Toyota steht vor einer ungewöhnlichen Herausforderung: Der beliebte RAV4 ist so gefragt, dass der japanische Automobilhersteller seine Händler nun dazu anweist, verstärkt andere Modelle zu bewerben. Produktionsengpässe an drei wichtigen Standorten weltweit führen zu einer Knappheit des Kompakt-SUVs. Diese Situation zwingt Toyota und Lexus zu einer kreativen Vertriebsstrategie, um das Verkaufsziel für das Jahr zu erreichen.
Wichtige Erkenntnisse
- Toyota RAV4 leidet unter Produktionsengpässen an drei Standorten.
- Händler sollen sich auf den Verkauf anderer Modelle konzentrieren.
- Ziel ist es, den Umsatzverlust durch RAV4-Knappheit auszugleichen.
- Modelle wie Crown, Crown Signia und BZ4X sollen mehr Aufmerksamkeit erhalten.
- Toyota und Lexus verzeichneten 2025 starke Verkaufszahlen.
Produktionsengpässe beim RAV4
Der Toyota RAV4 ist seit Jahren ein Verkaufsschlager. Seine Beliebtheit hat jedoch eine Kehrseite: Die Produktion kann mit der Nachfrage kaum Schritt halten. Dies wird durch die Einführung einer neuen Generation des Kompakt-Crossovers zusätzlich erschwert. Die drei Montagewerke in Kentucky (USA), Ontario (Kanada) und Japan, die den RAV4 produzieren, arbeiten bereits am Limit. Jede Unterbrechung oder Umstellung wirkt sich sofort auf die Verfügbarkeit aus.
Die aktuelle Situation ist nicht neu für Toyota. Bereits in den letzten zwei Jahren verzeichneten Toyota und Lexus die geringsten monatlichen Lagerbestände in der gesamten Automobilindustrie. Dies zeigt eine anhaltende Herausforderung in der Lieferkette und der Produktionsplanung.
Faktencheck
Toyota und Lexus hatten in den letzten zwei Jahren die geringsten Lagerbestände in der gesamten Automobilindustrie.
Neue Strategie für Händler
Auf einem Treffen der National Automobile Dealers Association in Las Vegas informierte David Christ, Group Vice President bei Toyota Nordamerika und Leiter der Marke Toyota, die Händler über die neue Strategie. Er betonte, dass die Händler kreativer werden müssen, um die fehlenden RAV4-Verkaufszahlen durch andere Fahrzeuge auszugleichen.
„Im Moment besteht der Großteil unserer Lagerbestände aus Pick-up-Trucks, also können wir das heute tun, und wir versuchen es“, erklärte Christ. „Aber was die geringen Lagerbestände an Pkw betrifft, wird sich das im Laufe des Jahres stärker herauskristallisieren, als wir es im Moment wirklich einschätzen können.“
Diese Anweisung unterstreicht den Druck, der auf den Händlern lastet, trotz der eingeschränkten Verfügbarkeit bestimmter Modelle weiterhin gute Verkaufszahlen zu erzielen. Es erfordert eine Neuausrichtung der Verkaufsgespräche und der Marketingbemühungen.
Chancen für andere Modelle
Die Knappheit des RAV4 bietet Toyota die Möglichkeit, weniger gefragte Modelle stärker in den Vordergrund zu rücken. Christ sieht darin eine Chance für das Jahr 2026, den Absatz von Fahrzeugen wie dem Crown, dem Crown Signia und dem BZ4X zu steigern. Auch der kommende C-HR+ EV könnte von dieser Strategie profitieren.
Mit dieser kreativen Herangehensweise hofft Toyota, auch im Jahr 2026 ein Umsatzwachstum zu erzielen. Dies wäre ein beachtlicher Erfolg, da der Markt für 2026 allgemein eine Kontraktion erwartet. Hauptgrund dafür sind die anhaltenden Preisprobleme in der Branche.
Hintergrund: Marktentwicklung 2025
Das Jahr 2025 war für Toyota und Lexus äußerst erfolgreich. Die Verkaufszahlen von Toyota stiegen um 8,1 % auf 2.147.811 Fahrzeuge. Lexus erreichte ein neues Jahresrekordhoch mit einem Anstieg von 7,1 % auf 370.260 Fahrzeuge. Dies schafft eine solide Basis, aber auch hohe Erwartungen für das kommende Jahr.
Preisentwicklung und Händleraufschläge
Die geringe Verfügbarkeit hat auch Auswirkungen auf die Preisgestaltung. Berichte zeigen, dass einige Toyota-Händler erhebliche Aufschläge auf neue RAV4-Modelle verlangen. Teilweise werden fast 5.000 US-Dollar zusätzlich zum Listenpreis gefordert. Dies ist eine direkte Folge des Ungleichgewichts zwischen Angebot und Nachfrage.
Solche Praktiken können die Kundenbeziehung belasten und potenzielle Käufer abschrecken. Für Toyota ist es wichtig, diese Aufschläge zu kontrollieren, um das Vertrauen der Kunden zu erhalten und die Marke nicht zu beschädigen. Wenn Käufer überhöhte Preise zahlen müssen, könnten sie sich stattdessen für andere Modelle entscheiden, selbst wenn diese nicht ihre erste Wahl waren.
- Einige Händler verlangen fast 5.000 US-Dollar Aufschlag auf den RAV4.
- Dies ist eine Reaktion auf die hohe Nachfrage und geringe Verfügbarkeit.
- Toyota muss diese Praktiken genau beobachten, um die Kundenzufriedenheit zu gewährleisten.
Ausblick für 2026
David Christ blickt optimistisch auf das Jahr 2026, auch wenn die Marktbedingungen voraussichtlich anspruchsvoll bleiben. Er betonte, dass die Verkaufsrate stark von der Preisgestaltung abhängen wird. Insbesondere die Auswirkungen von Zöllen könnten die Marktentwicklung beeinflussen.
Die Fähigkeit von Toyota, die Händler zur Förderung anderer Modelle zu bewegen und gleichzeitig die Preispolitik zu steuern, wird entscheidend sein. Sollte es gelingen, die Verkaufszahlen von 2025 zu übertreffen, wäre dies ein starkes Zeichen für die Anpassungsfähigkeit des Unternehmens. Es bleibt abzuwarten, ob die Kunden bereit sind, alternative Modelle zu akzeptieren oder ob die Aufschläge auf den RAV4 zu einer Abwanderung führen.
Die aktuelle Strategie könnte langfristig dazu beitragen, die Abhängigkeit von einzelnen Bestsellern zu verringern und die Vielfalt des Modellangebots besser auszuschöpfen. Dies wäre eine positive Entwicklung für Toyota auf einem sich ständig wandelnden Automobilmarkt.




