Volvo hat seinen kommenden Elektro-SUV, den EX60, einem anspruchsvollen internen Crashtest unterzogen, der über die üblichen Standards hinausgeht. In einem simulierten Szenario prallte das Fahrzeug mit 60 km/h gegen einen massiven Pfahl, um einen Unfall mit einem Baum nachzuahmen. Die Ergebnisse zeigen, wie die Karosseriestruktur und neue Sicherheitssysteme die Insassen schützen sollen.
Wichtige Erkenntnisse
- Volvo führte einen speziellen Crashtest durch, bei dem der EX60 mit 60 km/h seitlich von der Fahrbahn abkommt und frontal auf einen Pfahl trifft.
- Die Karosserie ist darauf ausgelegt, die Aufprallenergie zu absorbieren und die Fahrgastzelle intakt zu halten.
- Neue multi-adaptive Sicherheitsgurte spannen sich unmittelbar vor dem Aufprall, um die Insassen zu fixieren.
- Trotz des schweren Aufpralls blieben die A-Säulen und die Windschutzscheibe intakt, was die Rettung erleichtert.
- Offizielle Bewertungen von Euro NCAP oder NHTSA stehen noch aus.
Ein Test abseits der Standardverfahren
Automobilhersteller sind verpflichtet, ihre Fahrzeuge standardisierten Crashtests zu unterziehen, wie sie beispielsweise von Organisationen wie Euro NCAP durchgeführt werden. Diese Tests umfassen in der Regel Frontal- und Seitenaufprallsimulationen. Volvo ist jedoch dafür bekannt, eigene, strengere Testprotokolle zu entwickeln, die auf realen Unfalldaten basieren.
Für den neuen EX60 hat der schwedische Hersteller ein besonders herausforderndes Szenario entwickelt. Das Fahrzeug wurde gezielt von einer simulierten Straße abgebracht und mit einer Geschwindigkeit von 60 Kilometern pro Stunde (37 mph) gegen einen starren Pfahl gelenkt. Dieser Test soll einen der häufigsten und gefährlichsten Unfalltypen simulieren: das Abkommen von der Fahrbahn und die Kollision mit einem Baum.
Warum dieser Test wichtig ist
Unfälle, bei denen ein Fahrzeug seitlich von der Straße abkommt und mit einem festen Hindernis wie einem Baum oder Mast kollidiert, gehören zu den schwersten. Die Aufprallenergie konzentriert sich auf einen kleinen Bereich der Fahrzeugfront, was eine enorme Belastung für die Struktur darstellt. Volvos Test zielt darauf ab, die Widerstandsfähigkeit des Fahrzeugs unter genau diesen extremen Bedingungen zu beweisen.
Technologie, die Leben retten soll
Der beobachtete Crashtest des EX60 zeigt mehrere Schlüsselelemente der Sicherheitsphilosophie von Volvo. Eines der wichtigsten Systeme sind die neuen multi-adaptiven Sicherheitsgurte. Diese Technologie ist eine Premiere für die Marke und strafft die Gurte von Fahrer und Passagieren in dem Moment, in dem der Aufprall bevorsteht. Dadurch wird die Körperbewegung minimiert und das Verletzungsrisiko reduziert.
Nach dem Aufprall wird die Funktion der Fahrzeugstruktur deutlich. Die Frontpartie des EX60 ist so konstruiert, dass sie einen Großteil der Aufprallenergie absorbiert und ableitet. Dies geschieht, um die Integrität der Fahrgastzelle, des sogenannten Sicherheitskäfigs, zu wahren.
„Beim Aufprall ist die Karosserie des EX60 darauf ausgelegt, die Crash-Energie zu absorbieren, den Sicherheitskäfig so intakt wie möglich zu halten und die Insassen zu schützen“, erklärte Lotta Jakobsson, Senior Technical Leader für Sicherheit bei Volvo.
Strukturintegrität als oberstes Gebot
Die Videoaufnahmen des Tests zeigen eindrucksvoll, wie die Front des Fahrzeugs deformiert wird, während der Bereich der Fahrgastzelle weitgehend unversehrt bleibt. Besonders auffällig ist, dass die A-Säulen, die tragenden Säulen auf beiden Seiten der Windschutzscheibe, nach dem Aufprall keine sichtbaren Verformungen aufweisen. Auch die Windschutzscheibe selbst scheint intakt zu sein.
Dieses Ergebnis ist entscheidend für die Sicherheit nach einem Unfall. Wenn die Türrahmen nicht verformt werden, lassen sich die Türen weiterhin öffnen. Dies ermöglicht es den Insassen, das Fahrzeug selbstständig zu verlassen, oder erleichtert Rettungskräften den schnellen Zugang.
Fakten zum Volvo EX60
- Fahrzeugtyp: Rein elektrischer Crossover-SUV.
- Positionierung: Gilt als eines der wichtigsten Modelle für die Zukunftsstrategie von Volvo.
- Sicherheitsfokus: Integriert die neuesten Sicherheitstechnologien des Unternehmens, einschließlich neuer Batteriestrukturkonzepte.
Offene Fragen und der Blick nach vorn
Obwohl der interne Test von Volvo vielversprechende Ergebnisse liefert, bleiben einige Fragen zur Sicherheit des EX60 offen. Ein Punkt betrifft die elektronisch betätigten Außentürgriffe. In der Vergangenheit haben sich solche Systeme bei anderen Fahrzeugen nach Unfällen als problematisch erwiesen, da sie bei einem Stromausfall möglicherweise nicht mehr funktionieren.
Volvo hat bisher keine Details dazu veröffentlicht, wie die Türen des EX60 in einem solchen Notfall manuell von außen oder innen geöffnet werden können. Das Benutzerhandbuch des Modells ist ebenfalls noch nicht verfügbar.
Darüber hinaus stehen die offiziellen Bewertungen durch unabhängige Sicherheitsorganisationen noch aus. Weder Euro NCAP in Europa noch die NHTSA in den USA haben den Volvo EX60 bisher getestet. Die Ergebnisse dieser standardisierten Tests werden entscheidend sein, um die Sicherheitsleistung des Fahrzeugs im Vergleich zu seinen Wettbewerbern objektiv zu bewerten.
Der EX60 ist für Volvo von strategischer Bedeutung, insbesondere nach den verzögerten Markteinführungen der Modelle EX90 und EX30. Mit diesem neuen Modell will das Unternehmen seine führende Position im Bereich der Fahrzeugsicherheit auch im Zeitalter der Elektromobilität untermauern.




