Besitzer des Wasserstoffautos Toyota Mirai stehen nach einer Empfehlung des Herstellers, Zahlungen einzustellen, vor erheblichen Kreditproblemen. Toyota hatte den Zahlungsstopp als Geste des guten Willens während einer Klage angeboten, doch Berichte über massive Bonitätsverluste und abgelehnte Kredite häufen sich. Dies wirft ein Schlaglicht auf die Herausforderungen der Wasserstofftechnologie und die Kommunikation zwischen Herstellern und Kunden.
Wichtige Erkenntnisse
- Toyota riet Mirai-Besitzern, Zahlungen wegen einer Klage auszusetzen.
- Trotzdem meldeten Banken die ausstehenden Zahlungen an Kreditauskunfteien.
- Viele Besitzer erlitten erhebliche Bonitätseinbußen von bis zu 100 Punkten.
- Die Klage beanstandet irreführende Angaben zur Verfügbarkeit von Tankstellen.
- Die Infrastruktur für Wasserstofffahrzeuge bleibt außerhalb Kaliforniens fast nicht existent.
Kreditwürdigkeit sinkt dramatisch
Mehrere Mirai-Besitzer berichten von drastischen Einbrüchen ihrer Kreditwürdigkeit. Anthony Escobedo, ein Betroffener, sah seinen Kredit-Score von 814 um 100 Punkte fallen. Dies geschah, nachdem Toyota ihm geraten hatte, die Zahlungen für sein Fahrzeug einzustellen, bis eine Sammelklage gegen den Autohersteller geklärt sei. Die ausbleibenden Zahlungen wurden jedoch an Kreditauskunfteien gemeldet, was weitreichende Konsequenzen für die betroffenen Kunden hat.
Escobedo wurde daraufhin ein zinsloser Kredit verwehrt, der die medizinischen Kosten seiner Frau decken sollte. Stattdessen musste er auf teurere Kreditkarten zurückgreifen. Obwohl Toyota die fehlerhaften Meldungen später korrigierte, war der Schaden für seine Bonität bereits eingetreten. Ähnliche Fälle wurden auch von anderen Mirai-Besitzern gemeldet, bei denen Toyota die Fehler erst nach direkter Kontaktaufnahme behob.
Faktencheck: Wasserstoffinfrastruktur
In Kalifornien gibt es derzeit weniger als 60 Wasserstofftankstellen. Außerhalb dieses Bundesstaates existiert praktisch keine Infrastruktur für Wasserstofffahrzeuge in den USA.
Die Ursache: Irreführende Versprechungen
Die Klage gegen Toyota, die im vergangenen Monat eingereicht wurde, behauptet, dass Mirai-Besitzer bezüglich der Alltagstauglichkeit des Wasserstoff-Brennstoffzellenfahrzeugs getäuscht wurden. Die Kläger fordern eine Entschädigung für den Kauf ihrer Fahrzeuge. Sie geben an, dass Toyota-Händler ihnen versichert hätten, die Wasserstofftankstellen würden in naher Zukunft überall verfügbar sein. Ein Besitzer behauptete sogar, ein Händler habe ihm versprochen, Tankstellen würden innerhalb eines Jahres "überall" zu finden sein.
Diese Versprechungen stehen im krassen Gegensatz zur Realität. Die Entwicklung einer umfangreichen Tankstelleninfrastruktur für alternative Antriebe, wie etwa Elektrofahrzeuge, nimmt oft Jahre in Anspruch. Für Wasserstofffahrzeuge ist der Ausbau noch langsamer.
"Es ist eine Sache, wenn [Toyota] dieses Versprechen nie gemacht hätte... Das wäre in Ordnung gewesen. Wir hätten unser Recht vor Gericht gesucht. Aber dann falsche Informationen zu geben und aktiv zu schaden sowie weitere Verwirrung zu stiften, das ist wirklich eine dunkle, verdrehte Sache, die man seinen eigenen Kunden antut."
Jason Ingber, Anwalt der Mirai-Besitzer
Ein Auto ohne Heimat: Der Mirai außerhalb Kaliforniens
Die geografische Beschränkung der Wasserstoffinfrastruktur stellt Mirai-Besitzer vor große Probleme. Ein Marine, der einen 2023er Mirai für 42.358,93 Dollar kaufte, wurde von Kalifornien nach Virginia versetzt. Er hatte das Fahrzeug mit dem Versprechen erworben, es bei einem Transfer zurückgeben zu können. In Virginia stellte er fest, dass es dort keine Wasserstoffinfrastruktur gibt.
Der Händler bot ihm für sein Fahrzeug nur noch 11.000 Dollar an. Dieser Fall zeigt, wie stark der Wert des Mirai außerhalb Kaliforniens verfällt und wie riskant der Kauf eines solchen Fahrzeugs ohne eine flächendeckende Infrastruktur sein kann. Die Besitzer sind in einer schwierigen Lage, da der Wertverlust des Modells erheblich ist.
Hintergrund: Wasserstoff als Kraftstoff
Wasserstoff-Brennstoffzellenfahrzeuge gelten auf dem Papier als emissionsfreie Alternative. Sie erzeugen Strom durch die chemische Reaktion von Wasserstoff und Sauerstoff, wobei lediglich Wasserdampf als Emission entsteht. Die größte Hürde für ihre Verbreitung ist jedoch die fehlende Infrastruktur für Produktion, Transport und Betankung von Wasserstoff.
Rechtliche Schritte und Ausblick
Ein Richter soll in Kürze entscheiden, ob die Sammelklage gegen Toyota weitergeführt wird. Die Besitzer hoffen auf eine Entschädigung für ihre Investition und die entstandenen Unannehmlichkeiten. Der Fall könnte weitreichende Auswirkungen auf die Automobilindustrie haben, insbesondere im Hinblick auf die Kommunikation mit Kunden über neue, noch nicht vollständig etablierte Technologien.
Die Situation der Mirai-Besitzer unterstreicht die Notwendigkeit transparenter Informationen über die Nutzungsmöglichkeiten und Einschränkungen neuer Fahrzeugtechnologien. Konsumenten müssen sich auf die Angaben der Hersteller verlassen können, insbesondere wenn es um so grundlegende Aspekte wie die Betankung ihres Fahrzeugs geht.
- Kundenvertrauen: Der Fall könnte das Vertrauen in neue Technologien beeinträchtigen, wenn Versprechen nicht gehalten werden.
- Herstellerverantwortung: Er wirft Fragen nach der Verantwortung von Herstellern auf, wenn sie Kunden zu Handlungen ermutigen, die negative Folgen haben.
- Zukunft der Wasserstoffmobilität: Die schleppende Entwicklung der Infrastruktur bleibt ein Hauptproblem für die Akzeptanz von Wasserstofffahrzeugen.




