Ein Prototyp des Tesla Cybercab wurde kürzlich in der Innenstadt von Austin, Texas, auf öffentlichen Straßen gesichtet. Das Fahrzeug absolvierte Testfahrten, begleitet von einem menschlichen Sicherheitsbeauftragten. Dies markiert einen wichtigen Schritt in der Entwicklung von Teslas Robotaxi-Dienst, da die Tests nun über geschlossene Gelände hinausgehen.
Wichtige Erkenntnisse
- Erster Cybercab-Prototyp auf öffentlichen Straßen in Austin gesichtet.
- Fahrzeug verfügte über temporäre Außenspiegel und einen menschlichen Sicherheitsfahrer.
- Tests dienen der Datenerfassung und regulatorischen Validierung.
- Serienproduktion des Cybercab soll im April 2026 beginnen.
- Tesla arbeitet an Lösungen für Fahrassistenzsysteme, etwa gegen Blendeffekte.
Cybercab-Tests auf offener Straße
Der gesichtete Cybercab-Prototyp trug texanische Herstellerkennzeichen und zeigte die bekannte mattgoldene Oberfläche. Im Gegensatz zu früheren Präsentationsmodellen, die spiegel- und lenkradlos waren, war dieses Testfahrzeug mit kleinen Außenspiegeln ausgestattet. Ein menschlicher Sicherheitsbeauftragter saß auf dem Fahrersitz.
Die Außenspiegel sind notwendig, um die aktuellen "Federal Motor Vehicle Safety Standards" (FMVSS) zu erfüllen. Diese Vorschriften verlangen Spiegel in Fahrzeugen, die von einem Bediener gesteuert werden. Die Anwesenheit eines Sicherheitsmonitors deutet darauf hin, dass Tesla wichtige Sicherheits- und Zulassungstests vor der Massenproduktion durchführt.
Faktencheck
Die Serienproduktion des Tesla Cybercab ist für April 2026 geplant. Dies bedeutet, dass Tesla nur noch wenige Monate Zeit hat, das Fahrzeug für den Einsatz in Städten wie Austin und der Bay Area vorzubereiten.
Warum ein menschlicher Sicherheitsfahrer?
Obwohl Tesla bereits fahrerlose Robotaxi-Fahrzeuge des Model Y in Austin getestet hat, war im Cybercab ein menschlicher Aufseher anwesend. Dies hat zwei Hauptgründe. Erstens erfordern die aktuellen FMVSS-Vorschriften manuelle Bedienelemente und Spiegel für Fahrzeuge auf öffentlichen Straßen, auch wenn der Cybercab ohne Lenkrad und Pedale konzipiert ist. Tesla drängt auf neue bundesweite Vorschriften für Robotaxis, um unnötige Teile zu eliminieren.
Zweitens dient der menschliche Sicherheitsfahrer der Datenerfassung in realen Verkehrssituationen. Ein Ingenieur kann das System unter Stress beobachten und qualitative Daten über das Fahrerlebnis sammeln. Dies ist entscheidend, um sicherzustellen, dass Cybercab-Fahrten nicht nur sicher, sondern auch reibungslos und komfortabel sind.
„Die qualitative Beschreibung der Fahrt und des Erlebnisses durch den Ingenieur auf dem Sitz wird ein wichtiger Teil sein, um sicherzustellen, dass Cybercab-Fahrten reibungslos und komfortabel sind – nicht nur sicher.“
Herausforderungen für autonome Systeme
Die Entwicklung voll autonomer Fahrzeuge bringt komplexe technische Herausforderungen mit sich. Eine davon ist die Beeinträchtigung der Kamerasicht durch Blendeffekte, beispielsweise durch tief stehende Sonne oder entgegenkommende Scheinwerfer. Dies kann die Leistungsfähigkeit von Fahrassistenzsystemen erheblich mindern.
Tesla hat ein Patent für ein innovatives Kameragehäuse angemeldet, das dieses Problem lösen soll. Die Technologie, genannt "Cone-Textured Glare Shield for Enhanced Camera Vision", beschreibt einen Blendschutz mit mikroskopisch kleinen Kegelstrukturen und einem motorisierten Mechanismus, der den Schutz je nach Sonnenposition neigen kann.
