Autofahrer im US-Bundesstaat Washington sehen sich mit einem drastischen Anstieg der Benzinpreise konfrontiert. Innerhalb nur eines Monats ist der Preis für eine Gallone Normalbenzin um fast 50 Cent gestiegen, was den Staat zu einem der teuersten Orte zum Tanken in den gesamten USA macht.
Der aktuelle Durchschnittspreis liegt bei etwa 4,29 US-Dollar pro Gallone. Dieser schnelle Anstieg platziert Washington direkt hinter Kalifornien und Hawaii an dritter Stelle der landesweiten Rangliste.
Die wichtigsten Fakten
- Der Durchschnittspreis für Benzin in Washington ist in einem Monat um 47 Cent auf rund 4,29 Dollar pro Gallone gestiegen.
- Washington hat damit die dritthöchsten Benzinpreise in den USA.
- Hauptgründe sind die saisonale Umstellung auf Sommerbenzin und Wartungsarbeiten in Raffinerien.
- Auch globale Ölpreise und regionale Besonderheiten an der Westküste tragen zum Preisanstieg bei.
Ein steiler Anstieg an der Zapfsäule
Die Preisentwicklung der letzten Wochen war für Verbraucher deutlich spürbar. Allein in der letzten Woche kletterte der Preis um 16 Cent, verglichen mit dem Vormonat beträgt der Anstieg sogar 47 Cent. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Daten der U.S. Energy Information Administration (EIA) wider, die einen Anstieg von rund 3,79 Dollar Mitte Januar auf 4,18 Dollar Mitte Februar verzeichneten.
Dieser Preissprung ist für die Region ungewöhnlich stark und übertrifft die Entwicklung in den meisten anderen Bundesstaaten bei Weitem. Die Westküste ist traditionell eine Region mit höheren Kraftstoffpreisen, doch der aktuelle Anstieg stellt eine besondere Belastung für die Haushalte dar.
Saisonale Umstellung als Hauptursache
Experten sehen den Hauptgrund für die steigenden Preise in der bevorstehenden Umstellung der Raffinerien auf sogenanntes Sommerbenzin. Diese spezielle Kraftstoffmischung ist für die wärmeren Monate vorgeschrieben, da sie eine geringere Flüchtigkeit aufweist und somit weniger Dämpfe bei höheren Temperaturen freisetzt.
Die Herstellung von Sommerbenzin ist aufwendiger und teurer als die des Winterbenzins. Zudem nutzen viele Raffinerien die Zeit vor der Umstellung für notwendige Wartungsarbeiten, was die Produktionskapazität vorübergehend reduziert und das Angebot verknappt.
Was ist Sommerbenzin?
Sommerbenzin ist eine spezielle Kraftstoffmischung, die in den wärmeren Monaten (normalerweise von Juni bis Mitte September) verkauft wird, um die Luftverschmutzung zu reduzieren. Es hat einen niedrigeren Reid-Dampfdruck (RVP), was bedeutet, dass es bei höheren Temperaturen langsamer verdampft. Dies verringert die Bildung von bodennahem Ozon und Smog.
Dieser Prozess beginnt typischerweise zuerst in Kalifornien und setzt sich dann entlang der Westküste fort. Aus diesem Grund steigen die Preise in Staaten wie Washington und Oregon oft früher an als im Rest des Landes.
Globale und regionale Faktoren verstärken den Trend
Neben den saisonalen Effekten spielen auch globale Entwicklungen eine entscheidende Rolle. Der Preis für Rohöl macht den größten Anteil am Endpreis für Benzin aus, laut EIA sind es durchschnittlich etwa 47 %. Jede Unsicherheit auf den globalen Märkten wirkt sich daher direkt auf die Zapfsäulen aus.
Analysten verweisen auf geopolitische Spannungen, die den Rohölpreis beeinflussen könnten. Die Unsicherheit im Zusammenhang mit den Beziehungen zwischen den USA und dem Iran wird als ein Faktor genannt, der die Märkte nervös macht und die Preise nach oben treiben kann.
„Der Rohölpreis ist die wichtigste Komponente. Schwankungen auf dem Weltmarkt spüren die Verbraucher fast sofort beim Tanken.“
Zusätzlich zu den globalen Einflüssen gibt es spezifische regionale Gründe, warum die Kraftstoffpreise an der Westküste generell höher sind.
- Entfernung zu Förderzentren: Die Westküste ist weit von den großen Ölförder- und Raffineriezentren am Golf von Mexiko und in Texas entfernt, was die Transportkosten erhöht.
- Geringere Versorgung: Die Region verfügt über ein engeres Versorgungsnetz mit weniger Pipelines, was sie anfälliger für Engpässe macht.
- Strengere Umweltauflagen: Sowohl Washington als auch Kalifornien haben strengere Umweltvorschriften für Kraftstoffe, was die Produktion, Lagerung und den Vertrieb zusätzlich verteuert.
Wie setzt sich der Benzinpreis zusammen?
Für Verbraucher ist es oft schwer nachvollziehbar, warum die Preise so stark schwanken. Die U.S. Energy Information Administration schlüsselt die Kosten für eine Gallone Benzin wie folgt auf:
Kostenaufschlüsselung pro Gallone Benzin
- Rohöl: ca. 47 %
- Raffinierung: ca. 16 %
- Vertrieb und Marketing: ca. 20 %
- Steuern: ca. 17 %
Diese Aufteilung zeigt deutlich, dass der globale Ölpreis den größten Einfluss hat. Aber auch die Kosten für Raffinierung und Logistik sowie staatliche und föderale Steuern sind wesentliche Bestandteile des Endpreises.
Ausblick: Keine schnelle Entspannung in Sicht
Analysten gehen davon aus, dass die Preise in Washington in den kommenden Wochen hoch bleiben oder sogar noch weiter steigen könnten. Der Höhepunkt des saisonalen Anstiegs wird typischerweise im späten Frühling erreicht, wenn die Umstellung auf Sommerbenzin abgeschlossen ist und die Nachfrage vor der Hauptreisezeit im Sommer zunimmt.
Die Kombination aus der laufenden Raffineriewartung, der teureren Kraftstoffmischung und der anhaltenden Unsicherheit auf den globalen Ölmärkten deutet darauf hin, dass die Autofahrer in der Region sich vorerst auf hohe Kosten einstellen müssen.




