Die großen US-Automobilhersteller Ford und General Motors (GM) erweitern ihr Geschäftsfeld und steigen verstärkt in den Energiespeichersektor ein. Sie folgen damit dem Pionier Tesla, der bereits seit Jahren erfolgreich im Bereich der Batterietechnologie für Stromnetze aktiv ist. Diese strategische Neuausrichtung könnte die Abhängigkeit von Importen verringern und neue Einnahmequellen erschließen.
Wichtige Erkenntnisse
- Ford und GM investieren stark in Energiespeichertechnologien.
- Die Unternehmen folgen dem Vorbild von Tesla Energy.
- Geringere Nachfrage nach Elektrofahrzeugen in den USA treibt die Diversifizierung voran.
- Der globale Markt für Batteriespeichersysteme wächst erheblich.
- Automobilhersteller nutzen bestehende Batterietechnologie für neue Geschäftsfelder.
Wachstum im Energiespeichersektor
Der globale Markt für Batteriespeichersysteme (BESS) erlebt ein bemerkenswertes Wachstum. Experten erwarten, dass dieser Markt bis 2027 einen Wert von 14,5 Milliarden US-Dollar erreichen wird, mit einer jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 25,2 Prozent zwischen 2021 und 2027. Dieses rasante Wachstum macht den Energiespeichersektor attraktiv für Unternehmen, die nach neuen Märkten suchen.
Ein Grund für dieses Wachstum ist der Ausbau erneuerbarer Energien. Energieversorger installieren zunehmend große Speichersysteme, um die Zuverlässigkeit ihrer Projekte zu verbessern. Die Technologie, die in Elektrofahrzeugbatterien verwendet wird, ähnelt stark der für stationäre Energiespeicher, was Automobilherstellern einen natürlichen Einstieg in diesen Markt ermöglicht.
Faktencheck: Tesla als Vorreiter
- Tesla überschritt 2020 drei Gigawattstunden (GWh) an Energiespeicher-Installationen.
- Haupttreiber war der Erfolg des Megapack-Systems.
- Die installierte Kapazität von Tesla Energy stieg im Jahr bis Oktober 2024 um 84 Prozent auf 43,5 GWh.
- Der Umsatz von Tesla im Bereich Energiespeicherung und -erzeugung betrug 3,41 Milliarden US-Dollar.
Teslas Erfolg im Energiespeichergeschäft
Tesla hat sich bereits früh als führendes Unternehmen im Energiespeicherbereich etabliert. Das Unternehmen betreibt weltweit sogenannte Gigafactories, die riesige Batteriefabriken sind. Besonders erfolgreich ist Teslas Megapack, ein integriertes Batteriesystem, das saubere, zuverlässige und kostengünstige Energiespeicherung bietet. Es hilft, Stromnetze zu stabilisieren und Ausfälle zu verhindern.
Die Zahlen sprechen für sich: Im Jahr 2024 verzeichnete Tesla Energy eine Steigerung der installierten Kapazität um 84 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Einnahmen aus diesem Segment erreichten 3,41 Milliarden US-Dollar, bei Betriebskosten von 2,32 Milliarden US-Dollar. Dieser Erfolg hat andere Automobilhersteller aufmerksam gemacht und ihre eigenen Expansionspläne beeinflusst.
„Die Energiewende erfordert nicht nur die Erzeugung von sauberem Strom, sondern auch dessen effiziente Speicherung. Tesla hat hier den Weg geebnet und gezeigt, welches Potenzial in diesem Markt steckt.“
Fords strategische Neuausrichtung
Ford hat im Dezember angekündigt, seine Batteriefabrik in Kentucky umzurüsten. Sie soll künftig Energiespeicherbatterien produzieren. Damit reagiert Ford auf die wachsende Nachfrage nach Strom aus Rechenzentren, Versorgungsunternehmen und der Netzinfrastruktur. Ein Teil der Fabrikfläche in Marshall, Michigan, soll ebenfalls für die Produktion von Zellen für Heimspeicher genutzt werden, zusätzlich zur Batteriefertigung für elektrische Lastwagen.
Ford investierte bereits rund 10 Milliarden US-Dollar in die Anpassung der beiden Werke und plant weitere 2 Milliarden US-Dollar für die Expansion des Energiegeschäfts. Diese Schritte zeigen eine vorsichtigere Haltung im EV-Geschäft, da Ford eine Abschreibung von 19,5 Milliarden US-Dollar im Zusammenhang mit EV-Kosten verbuchen musste. Das Unternehmen konzentriert sich nun stärker auf Hybridfahrzeuge, Lastwagen, Nutzfahrzeuge und Energiespeicher, um höhere Renditen zu erzielen.
Hintergrund: Langsameres EV-Wachstum in den USA
Das Wachstum des US-amerikanischen EV-Marktes verläuft langsamer als erwartet. Die aktuelle Regierung hat die Ziele der vorherigen Regierung zur Beschränkung des Verkaufs von Verbrennungsmotoren und zur Förderung von Elektrofahrzeugen abgeschwächt. Dies hat dazu geführt, dass einige Unternehmen ihre EV-Produktionsquoten reduziert haben, bis die Nachfrage steigt.
GMs Einstieg in die Energiespeicherung
General Motors (GM) gründete bereits vor einigen Jahren GM Energy und kündigte 2025 eine Partnerschaft mit Redwood Materials an. Ziel ist es, EV-Batterien für Energiespeicherzwecke zu nutzen. GM Energy verzeichnete zwischen Januar und Oktober des letzten Jahres einen fünffachen Umsatzanstieg.
Ein bekanntes Produkt von GM ist die „PowerBank“, die 2024 auf den Markt kam. Sie ist in Varianten mit 10,6 Kilowattstunden und 17,7 Kilowattstunden Batteriekapazität erhältlich. Die GM PowerBank bietet Besitzern von Elektrofahrzeugen eine Heimspeicheroption, um Solarenergie zu speichern und zu übertragen. GM vertreibt auch Ladeadapter.
„Dieses Tool gibt unseren Kunden mehr Kontrolle über ihren Energieverbrauch. Es hilft, die Auswirkungen von Stromausfällen zu mindern, integriert erneuerbare Energieoptionen und erschließt zusätzliche Werte.“
Wade Sheffer, Vice President von GM Energy, bei der Gründung des Energiegeschäfts.
Chancen für Automobilhersteller
Die Expansion in den Energiespeichersektor ist für Automobilhersteller attraktiv, insbesondere angesichts des derzeit langsameren Wachstums der EV-Verkäufe. In mehreren US-Bundesstaaten sind Versorgungsunternehmen verpflichtet, in Batteriespeicher zu investieren. Auch auf kommerzieller Seite investieren Unternehmen in Energiespeicher als Notstromversorgung bei Stromausfällen.
Dieser breite und vielfältige Markt bietet Automobilherstellern neue Geschäftsmöglichkeiten. Zudem ermöglicht das Festhalten am Batteriegeschäft eine flexible Rückkehr zur reinen EV-Batterieproduktion, sollte die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen in Zukunft wieder anziehen. Ford und GM nutzen diese Strategie, um ihre US-EV-Werke weiter zu betreiben und gleichzeitig neue Märkte wie Versorgungsunternehmen und Rechenzentren zu erschließen.
- Zukunftsmarkt: Energiespeicher sind entscheidend für die Stabilität moderner Stromnetze.
- Technologie-Transfer: EV-Batterietechnologie lässt sich gut für stationäre Speicher nutzen.
- Risikostreuung: Diversifizierung reduziert die Abhängigkeit vom EV-Markt.




