Die Luxusjachtbranche steht vor einer großen Herausforderung: Teakholz, das seit Langem für seine Haltbarkeit und Ästhetik geschätzt wird, ist zunehmend schwer zu beschaffen und in vielen Fällen illegal. Angesichts strengerer Importvorschriften und eines wachsenden Bewusstseins für Nachhaltigkeit suchen Werften und Zulieferer intensiv nach alternativen Materialien. Diese Entwicklung zwingt die Branche zu Innovationen und einem Umdenken in der Materialauswahl.
Wichtige Erkenntnisse
- Teakholz aus Myanmar ist in der EU, den USA und Großbritannien illegal.
- Werften wie Oceanco und Sunseeker wurden wegen der Verwendung von illegalem Teakholz bestraft.
- Alternativen wie thermisch modifiziertes Holz und synthetische Materialien gewinnen an Bedeutung.
- Unternehmen investieren in Forschung und Entwicklung, um leistungsfähige Ersatzstoffe zu finden.
- Ein Kulturwandel weg von Teakholz ist in der Branche notwendig.
Illegalität und Knappheit von Teakholz
Teakholz ist seit Jahrzehnten das bevorzugte Material für Decks und Innenräume von Luxusjachten. Seine Widerstandsfähigkeit gegenüber Fäulnis und Salzwasser sowie seine attraktive Optik machen es besonders wertvoll. Das hochwertigste Teakholz stammt traditionell von alten Bäumen aus Naturwäldern, fast ausschließlich in Myanmar.
Seit dem Militärputsch im Jahr 2021 ist der Import von Teakholz aus Myanmar in die EU, die USA und Großbritannien jedoch illegal. Dies ist auf Handelssanktionen und mangelnde Nachhaltigkeit im Holzeinschlag zurückzuführen. Bereits vor den Sanktionen gab es strenge Importbeschränkungen.
Faktencheck
- Die Luxusjacht Koru von Jeff Bezos, die 2023 ausgeliefert wurde, verwendet Teakholz im Innenbereich und auf dem Deck.
- Das niederländische Schiffbauunternehmen Oceanco, Erbauer der Koru, wurde Ende 2024 wegen der Verwendung von Myanmar-Teakholz im Innenbereich der Jacht von den Behörden bestraft.
- Auch der britische Luxusjachtbauer Sunseeker erhielt Ende 2024 eine Strafe für die Nutzung von Teakholz aus Myanmar.
Diese Strafen verdeutlichen das Ausmaß des Problems. Trotz der Verbote findet Teakholz aus Myanmar weiterhin seinen Weg in die Lieferketten, oft getarnt als Plantagenteak aus anderen tropischen Ländern. Die Erschöpfung der vor den Sanktionen angelegten Lagerbestände an Altholz verstärkt den Druck auf die Branche, Alternativen zu finden.
Herausforderungen bei der Beschaffung von Plantagenteak
Plantage-Teakholz von jüngeren Bäumen wird von High-End-Werften oft als minderwertig angesehen. Es erreicht selten die langen, breiten, dunkelbraunen Bretter, die mit Qualität assoziiert werden. Dies erschwert die Suche nach legalen und nachhaltigen Quellen.
„Alternativen zu natürlichem Teak sind sehr willkommen“, sagt Walter Kollert, ein in Portugal ansässiger Forstberater und Mitglied des Lenkungsausschusses von TEAKNET. „Wir laufen Gefahr, alte Teakwälder zu verlieren, die Teil eines wertvollen Ökosystems sind.“
Andere Naturhölzer, die als Teakholz-Ersatz dienen könnten, erfüllen oft nicht die anspruchsvollen Standards der Branche oder sind nur begrenzt verfügbar. Kork ist eine weitere Option, die aufgrund ihrer Nachhaltigkeit an Beliebtheit gewinnt. Kork wird aus der Rinde geerntet, die nachwächst, was sie zu einer kohlenstoffarmen Wahl macht. Allerdings spricht ihr Aussehen nicht jeden an.
Innovative Alternativen auf dem Vormarsch
Die Jachtbranche reagiert auf die Herausforderungen mit neuen Lösungen. Thermisch modifizierte Hölzer, synthetische Materialien und technische Teakholz-Laminate sind vielversprechende Ansätze. Diese Optionen gibt es zwar schon seit Jahren, doch jüngste Innovationen verbessern ihre Qualität und Akzeptanz.
Sunreef Yachts, ein führender Luxusjachtbauer aus Polen und Dubai, hat im Oktober letzten Jahres angekündigt, komplett auf Teakholzdecks zu verzichten. Nicolas Lapp, Mitbegründer und technischer Leiter des Unternehmens, betont, dass dies sowohl durch die Schwierigkeit der Beschaffung von hochwertigem Plantagenteak als auch durch das Streben nach mehr Nachhaltigkeit motiviert sei.
