Kalifornien sieht sich mit einer zunehmenden Abhängigkeit von Benzinimporten konfrontiert, die oft über tausende Kilometer lange, ungewöhnliche Routen führen. Ein erheblicher Teil dieser Lieferungen kommt aus den Bahamas, obwohl das Benzin ursprünglich aus den USA stammt. Diese komplexe Logistik treibt die ohnehin schon hohen Kraftstoffpreise im Bundesstaat weiter in die Höhe.
Wichtige Erkenntnisse
- Kalifornien importierte im November mehr Benzin als je zuvor, über 40% davon aus den Bahamas.
- Die Schließung von Raffinerien und fehlende Pipelines erhöhen die Importabhängigkeit.
- Ein Schlupfloch im 106 Jahre alten Jones Act ermöglicht den Umweg über die Bahamas.
- US-Benzin wird auf ausländischen Schiffen über die Bahamas nach Kalifornien transportiert, um Kosten zu sparen.
- Asiatische Länder wie Japan, Indien und Südkorea sind ebenfalls wichtige Lieferanten.
Steigende Importe und die Rolle der Bahamas
Die Mengen an Benzin, die Kalifornien über die Bahamas erhält, nehmen stetig zu. Im vergangenen Jahr bezog Kalifornien mehr Benzin über die Bahamas als in den neun Jahren zuvor zusammen. Dies entspricht etwa 12% der gesamten auf dem Seeweg eintreffenden Benzinlieferungen für das gesamte Jahr.
Dieser Anstieg ist eine direkte Folge der sinkenden Raffineriekapazitäten in Kalifornien. Erst im Oktober schloss Phillips 66 seine Raffinerie in Los Angeles. Valero Energy Corp. wird voraussichtlich im Frühjahr eine weitere Raffinerie in Nordkalifornien schließen. Diese Entwicklungen zwingen Kalifornien, sich stärker auf externe Quellen zu verlassen.
Faktencheck: Kaliforniens Benzinmarkt
Kalifornien hat die strengsten Umweltauflagen in den USA. Dies macht den Betrieb von Raffinerien kostspielig. Die erwarteten Raffinerieschließungen könnten die Benzinpreise für Verbraucher um 5 bis 15 Cent pro Gallone erhöhen, so Patrick De Haan, Leiter der Erdölanalyse bei GasBuddy.
Der Jones Act und das Bahamas-Schlupfloch
Ein wesentlicher Faktor für die umständlichen Lieferwege ist der Jones Act, ein 106 Jahre altes Seerecht. Dieses Gesetz schreibt vor, dass Güter, die zwischen US-Häfen verschifft werden, auf Schiffen transportiert werden müssen, die in den USA gebaut, im Besitz der USA sind und von US-Bürgern betrieben werden.
Solche Tanker sind jedoch knapp und teuer zu chartern. Weltweit gibt es nur etwa 55 Jones Act-konforme Öltanker, verglichen mit über 7.000 Öltankern insgesamt. Martin Davies, Direktor des Maritime Law Center der Tulane University, erklärt:
„Selbst wenn es solche Schiffe gäbe, würden sie mehr verlangen als ein unter ausländischer Flagge fahrendes Schiff.“
Um diese zusätzlichen Kosten zu vermeiden, wird US-Benzin vom Golf von Mexiko auf ausländische Schiffe verladen, über die Bahamas transportiert und dann nach Kalifornien gebracht. Dieser Umweg ermöglicht es den Raffinerien, höhere Margen zu erzielen, besonders wenn das spezialisierte Benzin Kaliforniens hohe Preise erzielt.
Die wirtschaftlichen Anreize für Umwege
Die Raffinerien an der Golfküste können durch den Transport über die Bahamas von der Preisdifferenz profitieren. Wenn kalifornisches Benzin, das spezielle Mischungen erfordert, besonders teuer ist, lohnt sich der Umweg. Patrick De Haan bestätigt:
„Es wird reichlich Anreize für Raffinerien an der Golfküste und in Asien geben, die Kalifornier zu beliefern.“
Dieser Handel hat sich insbesondere Anfang 2025 beschleunigt. Bereits in diesem Jahr sind zwei Tanker mit Benzin aus den Bahamas in Kalifornien eingetroffen. Ein Beispiel ist die unter singapurischer Flagge fahrende Silver Moon, die Anfang Januar fast 300.000 Barrel Benzin nach Los Angeles lieferte, nachdem sie Mitte Dezember in Freeport, Bahamas, beladen worden war. Das Schiff durchquerte den Panamakanal und war für den in Houston ansässigen Raffineriebetreiber Phillips 66 bestimmt, der Berichten zufolge Lagertanks auf den Bahamas gemietet hat.
Hintergrund: Die Jones Act-Problematik
Der Jones Act wurde 1920 eingeführt, um die US-Schifffahrtsindustrie zu schützen. Kritiker argumentieren jedoch, dass das Gesetz die Transportkosten innerhalb der USA in die Höhe treibt und die Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigt. Besonders für Regionen wie Kalifornien, die geografisch isoliert sind und keine direkten Pipelineverbindungen zu den großen Raffineriezentren haben, stellt dies eine erhebliche Herausforderung dar.
Alternative Lieferanten und die Zukunft der Benzinversorgung
Neben den Bahamas spielen auch asiatische Länder eine zunehmend wichtige Rolle bei der Benzinversorgung Kaliforniens. Japan und Indien lieferten im Januar einen größeren Anteil des ausländischen Benzins, wobei die Bahamas der drittgrößte Nicht-US-Lieferant waren. Südkorea lieferte im vergangenen Jahr ebenfalls mehr Produkt als die Bahamas.
Asien gilt als praktische Quelle, da Raffinerien in dieser Region bereits Benzinmischungen produzieren, die den spezifischen Anforderungen Kaliforniens entsprechen. Zudem können diese Lieferungen ohne die Kosten für die Durchquerung des Panamakanals erfolgen.
- Top 3 ausländische Lieferanten im Januar:
- Japan
- Indien
- Bahamas
Die wirtschaftliche Attraktivität des Transports von US-Benzin auf günstigeren ausländischen Schiffen hat in den letzten Monaten jedoch etwas nachgelassen. Nach der Lockerung der US-Sanktionen gegen Venezuela stiegen die regionalen Frachtpreise an. Waren ausländische Schiffe früher fast 4 Dollar pro Barrel günstiger als US-Schiffe, beträgt der Preisunterschied nun kaum noch 1 Dollar.
Sollten die Frachtkosten weiter steigen, könnten Lieferungen von US-Benzin über die Bahamas zu teuer werden, um mit den Angeboten aus Südkorea oder Indien zu konkurrieren. Dennoch bleibt die Handelsroute über die Bahamas ein wichtiger Bestandteil der komplexen Lieferkette Kaliforniens, insbesondere angesichts der anhaltenden Raffinerieschließungen und der fehlenden Pipeline-Infrastruktur.




