Das US-Verkehrsministerium hat das Design eines neuen, fortschrittlichen Crashtest-Dummys genehmigt, der speziell die weibliche Anatomie abbildet. Der THOR-05F genannte Dummy soll helfen, die Fahrzeugsicherheit für Frauen erheblich zu verbessern. Dies stellt einen wichtigen Schritt dar, da bisherige Modelle oft zu ungenauen Ergebnissen für weibliche Insassen führten.
Wichtige Erkenntnisse
- THOR-05F ist der erste fortschrittliche weibliche Crashtest-Dummy.
- Er verfügt über dreimal mehr Sensoren als ältere Modelle.
- Der Dummy bildet die weibliche Anatomie präziser ab, um Sicherheitslücken zu schließen.
- Frauen sind laut Studien 73 Prozent anfälliger für Verletzungen bei Kollisionen.
- Die neue Technologie soll sicherere Fahrzeugdesigns und Vorschriften ermöglichen.
Ein Fortschritt in der Fahrzeugsicherheit
Der neue Crashtest-Dummy, genannt THOR-05F, markiert einen Wendepunkt in der Automobilsicherheit. Er wurde entwickelt, um detailliertere Daten über die Auswirkungen von Frontalzusammenstößen auf den weiblichen Körper zu sammeln. Die Entwicklung zielt darauf ab, Airbags, Sicherheitsgurte und Fahrzeugstrukturen besser an die physiologischen Gegebenheiten von Frauen anzupassen.
Der THOR-05F ist speziell auf die weibliche Anatomie zugeschnitten. Er repräsentiert eine Person im fünften Perzentil der weiblichen Bevölkerung, was einer eher kleinen Statur entspricht. Dieses Detail ist entscheidend, da frühere weibliche Dummys oft nur verkleinerte Versionen männlicher Modelle waren, was die Realität nicht ausreichend widerspiegelte.
Interessanter Fakt
Der THOR-05F hat dreimal so viele Sensoren wie das bisher verwendete Hybrid III Modell. Diese erhöhte Sensorik ermöglicht eine wesentlich genauere Messung der auf den Körper wirkenden Kräfte und Verformungen während eines Aufpralls.
Präzisere Messungen für umfassendere Daten
Im Vergleich zum älteren weiblichen Hybrid III Modell bietet der THOR-05F eine Reihe von Verbesserungen. Sein Hals kann sich wie der eines Menschen in alle Richtungen beugen – vorwärts, rückwärts, seitlich und drehend. Die Wirbelsäule des neuen Dummys ahmt die menschliche Flexibilität nach und kann sowohl in entspannter als auch in aufrechter Haltung positioniert werden.
Der Brustkorb des THOR-05F misst die Verformung an vier verschiedenen Stellen, während das Hybrid III Modell nur eine einzige Messstelle hatte. Auch die Beine sind fortschrittlicher: Sie erfassen nicht nur die Kräfte auf Oberschenkel, Knie und Schienbein, sondern auch die Bewegung der Sprunggelenke. Dies ist wichtig, da Fuß- und Sprunggelenkverletzungen bei Frauen häufiger auftreten können.
„Das Becken einer Frau ist runder und hält den Sicherheitsgurt nicht auf die gleiche Weise“, erklärte Chris O'Connor, CEO des Dummy-Herstellers Humanetics. „Die genaue Abbildung dieser anatomischen Unterschiede ist entscheidend für die Sicherheit.“
Historische Lücken in der Crashtest-Forschung
Moderne Crashtests basieren immer noch weitgehend auf dem Hybrid III Dummy, der in den späten 1970er Jahren entwickelt wurde. Dieses Modell ist nach den Maßen eines 1,75 Meter großen und 77 Kilogramm schweren Mannes konzipiert. Die fehlende repräsentative weibliche Testpuppe hatte gravierende Folgen für die Sicherheit von Frauen im Straßenverkehr.
Studien zeigen, dass Frauen in Kollisionen 73 Prozent häufiger verletzt werden und 17 Prozent häufiger tödlich verunglücken als Männer. Diese Zahlen verdeutlichen die Dringlichkeit, die Testverfahren anzupassen und geschlechtsspezifische Sicherheitslücken zu schließen. Die Forderung nach weiblichen Crashtest-Dummys besteht bereits seit den 1980er Jahren.
Hintergrundinformationen
Erst im Jahr 2003 setzte die National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) eine weibliche Version des Hybrid III Dummys in einem Auto ein. Diese war jedoch lediglich eine verkleinerte Version des männlichen Dummys, ergänzt durch Brüste. Eine solche Anpassung reichte nicht aus, um die komplexen anatomischen Unterschiede zwischen Männern und Frauen adäquat abzubilden.
Die Zukunft der Fahrzeugsicherheit
Der THOR-05F verfügt über zusätzliche Sensoren im Bauch, Becken und den Armen, um dort auftretende Drücke und Kräfte zu messen. Das ältere Hybrid III Modell hatte in diesen Bereichen keine Sensoren. Diese neuen Datenpunkte ermöglichen eine viel umfassendere Analyse der Verletzungsrisiken.
In einem Vergleichstest der NHTSA übertraf der THOR-05F das Hybrid III Modell in allen Kategorien. Besonders hervorragende Ergebnisse erzielte er in den Bereichen Kopf, Nacken und Schultern. Dies unterstreicht das Potenzial des neuen Dummys, die Sicherheit signifikant zu verbessern.
Obwohl der offizielle Einsatz des THOR-05F noch nicht vollständig bestätigt ist, steht er kurz bevor. Die NHTSA muss lediglich eine letzte Regelung veröffentlichen, die es erlaubt, den THOR-05F in den Konformitätstests der Behörde und im New Car Assessment Program (NCAP) zu verwenden. Dieser Schritt würde die Fahrzeugsicherheit für alle Insassen, insbesondere für Frauen, auf ein neues Niveau heben.
- Bessere Simulation von menschlicher Flexibilität
- Erhöhte Anzahl von Sensoren für präzisere Daten
- Berücksichtigung anatomischer Unterschiede zwischen den Geschlechtern
- Potenzial zur Reduzierung von Verletzungen und Todesfällen bei Frauen




