Die achtköpfige Frauencrew des Projekts The Famous Project CIC hat eine historische Leistung vollbracht: Sie umrundete die Welt non-stop in 57 Tagen, 21 Stunden und 20 Minuten. Unter der Führung von Alexia Barrier trotzten die Seglerinnen den extremen Bedingungen des Ozeans und setzten einen Meilenstein im Frauensport.
Wichtige Erkenntnisse
- Die Crew um Alexia Barrier vollendete die Jules Verne Trophy als erste reine Frauencrew.
- Sie benötigten 57 Tage, 21 Stunden und 20 Minuten für die Weltumrundung.
- Die Reise war geprägt von technischen Problemen, extremen Wetterbedingungen und bemerkenswertem Teamwork.
- Die Leistung ist ein Triumph für den Frauensport und die Langstreckensegelei.
Ein Traum wird Wirklichkeit: Start und erste Etappe
Am 28. November startete die Crew von The Famous Project CIC in der Nähe von Ushant, fest entschlossen, Geschichte zu schreiben. Das Ziel: die Jules Verne Trophy als erste reine Frauencrew erfolgreich zu beenden. Der Rekord von IDEC Sport aus dem Jahr 2017, der bei 40 Tagen und 23 Stunden lag, war eine enorme Herausforderung. Doch das Team um Alexia Barrier, Dee Caffari, Annemieke Bes, Rebecca Gmür Hornell, Deborah Blair, Molly LaPointe, Támara Echegoyen und Stacey Jackson hatte Größeres im Sinn: Pionierarbeit im Frauensport.
Die ersten Tage auf See waren von Vorsicht geprägt. Alexia Barrier betonte die Notwendigkeit, das Boot zu schonen und der internationalen Crew, die aus sieben Nationalitäten bestand, Zeit zu geben, ihren Rhythmus zu finden. Starke Nordwestwinde und raue See machten es schwierig, die richtige Balance zu finden. Brüche, die in der Geschichte der Jules Verne Trophy oft zu Aufgaben führten, sollten unbedingt vermieden werden. Der Maxi-Trimaran IDEC SPORT überstand diese Anfangsphase unversehrt.
Faktencheck
- Startdatum: 28. November
- Ziel: Erste reine Frauencrew, die die Jules Verne Trophy beendet.
- Crew-Nationalitäten: Sieben
- Rekordhalter (IDEC Sport): 40 Tage und 23 Stunden.
Nach mehreren Halsen in den portugiesischen Passatwinden und einem erfolgreichen Übergang in die unregelmäßigen Nordostwinde, die von Windlöchern unterbrochen wurden, fand die Crew ihre Routine. Am 7. Dezember überquerten sie den Äquator nach acht Tagen und drei Stunden. Dies gelang trotz schwieriger Doldrums, die die Seglerinnen mit kontrollierter Navigation meisterten.
Herausforderungen im Indischen Ozean und um Kap Hoorn
Im tropischen Atlantik legte die Crew beeindruckende Tagesetappen von über 500 Meilen zurück, angetrieben von den südöstlichen Passatwinden. Am 17. Renntag erreichten sie das Kap der Guten Hoffnung, nachdem sie fast 8.000 Meilen mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 19 Knoten zurückgelegt hatten. Ein technisches Problem stellte sich jedoch ein: Ein entscheidender Haken am Großsegel, der Mast und Segel verbindet, klemmte. Bei jedem Reffen musste die Crew das gesamte Segel herunterlassen, um das maßgefertigte Titanteil zu lösen und wieder anzubringen. Dies war die erste von vielen Hürden, die das Team mit Entschlossenheit überwand.
Mit dem Erreichen des südlichsten Punktes Afrikas am 16. Dezember betrat die Crew den Indischen Ozean, eine der anspruchsvollsten Etappen einer Weltumsegelung. Der Agulhasstrom und die raue See forderten das Team stark. Alexia und ihre Crew balancierten geschickt zwischen Steuerung und Autopilot, nutzten Vorsegel in Kombination mit dem immer noch problematischen Großsegel und machten gute Fahrt in Richtung der Kerguelen. Sie navigierten am Rande der berüchtigten „Dampfwalzen“ des Indischen Ozeans, wo gewaltige Tiefdruckgebiete regelmäßig durchziehen. Eine nördliche Route war nötig, um optimale Windbedingungen zu finden.
„Die Devise war: nichts kaputt machen!“
Kap Leeuwin und die Geister des Pazifiks
Am Weihnachtsabend überquerte die Frauencrew die Länge von Kap Leeuwin an der Westspitze Australiens. Dieser Meilenstein, der zweite nach dem Kap der Guten Hoffnung, war ein besonderes Geschenk für die Crew, insbesondere für die Australierin Stacey Jackson. Der Maxi-Trimaran IDEC SPORT zeigte im Indischen Ozean seine Seetüchtigkeit und legte in 24 Stunden fast 700 Meilen mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 27 Knoten zurück.
Hintergrundinformationen
Die Jules Verne Trophy ist eine Auszeichnung für das schnellste Segelschiff, das die Welt non-stop und ohne fremde Hilfe umrundet. Die Route führt über eine Mindeststrecke von 21.600 Seemeilen, beginnend und endend vor Ushant in Frankreich, und muss die Kaps der Guten Hoffnung, Leeuwin und Hoorn passieren. Diese Herausforderung gilt als eine der größten im Segelsport.