Hintergrundinformation
Thermisch modifiziertes Holz wird durch Hitzebehandlung verändert, um seine Eigenschaften zu verbessern. Dieser Prozess macht das Holz widerstandsfähiger gegen Feuchtigkeit, Fäulnis und Insektenbefall. Es erhält oft eine dunklere Farbe, die Teakholz ähnelt, und ist stabiler als unbehandeltes Holz.
Sunreef bietet nun zwei thermisch modifizierte Hölzer an. Diese sollen nicht nur optisch Teakholz ähneln, sondern auch leichter zu reinigen sein und eine bessere thermische Leistung bieten. Sie bleiben in der Sonne kühler und isolieren die darunter liegenden Kabinen, was den Bedarf an Klimaanlagen reduziert.
Tesumo: Eine deutsche Innovation
Ein Beispiel für ein solches thermisch modifiziertes Holz ist Tesumo. Das Produkt wurde Ende 2021 von einem gleichnamigen Unternehmen auf den Markt gebracht. Tesumo entstand aus einem Forschungsprojekt der Universität Göttingen und der Lürssen Werft, einem der renommiertesten Jachtbauer der Welt. Lürssen suchte nach einer guten natürlichen Alternative zu altem Teakholz.
Das Produkt wird in Deutschland hergestellt und basiert auf einem schnell wachsenden afrikanischen Hartholz, das wärmebehandelt und anschließend weiterverarbeitet wird, unter anderem durch Harzimprägnierung. Zu den prominenten Installationen gehören ein Hubschrauberlandeplatz auf der Lürssen-Jacht Dragonfly und das komplette Deck der Superjacht Boardwalk.
Synthetische Alternativen
Auch synthetische Alternativen, darunter Kunststoffe, entwickeln sich ständig weiter. Flexiteek, ein in Großbritannien hergestellter PVC-Teakholz-Ersatz, der im Jahr 2000 eingeführt wurde, gilt als Marktführer in seiner Kategorie. Ende 2024 brachte das Unternehmen sein Produkt der dritten Generation auf den Markt.
Laut Steve Moore, Marketingleiter des Unternehmens, ist es leichter zu reinigen als echtes Teakholz, behält seine Farbe, während Teakholz mit der Zeit vergraut, und bietet eine verbesserte thermische Leistung im Vergleich zu früheren Versionen.
Die Rolle von Teakdecking Systems
Richard Strauss, CEO von Teakdecking Systems, kennt die Herausforderungen bei der Beschaffung von Teakholz. Sein Unternehmen fertigte die Decks für die Koru in seiner Fabrik in Spanien. Strauss versichert, dass das für das Deck verwendete Teakholz über einen Holzhändler innerhalb der EU bezogen und die Herkunft durch eine Drittfirma überprüft wurde.
Das Unternehmen verbaut Decks aus Plantagenteak, das hauptsächlich aus Indien stammt, oder aus einer Handvoll Alternativen, mit denen es gute Erfahrungen gemacht hat. Dazu gehört ein laminiertes Holzprodukt namens Green Teak aus Thailand. Laminiertes Teakholz ist ein technisches Produkt, bei dem Plantagenteak, das normalerweise für hochwertige Decks abgelehnt würde, dünn geschnitten und zusammengeklebt wird, um ein starkes, stabiles Material zu bilden.
„Man täuscht das Auge gewissermaßen“, sagt Strauss, „und nutzt dabei wesentlich mehr vom Stamm.“ Trotz der Alternativen bleibt Plantagenteak bei seinen Kunden am beliebtesten.
Ein notwendiger Kulturwandel
Nicolas Lapp von Sunreef betont, dass ein breiterer Kulturwandel weg von Teakholz insgesamt erforderlich ist. Kunden wünschen sich anfangs oft Teakholz, bis sie die Probleme und die Vorteile von Alternativen kennenlernen. „Dann zeigen wir es ihnen, und sie merken, dass sie den Unterschied nicht erkennen können“, so Lapp.
Einige kleinere Betriebe, wie das britische Familienunternehmen Jeremy Rogers, halten vorerst an Teakholz fest. Sie beziehen es von älteren, staatlich verwalteten Plantagen auf Java und sind zuversichtlich, dass es sich um authentisches und nachhaltig geerntetes Holz handelt. Das Unternehmen ist daran interessiert, einen wirklich nachhaltigen Ersatz zu finden, der gut funktioniert, aber frühere Experimente mit Alternativen waren meist enttäuschend.
Jessie Rogers fasst die Herausforderung zusammen: „Das Problem für die Alternativen ist, dass nichts ganz wie echtes Teakholz ist.“ Die Branche muss jedoch weiter nach Lösungen suchen, um sowohl den ökologischen als auch den rechtlichen Anforderungen gerecht zu werden.




