Die Stadt Albany hat eine bedeutende Änderung in ihrer Verkehrspolitik beschlossen. Eine neue Verordnung hebt die bisherige Altersgrenze für die Teilnahme an einem Verkehrsschulungsprogramm auf. Künftig können Ersttäter bei bestimmten Verkehrsverstößen unabhängig von ihrem Alter an einem Kurs teilnehmen, um ein Bußgeld und einen Eintrag in ihre Akte zu vermeiden.
Diese Entscheidung formalisiert eine Praxis, die bereits seit Oktober letzten Jahres angewendet wird, und folgt auf einen starken Anstieg von Verkehrsverstößen, die durch neu installierte Geschwindigkeitskameras erfasst wurden.
Wichtige Fakten
- In Albany wurde die Altersgrenze für das Verkehrsschulungsprogramm für Ersttäter aufgehoben.
- Die Regelung gilt für Verkehrsverstöße der Klassen B, C und D ohne Unfallbeteiligung.
- Die Änderung reagiert auf einen massiven Anstieg der Strafzettel nach Installation neuer Blitzer.
- Allein im Jahr 2025 wurden fast 6.300 Verstöße durch die Kameras erfasst.
- Ziel ist es, eine fairere Behandlung für alle Altersgruppen zu gewährleisten.
Eine neue Chance für Verkehrssünder
Die Stadtverwaltung von Albany hat am Mittwoch, den 14. Januar, eine Verordnung verabschiedet, die die Regeln für die Teilnahme an der Verkehrsschule grundlegend ändert. Bislang war dieses Programm, das eine Alternative zu Bußgeldern darstellt, auf Fahrer unter 25 Jahren beschränkt.
Die neue Regelung öffnet die Tür für alle Ersttäter, die einen Verkehrsverstoß der Klassen B, C oder D begangen haben. Dazu gehören viele gängige Vergehen wie Geschwindigkeitsüberschreitungen. Ausgenommen sind jedoch schwerwiegendere Verstöße der Klasse A sowie die Nutzung von Mobiltelefonen am Steuer. Eine weitere Voraussetzung ist, dass der Verstoß nicht zu einem Unfall geführt hat.
Teilnehmer müssen zwar die Kosten für den Kurs selbst tragen, können aber im Gegenzug ein Bußgeld und vor allem einen Eintrag in ihr Fahreignungsregister vermeiden. Dies kann sich langfristig positiv auf die Versicherungskosten auswirken.
Was bedeutet die neue Regelung konkret?
Die Änderung bedeutet mehr Flexibilität und Fairness. September Ridgeway, die Verwalterin des städtischen Gerichts von Albany, erklärte, dass das Gericht bereits seit Oktober damit begonnen habe, das Programm für alle Altersgruppen anzubieten. Die nun verabschiedete Verordnung gibt dieser Praxis einen formellen rechtlichen Rahmen.
Wichtig ist jedoch, dass die Teilnahme kein automatisches Recht ist. Der städtische Richter behält sich ein Ermessensspielraum vor. Laut Ridgeway könnte dieses Ermessen genutzt werden, wenn „außergewöhnliche Umstände“ eine Teilnahme unangemessen erscheinen lassen. Dies stellt sicher, dass das Programm nicht in Fällen angewendet wird, in denen ein strengeres Vorgehen erforderlich ist.
Der Auslöser: Tausende Strafzettel durch neue Blitzer
Die Entscheidung zur Ausweitung des Programms steht in direktem Zusammenhang mit einer anderen Maßnahme zur Erhöhung der Verkehrssicherheit. Ende 2023 genehmigte der Stadtrat die Installation mehrerer stationärer Geschwindigkeitskameras an kritischen Punkten in der Stadt.
Standorte sind unter anderem die North Albany Road in der Nähe von zwei Schulen, die Kreuzung Queen Avenue und Elm Street sowie die Santiam Road und Geary Street. Diese Kameras wurden im vergangenen Jahr in Betrieb genommen und haben zu einem drastischen Anstieg der erfassten Verkehrsverstöße geführt.
Zahlen im Überblick
Daten der Polizei von Albany zeigen die Wirkung der neuen Kameras: Im Jahr 2025 wurden fast 6.300 Strafzettel wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen und anderer Verkehrsdelikte ausgestellt, die von den Geräten erfasst wurden. Davon entfielen allein rund 3.500 auf den Bereich North Albany.
Dieser sprunghafte Anstieg führte zu Bedenken bei einigen Bürgern, die sich an den Stadtrat wandten. Die Ausweitung des Verkehrsschulungsprogramms kann als direkte Reaktion auf diese Entwicklung gesehen werden, um den Bürgern eine konstruktive Alternative zur reinen Bestrafung zu bieten.
Ein Schritt zu mehr Fairness
Die treibende Kraft hinter der Änderung war der Wunsch nach mehr Gerechtigkeit im System. Insbesondere Stadtratspräsidentin Steph Newton setzte sich seit langem für die Abschaffung der Altersgrenze ein. Sie argumentierte, dass die Möglichkeit, aus einem Fehler zu lernen und die Konsequenzen abzumildern, nicht vom Alter abhängen sollte.
Die bisherige Regelung, die nur Fahrern bis 25 Jahre den Zugang zur Verkehrsschule ermöglichte, wurde zunehmend als unfair empfunden. Die neue Verordnung stellt sicher, dass alle Ersttäter, die die Kriterien erfüllen, die gleiche Chance erhalten.
„Es ist eine Frage der Fairness“, betonte Newton wiederholt im Stadtrat und unterstrich damit die Hauptmotivation für die Gesetzesänderung.
Die Resonanz auf die bereits seit Oktober praktizierte Öffnung des Programms scheint positiv zu sein. Auf die Frage der Stadträtin Marilyn Smith, wie viele Personen das Angebot bereits genutzt hätten, konnte September Ridgeway zwar keine genauen Zahlen nennen, bestätigte aber, dass es „ziemlich viele“ gewesen seien.
„Es war beliebt“, fügte Ridgeway hinzu. Dies deutet darauf hin, dass ein erheblicher Bedarf bestand und die Maßnahme von den Bürgern gut angenommen wird. Sie bietet eine Möglichkeit, das Bewusstsein für sicheres Fahren zu schärfen, anstatt nur finanzielle Strafen zu verhängen.
Was sind Verkehrsverstöße der Klassen B, C und D?
In vielen Rechtssystemen werden Verkehrsverstöße nach ihrer Schwere klassifiziert. Obwohl die genauen Definitionen variieren können, umfassen diese Klassen typischerweise:
- Klasse D: Geringfügige Verstöße wie das Überschreiten des Tempolimits um einen kleinen Betrag oder das Nichtanlegen des Sicherheitsgurtes.
- Klasse C: Mittelschwere Verstöße, beispielsweise eine deutlichere Geschwindigkeitsüberschreitung oder das Überfahren einer durchgezogenen Linie.
- Klasse B: Ernstere Verstöße, die aber noch nicht als Straftat gelten, wie zum Beispiel rücksichtsloses Fahren, das andere gefährdet.
Verstöße der Klasse A und die Handynutzung sind oft schwerwiegender und daher vom Programm in Albany ausgeschlossen.
Mit der neuen Verordnung positioniert sich Albany als eine Stadt, die auf Bildung statt allein auf Bestrafung setzt. Das Ziel ist es, die Verkehrssicherheit langfristig zu verbessern, indem Fahrern die Möglichkeit gegeben wird, ihr Verhalten zu reflektieren und zu korrigieren, unabhängig davon, wie alt sie sind.




