Tesla steht bei der Entwicklung seiner Robotaxi-Flotte vor erheblichen Herausforderungen. Jüngste Berichte zeigen, dass die selbstfahrenden Fahrzeuge des Unternehmens in Austin, Texas, eine deutlich höhere Unfallrate aufweisen als von Menschen gesteuerte Autos. Dies wirft Fragen bezüglich der Sicherheit und der zukünftigen Expansion des Dienstes auf.
Seit der Einführung im Juni letzten Jahres wurden in Austin 14 Unfälle mit Teslas Robotaxis gemeldet. Obwohl die meisten dieser Vorfälle geringfügig waren, führte einer zu einer Krankenhausbehandlung. Die Daten legen nahe, dass die Technologie noch nicht die Zuverlässigkeit erreicht hat, die für einen breiten Einsatz erforderlich ist.
Wichtige Erkenntnisse
- Tesla Robotaxis haben eine höhere Unfallrate als menschliche Fahrer.
- 14 Unfälle in Austin seit Juni, einer davon mit Krankenhausaufenthalt.
- Regulierungs- und Marketingprobleme in Kalifornien belasten das Unternehmen.
- CEO Elon Musks Versprechen zur Expansion wurden bisher nicht erfüllt.
- Die hohe Bewertung des Unternehmens hängt stark vom Erfolg der Robotaxis ab.
Unfallstatistik und Sicherheitsbedenken
Die 14 gemeldeten Unfälle in Austin mögen auf den ersten Blick gering erscheinen. Eine genauere Analyse der Fahrleistung zeigt jedoch ein anderes Bild. Die Robotaxis sind etwa alle 57.000 Meilen in einen Unfall verwickelt. Zum Vergleich: Laut Teslas eigenen Angaben verunglücken menschliche Fahrer in den USA alle 229.000 Meilen. Die National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) meldet sogar nur alle 500.000 Meilen einen polizeilich erfassten Unfall.
Unfallhäufigkeit im Vergleich
- Tesla Robotaxis: 1 Unfall pro 57.000 Meilen
- Menschliche Fahrer (Tesla-Daten): 1 Unfall pro 229.000 Meilen
- Menschliche Fahrer (NHTSA-Daten): 1 Unfall pro 500.000 Meilen
Dies bedeutet, dass Teslas Robotaxis vier- bis achtmal häufiger in Unfälle verwickelt sind als von Menschen gesteuerte Fahrzeuge. Bemerkenswert ist, dass bei allen diesen Unfällen ein menschlicher Sicherheitsfahrer im Fahrzeug anwesend war. Diese Zahlen sind besorgniserregend und werfen Fragen zur Reife der autonomen Fahrtechnologie auf.
Die Rolle menschlicher Überwachung
Die Anwesenheit menschlicher Sicherheitsfahrer in den Fahrzeugen ist ein entscheidender Faktor. Sie intervenieren, wenn die Technologie an ihre Grenzen stößt. Dies wurde auch in Kalifornien deutlich, wo Tesla in San Francisco während eines Stromausfalls seine kleine Robotaxi-Flotte navigieren konnte. Dies war jedoch nicht auf einen technologischen Vorteil zurückzuführen, sondern auf den Einsatz von Menschen, sowohl im Fahrzeug als auch als Fernunterstützer.
"Die Sicherheit unserer Fahrzeuge hat oberste Priorität. Wir arbeiten kontinuierlich daran, unsere autonomen Systeme zu verbessern und die Unfallraten zu senken."
So äußert sich ein Sprecher des Unternehmens, der ungenannt bleiben möchte, zu den Vorfällen. Die Notwendigkeit menschlicher Eingriffe unterstreicht, dass die Technologie noch nicht vollständig autonom agieren kann.
Regulierungs- und Marketingprobleme in Kalifornien
In Kalifornien kämpft Tesla mit Lizenzierungs- und Marketingproblemen. Das Unternehmen hat bei der California Public Utilities Commission (CPUC) angegeben, dass seine Fahrzeuge im Bundesstaat einen Sicherheitsfahrer an Bord haben und auch ferngesteuerte Assistenten nutzen. Dies ist der Grund, warum Tesla argumentiert, dass seine Robotaxi-Operationen nicht unter die strengen Regeln für autonomes Fahren in Kalifornien fallen sollten.
