Die US-Verkaufszahlen von Tesla sind im November auf den niedrigsten Stand seit fast vier Jahren gefallen. Dies geschah trotz der Einführung neuer, preisgünstigerer Modellvarianten. Daten von Cox Automotive, die exklusiv an Reuters weitergegeben wurden, zeigen einen deutlichen Rückgang der Nachfrage, der Fragen nach der aktuellen Strategie des Elektroautoherstellers aufwirft.
Wichtige Erkenntnisse
- Teslas US-Verkäufe fielen im November auf den niedrigsten Stand seit Januar 2022.
- Trotz Einführung günstigerer 'Standard'-Varianten sank der Gesamtabsatz um fast 23%.
- Das Ende der staatlichen Steuergutschriften traf den gesamten EV-Markt hart, Tesla konnte seinen Marktanteil jedoch erhöhen.
- Experten sehen Bedarf an völlig neuen Fahrzeugmodellen, um die Nachfrage anzukurbeln.
Einbruch der Verkaufszahlen im November
Im November 2025 verkaufte Tesla in den USA lediglich 39.800 Fahrzeuge. Dies stellt einen Rückgang von fast 23% gegenüber den 51.513 Einheiten im Vorjahr dar. Es ist der niedrigste Monatsabsatz seit Januar 2022. Dieser Rückgang überrascht, da Tesla im Oktober günstigere 'Standard'-Varianten des Model Y SUV und der Model 3 Limousine eingeführt hatte, die etwa 5.000 US-Dollar unter den bisherigen Basismodellen lagen.
Die Erwartung war, dass diese erschwinglicheren Modelle die Verkaufszahlen nach dem Ende der staatlichen Steuergutschriften stützen würden. Diese Gutschriften in Höhe von 7.500 US-Dollar waren Ende September von der Trump-Regierung gestrichen worden und hatten den gesamten Markt für Elektrofahrzeuge (EV) getroffen.
Faktencheck: Teslas November-Zahlen
- Gesamtverkäufe (November): 39.800 Fahrzeuge
- Rückgang gegenüber Vorjahr: Fast 23%
- Niedrigster Stand seit: Januar 2022
Kannibalisierung und mangelnde Nachfrage
Stephanie Valdez Streaty, Direktorin für Branchenanalysen bei Cox Automotive, äußerte sich kritisch zur aktuellen Situation. Sie erklärte in einem Interview mit Reuters, dass der Rückgang zeige, „dass es nicht genug Nachfrage nach den Standardvarianten gibt, die die Verkäufe nach dem Auslaufen der Steuergutschrift ankurbeln sollten.“ Ein weiteres Problem sei die Kannibalisierung: „Was auch passiert, ist, dass die Verkäufe der Standard-Varianten in die Verkäufe der Premium-Versionen, insbesondere des Model 3, hineinfressen.“
Das Ende der Steuergutschriften traf viele EV-Konkurrenten noch härter. Die gesamten US-EV-Verkäufe fielen im November um mehr als 41%. Trotz dieses allgemeinen Marktrückgangs konnte Tesla seinen Marktanteil von 43,1% auf 56,7% steigern. Dies deutet darauf hin, dass Tesla im Vergleich zu anderen Herstellern relativ besser dasteht, auch wenn die absoluten Zahlen sinken.
„Der Rückgang zeigt deutlich, dass die Nachfrage nach den Standardvarianten nicht ausreicht, die die Verkäufe nach dem Auslaufen der Steuergutschrift ankurbeln sollten.“
Herausforderungen für Tesla im kommenden Jahr
Nach Jahren rasanten Wachstums sanken die Auslieferungen von Tesla bereits im letzten Jahr zum ersten Mal. Hohe Kreditkosten, die die Verbraucherstimmung trübten, und wachsende Konkurrenz, insbesondere in Europa und China, mit neuen und günstigeren Modellen anderer Hersteller, trugen dazu bei. Auch für dieses Jahr wird ein erneuter Rückgang der Auslieferungen erwartet.
Tesla hat seit der Einführung des Cybertruck-Pickups, der Schwierigkeiten hat, Käufer zu finden, kein völlig neues Fahrzeug mehr auf den Markt gebracht. Die restliche Modellpalette besteht aus älteren Modellen mit geringfügigen Aktualisierungen. Dies stellt eine große Herausforderung dar, besonders im Hinblick auf das kommende Jahr.
Hintergrund: Steuergutschriften und Marktdynamik
Die US-Regierung hatte Steuergutschriften von bis zu 7.500 US-Dollar für den Kauf von Elektrofahrzeugen angeboten. Diese sollten den Übergang zur Elektromobilität fördern. Das plötzliche Ende dieser Subventionen führte zu einem sofortigen Nachfragerückgang im gesamten EV-Markt. Hersteller wie Tesla mussten schnell reagieren, um die Verkäufe aufrechtzuerhalten.
Die Notwendigkeit neuer Modelle
Experten sind sich einig, dass Tesla dringend neue Fahrzeugmodelle benötigt. Cox's Streaty betonte: „Tesla hat im nächsten Jahr eine ernsthafte Herausforderung vor sich, wenn mehrere andere Autohersteller planen, günstigere Fahrzeuge auf den Markt zu bringen, die auch voller unterhaltsamer Funktionen sind.“ Sie fügte hinzu: „Die Antwort ist, dass Tesla ein völlig neues Fahrzeug in seiner Flotte braucht. Punkt.“
Die Marke Tesla sah sich auch mit Herausforderungen bezüglich ihres Images konfrontiert. Die politische Rhetorik von CEO Elon Musk und seine Arbeit für US-Präsident Donald Trump führten zu Protesten und beeinträchtigten das Markenimage. Dies könnte ebenfalls einen Einfluss auf die Kaufentscheidungen einiger Verbraucher haben.
Finanzierungsangebote als Zeichen schwacher Nachfrage
Tesla bietet derzeit Finanzierungsangebote von bis zu 0% für das Standard Model Y an. Solche Angebote sind in der Weihnachtszeit zwar üblich, doch Analysten und Investoren sehen das Angebot für eine Variante, die erst vor etwas mehr als einem Monat auf den Markt kam, als Zeichen schwacher Nachfrage. Sowohl das Standard Model Y als auch das Standard Model 3 waren auf der Tesla-Website mit reduzierten Preisen im Bestand verfügbar.
Shawn Campbell, Berater bei Camelthorn Investments, fasste die Situation zusammen: „Ich denke, das Fazit ist: Wenn die Nachfrage da wäre, würden sie keine 0%-Finanzierung anbieten.“ Er schloss mit der Feststellung: „Die Lösung für das Nachfrageproblem müssen letztendlich neue, frische Modelle sein.“
Die zukünftige Strategie von Tesla, die sich auf Robotaxis und humanoide Roboter konzentriert, wird von Investoren mit 1,4 Billionen US-Dollar bewertet. Doch der Erfolg dieser langfristigen Vision hängt auch davon ab, wie das Unternehmen seine aktuellen Fahrzeugverkäufe stabilisieren und neue Käuferschichten gewinnen kann.




