Die Stadtverwaltung von San Diego hat eine weitreichende Maßnahme zur Erhöhung der Verkehrssicherheit beschlossen. Auf hunderten von Kilometern städtischer Straßen werden die Geschwindigkeitsbegrenzungen gesenkt, um die Zahl schwerer Unfälle und Todesfälle zu reduzieren. Die Entscheidung betrifft insbesondere Schulzonen, Geschäftsviertel und als Unfallschwerpunkte bekannte Straßenabschnitte.
Wichtige Erkenntnisse
- San Diego nutzt das neue kalifornische Gesetz AB 43, um Tempolimits auf Basis von Sicherheitsdaten statt des bisherigen Verkehrsflusses festzulegen.
- Die Maßnahme betrifft fast 1.100 Kilometer (680 Meilen) an Straßen im gesamten Stadtgebiet.
- In Schulzonen können die Geschwindigkeiten auf bis zu 24 km/h (15 mph) reduziert werden.
- Die Initiative wurde durch tragische Unfälle und jahrelanges Engagement von Bürgerinitiativen vorangetrieben.
Ein neues Gesetz als Grundlage für Veränderung
Die Grundlage für diese Initiative bildet ein neues Landesgesetz, bekannt als Assembly Bill 43 (AB 43). Dieses Gesetz gibt den Kommunen in Kalifornien die Befugnis, bei der Festlegung von Geschwindigkeitsbegrenzungen Sicherheitsaspekte stärker zu gewichten als das bisher übliche Verhalten der Autofahrer.
Bisher basierten die Limits oft auf der Geschwindigkeit, die 85 Prozent der Fahrer unter normalen Bedingungen fahren. Dieser Ansatz führte jedoch dazu, dass auf Straßen, wo regelmäßig zu schnell gefahren wurde, die Limits eher angehoben als gesenkt wurden. Mit AB 43 kann die Stadt nun direkt auf Unfallstatistiken und die Anwesenheit von Fußgängern und Radfahrern reagieren.
Tragische Ereignisse beschleunigen die Entscheidung
Der öffentliche Druck zur Umsetzung der neuen Regelungen nahm in den letzten Monaten stark zu. Ein besonders tragischer Vorfall, bei dem ein sechsjähriger Junge in Pacific Beach bei einem Unfall mit Fahrerflucht ums Leben kam, sorgte für große Betroffenheit und erneuerte die Dringlichkeit des Themas in der öffentlichen Debatte.
Stadtbeamte bestätigten, dass diese und andere tödliche Kollisionen die monatelangen Diskussionen über den neuen Geschwindigkeitsmanagementplan entscheidend beschleunigt haben. Die Maßnahme wird als direkter Schritt gesehen, um solche Tragödien in Zukunft zu verhindern.
Was ist Assembly Bill 43?
AB 43 ist ein kalifornisches Gesetz, das 2021 unterzeichnet wurde und Städten mehr Flexibilität bei der Reduzierung von Geschwindigkeitsbegrenzungen in sicherheitssensiblen Bereichen einräumt. Es erlaubt Kommunen, die Limits in Geschäftsvierteln oder auf Straßen mit hohen Unfallraten um 5 mph (ca. 8 km/h) zu senken, ohne die bisher erforderlichen aufwendigen Verkehrsstudien durchführen zu müssen.
Stimmen aus Politik und Zivilgesellschaft
Die Entscheidung wurde von politischen Vertretern und Bürgerinitiativen gleichermaßen begrüßt. Stephen Whitburn, Mitglied des Stadtrats von San Diego, betonte die Bedeutung des Schrittes für den Schutz der schwächsten Verkehrsteilnehmer.
„Dies wird unsere Straßen sicherer machen, indem wir die Geschwindigkeitsbegrenzungen in Schulzonen, in Geschäftsvierteln, in Gebieten mit vielen Fußgängern und Radfahrern und in Bereichen, in denen es viele Unfälle gab, reduzieren.“
Für viele Aktivisten ist die Verabschiedung des Plans der Höhepunkt eines jahrelangen Kampfes. Laura Keenan, Mitbegründerin der Organisation Families for Safe Streets San Diego, setzt sich seit dem Tod ihres Mannes für sicherere Straßen ein. Ihr Mann, Matt Keenan, wurde 2021 von einem Auto erfasst, als er auf einem Fahrradweg fuhr.
„Es ist eine Erleichterung zu spüren, dass wir gehört werden“, sagte Keenan. Sie erklärte, dass eine geringfügig niedrigere Geschwindigkeit das Leben ihres Mannes hätte retten können. „Im Fall meines Mannes fuhr die Fahrerin mindestens 35 Meilen pro Stunde. Wäre sie nur 5 Meilen pro Stunde langsamer gefahren, wäre er heute wahrscheinlich noch am Leben.“
Die konkreten Auswirkungen der neuen Regelung
Nach Angaben der städtischen Verkehrsbehörde qualifizieren sich fast 1.100 Kilometer (680 Meilen) an Straßen für die neuen, niedrigeren Geschwindigkeitsbegrenzungen. Der Plan zielt speziell auf sogenannte „High-Injury Corridors“ ab, also Korridore, in denen sich in der Vergangenheit überdurchschnittlich viele schwere Unfälle ereignet haben.
Die Änderungen werden schrittweise umgesetzt. Die neuen Tempolimits treten auf den jeweiligen Straßenabschnitten offiziell in Kraft, sobald die neue Beschilderung installiert ist. Autofahrer müssen also auf aktualisierte Schilder achten.
Die Physik eines Aufpralls
Die Überlebenschance eines Fußgängers bei einem Zusammenstoß mit einem Auto hängt stark von der Geschwindigkeit des Fahrzeugs ab. Studien zeigen:
- Bei 32 km/h (20 mph) überleben etwa 9 von 10 Fußgängern.
- Bei 48 km/h (30 mph) überlebt etwa die Hälfte.
- Bei 64 km/h (40 mph) überlebt nur noch etwa 1 von 10 Fußgängern den Aufprall.
Schon eine Reduzierung um wenige Stundenkilometer kann den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten.
Auch die Jugend engagiert sich
Die Forderung nach mehr Sicherheit wird auch von der jüngeren Generation getragen. KC Gupta, ein lokaler High-School-Schüler, sprach sich ebenfalls für entschlossenes Handeln der Stadt aus.
„Das sind Tragödien, die vermieden werden können. Indem wir jetzt entschlossen handeln, um die Geschwindigkeitsbegrenzungen zu senken, können wir Leben retten, denn wir wissen, dass jeder Kilometer pro Stunde zählt“, so Gupta.
Die Umsetzung des Geschwindigkeitsmanagementplans ist ein klares Signal, dass San Diego die Sicherheit im Straßenverkehr priorisiert und bereit ist, etablierte Vorgehensweisen zu ändern, um die Vision von „Vision Zero“ – null Verkehrstote – zu verfolgen.