Hintergrund der Regulierungskämpfe
Tesla befindet sich in einem Rechtsstreit mit Waymo, einem Tochterunternehmen von Alphabet, in Kalifornien. Waymo hat einen Vorschlag eingebracht, der Tesla untersagen würde, Begriffe wie "fahrerlos", "selbstfahrend" oder "Robotaxi" in seinem Marketing im Bundesstaat zu verwenden. Tesla hat bereits im Dezember eine Klage verloren, die besagte, dass die Verwendung der Begriffe "Autopilot" und "Full Self-Driving" gegen die staatlichen Vorschriften zur falschen Werbung verstieß.
Diese rechtlichen Auseinandersetzungen zeigen, wie schwierig es ist, die Grenzen zwischen unterstütztem Fahren und vollständiger Autonomie zu ziehen. Die Regulierungsbehörden sind zunehmend kritisch gegenüber den Marketingaussagen von Technologieunternehmen.
Unerfüllte Versprechen und finanzielle Auswirkungen
Die Erwartungen an Teslas Robotaxi-Projekt sind hoch, insbesondere da das Kerngeschäft mit Elektrofahrzeugen (EV) unter Druck steht. Das Unternehmen wird mit einem Forward-Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 199 gehandelt, basierend auf den Analystenschätzungen für 2026. Viele Hoffnungen der Investoren ruhen auf den Robotaxi- und Roboter-Ambitionen des Unternehmens.
CEO Elon Musk hat in der Vergangenheit ehrgeizige Versprechen gemacht, die bisher nicht erfüllt wurden. Er versprach beispielsweise 500 Robotaxis in Austin bis Ende 2025. Aktuellen Berichten zufolge sind dort jedoch nur etwa 42 Robotaxis im Einsatz, von denen weniger als 20 % während der Betriebszeiten verfügbar sind. Auch die Expansion in acht bis zehn Städte bis Ende 2025 wurde nicht erreicht.
Musks Robotaxi-Prognosen vs. Realität
- Versprochen für Austin (Ende 2025): 500 Robotaxis
- Tatsächlich in Austin: ca. 42 Robotaxis
- Versprochene Städte (Ende 2025): 8-10
- Tatsächliche Expansion: Weit davon entfernt
Diese Diskrepanz zwischen Versprechen und Realität könnte ernsthafte Folgen für den Aktienkurs von Tesla haben, insbesondere angesichts der hohen Bewertung und des schwächelnden Kerngeschäfts, das im letzten Jahr einen Umsatzrückgang und sinkende operative Margen verzeichnete. Die Fähigkeit, kostengünstige Cybercabs zu bauen, ist eine Sache; ein sicheres, autonomes Fahrsystem zu entwickeln, eine andere, die bisher noch nicht bewiesen ist.
Der Weg nach vorn für Tesla
Tesla muss beweisen, dass seine Robotaxi-Technologie sicher und zuverlässig ist, um das Vertrauen der Öffentlichkeit und der Regulierungsbehörden zu gewinnen. Die aktuelle Unfallrate und die Abhängigkeit von menschlicher Überwachung zeigen, dass noch ein langer Weg vor dem Unternehmen liegt. Der Erfolg des Robotaxi-Projekts ist entscheidend für die zukünftige Bewertung und das Wachstum von Tesla.
Die Branche der autonomen Fahrzeuge ist hart umkämpft, und andere Akteure wie Waymo machen ebenfalls Fortschritte. Tesla muss seine technologischen Fähigkeiten unter Beweis stellen und gleichzeitig die regulatorischen Hürden überwinden, um seine Vision einer flächendeckenden Robotaxi-Flotte zu verwirklichen.
Investoren werden genau beobachten, ob Tesla seine Versprechen in den kommenden Monaten einhalten kann. Ohne überzeugende Fortschritte im Bereich der autonomen Mobilität könnte der Druck auf das Unternehmen und seinen Aktienkurs weiter steigen.