Ein unerwarteter Zwischenfall ereignete sich, als ein massives Fischernetz mit Bojen sich im Steuerbord-Foil des Mehrrumpfbootes verfing. „Wir fielen von 30 auf 5 Knoten!“, erinnerte sich Alexia. Das Team musste das Boot rückwärts fahren, um das Netz zu entfernen. Das Foil blieb jedoch vorübergehend in der unteren Position stecken, was später dazu führte, dass die Crew ohne dieses wichtige Anhängsel segeln musste.
Am 2. Januar passierte die Crew Point Nemo, den „maritimen Pol der Unerreichbarkeit“, im Pazifischen Ozean. Dies ist der Punkt, der am weitesten von jedem Festland entfernt ist. An dieser Stelle befanden sie sich auch genau dort, wo 27 Jahre zuvor die erste reine Frauencrew unter Tracy Edwards ihren historischen Versuch abbrechen musste, nachdem der Mast ihres Katamarans zusammengebrochen war. Dies bedeutete, dass Alexia und ihr Team die einzige reine Frauencrew waren, die in einem Rennen um die Jules Verne Trophy so weit gekommen war.
Das legendäre Kap Hoorn und die letzte Etappe
Am 6. Januar um 15:14 Uhr (MEZ) rundete der Maxi-Trimaran IDEC SPORT das Kap Hoorn. Dies war ein historischer Moment: Noch nie zuvor hatte eine reine Frauencrew diesen Meilenstein in einem Non-Stop-Mehrrumpfrennen erreicht. Die Crew benötigte knapp 11 Tage, um die 3.800 Meilen von Leeuwin nach Kap Hoorn zurückzulegen. Diese schnelle Überquerung war von 48 Stunden extremen Wetters geprägt, mit Wellen von über 8 Metern und Windböen von über 50 Knoten.
Trotz Müdigkeit, Kälte und Schnee blieb die Crew konzentriert. Sie bewältigten das widerspenstige Großsegel und steuerten den Trimaran präzise. Nach 38 Tagen auf See und fast 16.000 zurückgelegten Meilen waren sie bereit für die letzte Etappe: die Überquerung des Atlantiks. Am 15. Januar segelten die Frauen mit erhobenem Haupt, überquerten am 48. Tag erneut den Äquator und konnten sich zu ihrer schnellen und effektiven Fahrt im Südatlantik gratulieren. Sie benötigten nur 9 Tage, 5 Stunden und 38 Minuten von Kap Hoorn zum Äquator – eine der besten Leistungen auf dieser Route überhaupt.
- Kap Hoorn erreicht: 6. Januar
- Zeit von Leeuwin nach Kap Hoorn: Knapp 11 Tage
- Wetterbedingungen: Wellen über 8 Meter, Windböen über 50 Knoten
- Meilen nach 38 Tagen: Fast 16.000 Seemeilen
Die letzten Hürden und der Triumph
Die Intertropische Konvergenzzone, auch bekannt als Doldrums, hielt die Crew mit ihren tückischen Bedingungen auf. Mit dem Eintreffen der Passatwinde kam der gefürchtete Moment, die Segelfläche zu reduzieren. Der hartnäckige Haken am Großsegel verursachte erneut Probleme und erforderte eine weitere schwierige Demontage und Montage, was die Geschwindigkeit beeinträchtigte. Während dieses heiklen Reffmanövers entdeckte die Crew einen Riss im Achterliek des Großsegels.
Ein provisorischer Segelmacher-Workshop wurde an Bord eingerichtet, während zahlreiche Sargassum-Algenbänke den Fortschritt des Bootes verlangsamten. „Wenn es einfach wäre, würde es jeder tun!“, bemerkte die britische Seglerin Dee Caffari. Dieser Spruch erhielt tiefere Bedeutung, als das Großsegel, das bereits einmal gerissen war, nach 55 Tagen auf See regelrecht explodierte. Ohne sein Steuerbord-Foil verlor der Maxi-Trimaran zudem die Nutzung seiner Autopiloten.
Trotz dieser Rückschläge blieben die acht Frauen an Bord entschlossen. Sie bissen die Zähne zusammen und bestanden darauf, das Rennen um jeden Preis zu beenden. Sie vollbrachten eine monumentale Leistung, die zuvor noch keine reine Frauencrew geschafft hatte: eine Non-Stop-Weltumrundung in einem Maxi-Mehrrumpfboot. Was als Traum für Alexia aus Frankreich, Dee und Deborah aus Großbritannien, Annemieke aus den Niederlanden, Rebecca aus der Schweiz und Neuseeland, Molly aus Italien und den USA, Tamara aus Spanien und Stacey aus Australien begann, wurde durch einen gewaltigen Wintersturm, ironischerweise Ingrid genannt, bedroht. Mit einem einzigen Reff und bei geringstem Wind mit Hilfe des J3-Segels hielten Alexia und ihre Crew von The Famous Project CIC ihre anspruchsvolle Reise durch, lebten ausschließlich im Rhythmus ihrer dreistündigen Schichten an Deck. Ihr Durchhaltevermögen und ihr unerschütterlicher Wille führten sie zum Ziel und machten sie zu Legenden des Segelsports.




