Ein kürzlich veröffentlichtes Update auf der Social-Media-Plattform X, ehemals Twitter, hat die tatsächlichen Standorte tausender Benutzerkonten offengelegt. Diese neue Funktion, die als 'Über dieses Konto'-Register bekannt ist, enthüllte, dass zahlreiche Profile, die sich als in den USA oder Großbritannien ansässig ausgaben, tatsächlich aus Ländern wie Indien, Pakistan, Nigeria oder Iran operierten. Dies stellt einen wichtigen Schritt im Kampf gegen Bots und gefälschte Accounts dar, ein Problem, das die Plattform seit langem beschäftigt.
Wichtige Erkenntnisse
- X-Update enthüllt wahre geografische Standorte vieler Konten.
- Tausende von Troll-Accounts, die sich als westlich ausgaben, stammen aus Asien und Afrika.
- Die Funktion 'Über dieses Konto' soll die Integrität der Plattform stärken.
- Elon Musk versprach bereits 2022, Bots und gefälschte Konten zu bekämpfen.
- Einige große Konten wurden bereits wegen Standort-Diskrepanzen gesperrt.
Standort-Enthüllung betrifft Tausende von Konten
Die Einführung des neuen Features auf X hat weitreichende Konsequenzen. Dutzende von Accounts, die zuvor clickbait-Nachrichten verbreiteten, die auf Donald Trump-Anhänger abzielten, oder anti-immigrantische Botschaften teilten, wurden als von Standorten in Indien, Pakistan oder Nigeria aus operierend entlarvt. Viele dieser Konten hatten zuvor behauptet, in den Vereinigten Staaten ansässig zu sein.
Ähnliche Muster zeigten sich bei anderen politischen Themen. Konten, die sich für die schottische Unabhängigkeit einsetzten, wurden aus dem Iran gesteuert. Mehrere Accounts, die Anti-Brexit-Beiträge teilten und vorgaben, in Großbritannien zu sein, entpuppten sich als in anderen europäischen Ländern ansässig. Sogar vermeintliche Berichte aus Gaza stammten von Konten, die weit entfernt vom Nahen Osten angesiedelt waren.
Faktencheck
Die neue Funktion 'Über dieses Konto' ermöglicht es Nutzern, das Land oder die Region zu sehen, in der ein Konto registriert ist. Dies soll die Transparenz erhöhen und die Authentizität von Inhalten verbessern.
Musks Versprechen und die Herausforderung der Bot-Bekämpfung
Elon Musk erwarb X im Jahr 2022 mit dem erklärten Ziel, die Plattform von Bots und gefälschten Konten zu befreien. Trotz dieser Zusagen kämpfte das Unternehmen seither mit der Kontrolle dieses Problems. Die jüngste Änderung ist ein direkter Versuch, diese Herausforderung anzugehen und die Glaubwürdigkeit der Plattform zu stärken.
Nikita Bier, Leiter der Produktentwicklung bei X, erklärte am Samstag: "Dies ist ein wichtiger erster Schritt, um die Integrität des globalen Dorfplatzes zu sichern."
Er fügte hinzu, dass das Unternehmen plant, "viele weitere Möglichkeiten für Nutzer bereitzustellen, um die Authentizität der Inhalte zu überprüfen, die sie auf X sehen." Für Nutzer in Ländern, in denen Meinungsäußerungen Konsequenzen haben können, wurden zudem Datenschutzoptionen implementiert, um nur die Region anzuzeigen.
Hintergrund der Standort-Diskrepanzen
Die Unterschiede im angegebenen und tatsächlichen Standort lassen sich teilweise durch die Nutzung von virtuellen privaten Netzwerken (VPNs) erklären. Diese können den wahren Standort eines Nutzers verschleiern. In anderen Fällen handelte es sich offenbar um Nutzer, die im Ausland leben oder reisen. Viele entpuppten sich jedoch als Trolle, die versuchten, ihre Online-Reichweite durch das Verbreiten von Empörung oder Propaganda zu steigern.
Prominente Konten betroffen und gesperrt
Die Änderungen zeigten, dass Dutzende von Konten, die sich als Pro-MAGA-Influencer ausgaben, tatsächlich aus Asien oder Nordafrika stammten. Ein Beispiel ist eine Seite mit über einer Million Followern namens "Ivanka News", die Geschichten über Ivanka Trump teilte. Dieses Konto wurde am Montag von X blockiert, nachdem festgestellt wurde, dass es aus Nigeria postete.
Ein weiteres Konto mit dem Namen "America First" schien aus Bangladesch zu operieren. Viele andere Konten waren mit gefälschten Nachrichten, KI-generierten Bildern oder sexuell anzüglichen Inhalten gefüllt. Einige schienen auch darauf ausgelegt zu sein, Nutzer zum Kauf von Merchandise zu bewegen.
- Ivanka News: Über eine Million Follower, postete aus Nigeria, von X blockiert.
- America First: Schien aus Bangladesch zu operieren.
- Andere Konten: Verbreiteten Falschnachrichten, KI-Bilder und fragwürdige Inhalte.
Auswirkungen auf die Plattform und die Nutzer
Die Enthüllung der tatsächlichen Standorte ist ein bedeutender Schritt für X, um die Integrität der Plattform zu verbessern und das Vertrauen der Nutzer zurückzugewinnen. Das Problem der Bots und Trolle untergräbt die Glaubwürdigkeit von Online-Diskussionen und die Demokratie. Durch mehr Transparenz können Nutzer besser einschätzen, wem sie vertrauen können und welche Informationen glaubwürdig sind.
Gleichzeitig wirft die neue Politik Fragen zum Datenschutz und zur Sicherheit von Nutzern auf, insbesondere in Regionen, in denen die freie Meinungsäußerung unterdrückt wird. X hat diesbezüglich bereits Maßnahmen angekündigt, um die Privatsphäre der Nutzer zu schützen, indem nur die Region angezeigt wird und nicht der genaue Standort.
Es bleibt abzuwarten, wie effektiv diese Maßnahmen langfristig sein werden. Die Betreiber von Troll-Netzwerken sind oft findig darin, neue Wege zu finden, um ihre Aktivitäten zu verschleiern. Dennoch signalisiert X mit diesem Update eine klare Haltung gegen manipulative Praktiken und für eine transparentere Online-Kommunikation.




