen Erdölreserve der USA sein. Der frühere US-Präsident Joe Biden hatte im Jahr 2022 eine historische Entnahme aus dieser Reserve genehmigt, um die stark gestiegenen Preise nach der russischen Invasion in der Ukraine zu bekämpfen. Diese Maßnahme wurde von Trump und anderen Republikanern scharf kritisiert.
Ausblick: Volatilität und mögliche Entspannung
Tom Kloza, Senior Advisor für den Kraftstofflieferanten Gulf, schätzt, dass ein Anstieg des Rohölpreises um 5 Dollar pro Barrel zu einer Erhöhung von etwa 12 Cent pro Gallone für Benzin und Diesel führen sollte. Allerdings haben einige Lieferanten die Großhandelspreise bereits um bis zu 25 Cent pro Gallone angehoben.
Die aktuellen Preissteigerungen kehren einen monatelangen Rückgang um, der Mitte letzten Jahres durch hohe Lagerbestände und geringeres Nachfragewachstum verursacht wurde. Diese großen Lagerbestände könnten nun als Puffer gegen globale Marktstörungen dienen und die aktuellen Preisspitzen mildern.
Per 20. Februar betrugen die US-Benzinbestände 254,8 Millionen Barrel. Dies ist fast der höchste Stand seit der Coronavirus-Pandemie und entspricht einem Vorrat für 30 Tage. Patrick De Haan erwartet in der Nacht nach den Angriffen eine hohe Preisvolatilität, rechnet aber damit, dass sich die Märkte nach der ersten hektischen Stunde etwas beruhigen werden.




