Die Motorräder von Harley-Davidson sind weltweit bekannt. Weniger bekannt ist jedoch, wie der Spitzname „Hog“ für diese Maschinen entstand. Die Geschichte reicht bis in die frühen 1920er Jahre zurück und verbindet den Rennsport mit cleverem Marketing. Ursprünglich ein Spitzname für ein siegreiches Rennteam, entwickelte sich „Hog“ später zu einer zentralen Marke für das Unternehmen und seine treue Fangemeinde.
Wichtige Erkenntnisse
- Der Spitzname „Hog“ entstand in den 1920er Jahren durch das Harley-Davidson-Rennteam.
- Ein Teamfahrer namens Ray Weisharr nahm sein Ferkel Johnny mit auf Siegesrunden.
- Die Presse bezeichnete das Team als „Harley Hogs“, weil sie alle Siege „hamsterten“.
- In den 1980er Jahren nutzte Harley-Davidson den Namen für die „Harley Owners Group“ (H.O.G.).
- Das Börsenkürzel des Unternehmens änderte sich 2001 von „HDI“ zu „HOG“.
Die Anfänge im Rennsport
Die Geschichte des Spitznamens „Hog“ beginnt auf den Rennstrecken der 1920er Jahre. Harley-Davidson dominierte damals den Motorradrennsport. Die Werksrennfahrer feierten einen Sieg nach dem anderen. Ein Mitglied dieses erfolgreichen Teams, Ray Weisharr, hatte ein ungewöhnliches Maskottchen: ein kleines Ferkel namens Johnny.
Weisharr hatte eine besondere Beziehung zu seinem Haustier. Nach jedem Sieg des Harley-Davidson-Teams nahm er Johnny mit auf die Ehrenrunde. Dieses Bild, ein Rennfahrer mit einem Ferkel auf dem Motorrad, prägte sich schnell in das Gedächtnis der Zuschauer und der Presse ein.
Interessanter Fakt
Das erste Harley-Davidson-Rennteam wurde 1914 gegründet, hatte aber zunächst wenig Erfolg. Erst in den Jahren danach etablierten sich Harley-Motorräder als führende Maschinen im Rennsport.
Die damalige Presse griff dieses kuriose Detail auf. Man begann, das erfolgreiche Rennteam als die „Harley Hogs“ zu bezeichnen. Ein Grund dafür war auch, dass das Team so viele Siege einfuhr, dass es sprichwörtlich alle Trophäen „hamsterte“ – ein Wortspiel mit der englischen Bedeutung von „hogging“.
Vom Spitznamen zur Marke: Die H.O.G.
Nach dieser ersten Phase im Rennsport verschwand der Spitzname „Hog“ für einige Jahrzehnte aus dem Rampenlicht. Doch in den frühen 1980er Jahren erlebte er eine bemerkenswerte Wiedergeburt. Harley-Davidson befand sich zu dieser Zeit in einer wirtschaftlich schwierigen Lage. Das Unternehmen litt unter der sogenannten „Stagflation“, einer Kombination aus stagnierender Wirtschaft und hoher Inflation, die durch die Ölkrisen der 1970er Jahre ausgelöst wurde.
Die Unternehmensleitung suchte nach Wegen, das Geschäft neu zu beleben. Eine der größten Stärken von Harley-Davidson war schon immer seine außergewöhnlich loyale und engagierte Fangemeinde. Motorradclubs hatten in den 1960er und 70er Jahren einen enormen Aufschwung erlebt und prägten das Image der Biker-Kultur.
„H.O.G. war der effektive Start des 'Nah am Kunden'-Ansatzes, der Harley-Davidson seither definiert hat.“
– Steve Piehl, Mitglied des Harley-Marketingteams
Im Jahr 1982 traf Harley-Davidson eine strategische Entscheidung. Das Unternehmen gründete eine offizielle Vereinigung für seine Fahrer: die Harley Owners Group. Der Name verkürzte sich schnell und auf natürliche Weise zu HOG. Dies war ein cleverer Schachzug, der die historische Verbindung zum Rennsport wieder aufleben ließ und gleichzeitig die starke Gemeinschaft der Harley-Fahrer stärkte.
Hintergrund der H.O.G. Gründung
Die 1980er Jahre waren eine Zeit der Umstrukturierung für viele amerikanische Unternehmen. Harley-Davidson erkannte, dass die Bindung zur Kundschaft entscheidend für das Überleben war. Die Gründung der H.O.G. war ein direkter Ausdruck dieser kundenorientierten Strategie.
Steve Piehl, ein wichtiges Mitglied des Marketingteams hinter der H.O.G.-Gründung, betonte die Bedeutung dieser Initiative. Er erklärte, dass die Gruppe nicht nur die Fahrer zusammenbrachte, sondern auch die Geschäftspraktiken des Unternehmens grundlegend veränderte. Führungskräfte und Mitarbeiter begannen, sich stärker in Veranstaltungen zu engagieren und direkt mit den Kunden zu interagieren.
Die „Hog“-Identität in der Moderne
Der Name „Hog“ ist heute untrennbar mit Harley-Davidson verbunden. Er symbolisiert nicht nur die Motorräder selbst, sondern auch die Kultur, die Gemeinschaft und die Geschichte der Marke. Diese tiefe Verankerung in der Markenidentität zeigte sich auch im Finanzbereich.
Im Jahr 2001 änderte Harley-Davidson sogar sein Börsenkürzel an der New York Stock Exchange. Das bisherige Kürzel „HDI“ wurde durch „HOG“ ersetzt. Dies war ein klares Zeichen dafür, wie wichtig dieser Spitzname für das öffentliche Image und die Markenwahrnehmung des Unternehmens geworden war. Es unterstreicht die Idee, dass der Name „Hog“ mehr als nur ein informeller Spitzname ist; er ist ein integraler Bestandteil der Unternehmensidentität.
- 1914: Gründung des ersten Harley-Davidson-Rennteams.
- Frühe 1920er: Rennfahrer Ray Weisharr nimmt sein Ferkel Johnny mit auf Siegesrunden; Team wird als „Harley Hogs“ bekannt.
- 1982: Gründung der Harley Owners Group (H.O.G.) zur Stärkung der Kundenbindung.
- 2001: Harley-Davidson ändert sein Börsenkürzel an der New York Stock Exchange von „HDI“ zu „HOG“.
Trotz der starken Markenbindung und der loyalen Fangemeinde hatte Harley-Davidson in der jüngeren Vergangenheit immer wieder mit finanziellen Herausforderungen zu kämpfen. So musste das Unternehmen beispielsweise im Juli des vergangenen Jahres ein Geschäft über 5 Milliarden Dollar abschließen, um seine Motorradkredite zu verkaufen und finanziell stabil zu bleiben. Dies zeigt, dass selbst eine so starke Marke wie Harley-Davidson kontinuierlich Anpassungen vornehmen muss, um am Markt bestehen zu können.
Der Name „Hog“ bleibt jedoch ein mächtiges Symbol für die Marke und ihre globale Gemeinschaft von Fahrern. Er erzählt eine einzigartige Geschichte von Rennsiegen, tierischen Maskottchen und strategischem Marketing, die bis heute nachwirkt.




