Tesla, bekannt für seine beeindruckenden Renditen von über 3.100 % in den letzten zehn Jahren, steht derzeit vor erheblichen Herausforderungen. Das Unternehmen, dessen Aktienkurse einst Höhen von über 500 US-Dollar erreichten, navigiert durch ein schwieriges Umfeld aus sinkenden Elektrofahrzeugverkäufen, steigenden Betriebskosten und großen Investitionen in neue, noch unbewiesene Märkte wie Robotik und autonomes Fahren.
Diese strategische Neuausrichtung wirft Fragen bei Investoren auf. Ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um in das Unternehmen einzusteigen, das sich von einem reinen Elektroautohersteller zu einem Technologiekonzern wandelt? Oder sind die Risiken angesichts der aktuellen Geschäftslage zu hoch?
Wesentliche Punkte
- Teslas Betriebskosten steigen stark durch Investitionen in KI und Robotik.
- Das Kerngeschäft Elektrofahrzeuge zeigt deutliche Schwächen bei Verkaufszahlen und Gewinn.
- Die Aktie ist mit einem hohen Kurs-Gewinn-Verhältnis bewertet, was ein hohes Risiko birgt.
Steigende Ausgaben belasten die Bilanz
Tesla-CEO Elon Musk treibt die Transformation des Unternehmens aggressiv voran. Die Vision ist es, Tesla zu einem führenden Anbieter von autonomen Fahrzeugen und Robotern zu machen. Ein Hauptziel ist die Massenproduktion von Optimus-Robotern, mit einer angestrebten Stückzahl von bis zu einer Million Einheiten bis 2030. Gleichzeitig soll der Robotaxi-Dienst massiv ausgebaut werden, der derzeit nur in wenigen Städten verfügbar ist.
Diese ehrgeizigen Pläne erfordern jedoch massive Investitionen. Im dritten Quartal stiegen die Betriebskosten des Unternehmens um 50 % auf 3,4 Milliarden US-Dollar. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) erhöhten sich sogar um 57 % auf 1,6 Milliarden US-Dollar. Das Management führte diesen Anstieg explizit auf Vertriebs-, allgemeine und Verwaltungskosten (SG&A) sowie auf KI- und andere F&E-Projekte zurück.
„Die Zunahme der Betriebskosten wurde durch SG&A, KI und andere F&E-Projekte getrieben“, so die Unternehmensführung in ihrer Erklärung.
Interessanter Fakt
Der Markt für autonome Fahrzeuge könnte bis 2040 einen Wert von 1,4 Billionen US-Dollar erreichen, während der Markt für humanoide Robotik bis 2050 auf geschätzte 5 Billionen US-Dollar anwachsen könnte. Tesla investiert in vielversprechende, aber kapitalintensive Zukunftsmärkte.
Diese Milliardeninvestitionen erfolgen zu einem Zeitpunkt, an dem das Kerngeschäft von Tesla – der Verkauf von Elektrofahrzeugen – bereits schwächelt. Dies schafft eine zusätzliche Belastung für die Unternehmensfinanzen.
Schwächen im Kerngeschäft Elektrofahrzeuge
Trotz der großen Pläne für Robotik und autonomes Fahren ist Tesla im Kern immer noch ein Hersteller von Elektrofahrzeugen. Hier zeigen sich jedoch deutliche Probleme. Der Nettogewinn des Unternehmens sank im dritten Quartal um 37 % auf 1,4 Milliarden US-Dollar. Dies bedeutet, dass dem Unternehmen deutlich weniger Mittel für Reinvestitionen zur Verfügung stehen.
Die Situation könnte sich weiter verschärfen. Nach dem Auslaufen der staatlichen Steuergutschriften für Elektrofahrzeuge sanken die Fahrzeugverkäufe von Tesla im November auf unter 40.000 Einheiten. Dies war der niedrigste monatliche Wert seit Jahren. Die Ergebnisse des dritten Quartals profitierten noch von einem Ansturm der Kunden, die die Steuergutschriften vor ihrem Auslaufen Ende September nutzen wollten. Dies führte zu einem Umsatzanstieg von 12 % auf 28 Milliarden US-Dollar in diesem Quartal.
Hintergrund der Verkaufsrückgänge
Elektrofahrzeuge sind oft teurer als herkömmliche Benzinfahrzeuge. Nach Jahren der Inflation und hoher Zinsen sowie dem Wegfall von Steuervergünstigungen ist die Nachfrage nach Elektroautos im Vergleich zur jüngeren Vergangenheit gesunken. Dies betrifft nicht nur Tesla, sondern die gesamte Branche.
Der Rückgang der Verkaufszahlen im November deutet auf ein signifikantes Problem für Tesla und andere EV-Hersteller hin. Eine schwächelnde Nachfrage im Kerngeschäft, kombiniert mit hohen Investitionen in neue Märkte, stellt eine doppelte Herausforderung dar.
Hohe Bewertung der Tesla-Aktie
Selbst wenn Tesla seine ambitionierten Pläne im Bereich autonomes Fahren und Robotik erfolgreich umsetzen und das schwächelnde EV-Geschäft wiederbeleben könnte, bleibt ein entscheidender Faktor: Die Aktie des Unternehmens ist derzeit hoch bewertet. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von Tesla liegt aktuell bei 206. Dies ist deutlich höher als der Durchschnitt des Technologiesektors, der bei etwa 45 liegt.
- Tesla KGV: 206
- Tech-Sektor Durchschnitt KGV: ca. 45
Eine derart hohe Bewertung bedeutet, dass die Tesla-Aktie bereits für eine perfekte Entwicklung eingepreist ist. Dies geschieht jedoch in einer Zeit erheblicher Umstrukturierungen, sinkender Gewinne und steigender Kosten. Ein solches Szenario birgt ein hohes Risiko für Investoren.
Es bleibt abzuwarten, ob Tesla die Erwartungen erfüllen kann. Für viele Investoren könnte es ratsam sein, abzuwarten, bis das Unternehmen eine deutliche Belebung der Verkäufe und Gewinne im Elektrofahrzeuggeschäft nachweisen kann, bevor sie ein Engagement in Betracht ziehen.