Mikro-Kegel und aktive Blendkontrolle
Herkömmliche Blendschutze sind oft flache, texturierte Kunststoffoberflächen. Selbst wenn sie schwarz sind, können sie bei bestimmten Lichtwinkeln immer noch Licht zurück zur Kamera reflektieren. Teslas Lösung ersetzt diese flachen Oberflächen durch ein dreidimensionales Array von Mikro-Kegeln. Diese präzisionsgefertigten Kegel, mit Höhen von 0,65 mm bis 2 mm, streuen das einfallende Licht, anstatt es zu reflektieren. Dies reduziert die sogenannte "Total Hemispherical Reflectance" (THR) drastisch.
Hintergrundinformationen
Tesla ist bekannt für seine Innovationskraft in der Fertigung. Die Herstellung von Millionen mikroskopisch kleiner, spitz zulaufender Kegel erfordert spezielle Techniken. Das Patent beschreibt den Einsatz von gesinterten Stahleinsätzen in den Formen, die Luft durchlassen, um die präzise Formung der Kegel zu ermöglichen.
Der fortschrittlichste Aspekt des Patents ist ein elektromechanisches Verstellsystem. Der Blendschutz soll sich dynamisch neigen können, ähnlich einem menschlichen Augenlid. Mithilfe von Schrittmotoren und Aktuatoren wird der Blendschutz in Echtzeit an die Position der Sonne oder anderer Blendquellen angepasst. Das Ziel ist es, die Kameralinse dauerhaft im Schatten zu halten, unabhängig von Tageszeit oder Fahrtrichtung.
Zukünftige Entwicklungen im Blick
Diese Patentanmeldung unterstreicht den hohen Detailgrad, mit dem Tesla die Herausforderungen des autonomen Fahrens angeht. Es geht nicht nur um das Training neuronaler Netze, sondern auch um die Entwicklung physischer Lösungen, die durch Software allein nicht überwunden werden können. Die Reduzierung von Blendeffekten liefert sauberere und zuverlässigere Daten für das Full Self-Driving (FSD)-System.
Es bleibt abzuwarten, wann diese Technologien in zukünftigen Tesla-Fahrzeugen zum Einsatz kommen. Die kontinuierlichen Tests des Cybercab auf öffentlichen Straßen und die Forschung an fortschrittlichen Kamerasystemen zeigen jedoch, dass Tesla schnell voranschreitet, um die Robotaxi-Vision zu verwirklichen.
Reifenkontrolle bei Standardmodellen
Neben den zukunftsweisenden Projekten gibt es auch Änderungen bei den aktuellen Standardmodellen von Tesla. Neuere Standardvarianten des Model 3 und Model Y verwenden ein indirektes Reifendruckkontrollsystem (RDKS) anstelle des bisherigen direkten Systems mit Bluetooth-Sensoren.
- Direktes RDKS: Nutzt physische Sensoren in jedem Rad, die Echtzeit-PSI-Werte an das Fahrzeug senden.
- Indirektes RDKS: Verwendet ABS- und Raddrehzahlsensoren. Ein platter Reifen hat einen kleineren Durchmesser und dreht sich schneller, was das System erkennt und einen Alarm auslöst.
Diese Umstellung ist eine Kostenersparnis für Tesla, bedeutet aber für Besitzer den Verlust der genauen Reifendruckanzeige in der App oder im Fahrzeugdisplay. Zudem sind indirekte Systeme oft weniger empfindlich, sodass langsame Lecks möglicherweise erst bei einem erheblichen Druckverlust bemerkt werden.
Die Benutzeroberfläche im Fahrzeug zeigt nun vier Indikatoren für die Reifen an, die bei korrektem Druck schwarz bleiben und bei niedrigem Druck gelb oder rot werden. Eine manuelle Kalibrierung des Reifendrucks ist nach dem Aufpumpen oder Reifenwechsel erforderlich.
Diese Änderungen, zusammen mit den Fortschritten beim Cybercab und den Kamera-Technologien, zeigen Teslas breites Spektrum an Innovationen und Anpassungen im Automobilsektor.




