In einem historischen Schritt werden amerikanische Automobilhersteller bald verpflichtet sein, Fahrzeugsicherheitstests mit weiblichen Crashtest-Dummys durchzuführen. Diese Neuerung, angekündigt von Verkehrsminister Sean Duffy, zielt darauf ab, die erheblichen Unterschiede bei Verletzungsraten zwischen Männern und Frauen bei bestimmten Unfallarten zu verringern.
Der neue fortschrittliche weibliche Crashtest-Dummy, bekannt als THOR-05F, soll dazu beitragen, das Design von Fahrzeugen sicherer für weibliche Insassen zu machen. Studien zeigen, dass Frauen in Frontalzusammenstößen ein 73 % höheres Risiko für schwere Verletzungen haben als Männer.
Wichtige Erkenntnisse
- Erste Vorschrift für weibliche Crashtest-Dummys in den USA.
- Einführung des fortschrittlichen THOR-05F Dummys.
- Frauen haben ein deutlich höheres Verletzungsrisiko bei Autounfällen.
- Aktuelle Crashtest-Standards stammen noch aus den 1980er Jahren.
- Erwartete Nutzung des neuen Dummys in Tests ab 2027 oder 2028.
Ein langer Weg zur Gleichberechtigung in der Fahrzeugsicherheit
Es hat fast 45 Jahre gedauert, bis die Nationale Behörde für Straßenverkehrssicherheit (NHTSA) die Verwendung eines anatomisch repräsentativen Dummys für die durchschnittliche Frau in Bezug auf Größe, Gewicht und Körpertyp genehmigte. Fortgeschrittene Modelle wie der THOR-05F von Humanetics, einem führenden Hersteller von Crashtest-Dummys, sind seit Jahren verfügbar.
Jonathan Morrison, der Administrator der Straßenverkehrsbehörde, betonte die Wichtigkeit dieses Schrittes bei einem Treffen zur Fahrzeugsicherheitsforschung in Washington, D.C. am Donnerstag. Er erklärte, dass die Veröffentlichung der Designspezifikationen für die ersten fortschrittlichen weiblichen Crashtest-Dummys ein entscheidender Meilenstein ist.
„Obwohl ich der Erste bin, der zugibt, dass dies viel länger gedauert hat, als es jedem lieb wäre, war es sehr wichtig, sicherzustellen, dass wir es richtig machen“, sagte Jonathan Morrison.
Faktencheck: Verletzungsrisiko
- Frauen haben ein 73 % höheres Risiko, bei Frontalzusammenstößen schwer verletzt zu werden.
- Weibliche Fahrerinnen und Beifahrerinnen auf den Vordersitzen haben ein 17 % höheres Todesrisiko als ihre männlichen Pendants in denselben Sitzen.
- Das Risiko für Beinverletzungen ist bei weiblichen Fahrern um fast 80 % höher als bei männlichen Fahrern bei gleichen Unfällen.
Die Technologie hinter dem THOR-05F
Der THOR-05F Dummy ist mit über 150 hochmodernen Sensoren ausgestattet. Einige dieser Sensoren befinden sich in den Beinen, einem Bereich, in dem weibliche Fahrerinnen ein deutlich höheres Verletzungsrisiko tragen. Chris O’Connor, CEO von Humanetics, bestätigte diese erhöhten Risiken.
Der bisherige Standard-„weibliche“ Crashtest-Dummy, bekannt als Hybrid III, wiegt 49 Kilogramm und ist 1,50 Meter groß. Er wurde in den 1970er Jahren entwickelt und basiert auf den kleinsten 5 % der amerikanischen Frauen. Dieser Dummy repräsentiert nicht die durchschnittliche weibliche Anatomie.
Hintergrund: Historische Ungleichheit
Historisch wurden Crashtest-Dummys um einen männlichen Körperbau herum entwickelt, der zum Standard wurde. Dies führte dazu, dass Fahrzeuge primär für Männer konzipiert wurden, obwohl heute mehr Frauen als Männer einen Führerschein besitzen.
Konkrete Verbesserungen durch den neuen Dummy
Die Form und das Ansprechverhalten des THOR-05F bei einem Aufprall basieren auf weiblichen Körpern. Dies wird eine bessere Bewertung des Risikos für Hirn-, Brustkorb-, Bauch-, Becken- und Unterschenkelverletzungen bei kleineren weiblichen Insassen ermöglichen. Die Vielzahl der Sensoren im THOR-05F hilft dabei, die Leistung von Sicherheitsgurten, Airbags und Fahrzeugstrukturen in Bezug auf weibliche Körper zu analysieren.
Diese Daten sollen zu sichereren Fahrzeugdesigns und neuen Vorschriften führen. Die aktuellen Standards wurden seit den 1980er Jahren nicht aktualisiert, was die Dringlichkeit dieser Neuerung unterstreicht.
Der Weg zur Umsetzung und zukünftige Herausforderungen
Die Ankündigung startet den Regulierungsprozess, um den modernen weiblichen Crashtest-Dummy in Betrieb zu nehmen. Nach der Veröffentlichung der endgültigen Regelung wird der THOR-05F für die Konformitätstests der Federal Motor Vehicle Safety Standards berücksichtigt.
Maria Weston Kuhn, die nach einem schweren Autounfall die gemeinnützige Organisation Drive Action Fund ins Leben rief, um sich für bessere Crashtests für Frauen einzusetzen, begrüßte die Entscheidung. Sie betonte, dass die neuen Dummys nicht im Lager bleiben dürfen und die Automobilhersteller diese Änderungen nur umsetzen werden, wenn sie dazu verpflichtet sind.
„Dies ist ein ermutigendes Zeichen“, sagte Weston Kuhn. „Aber wir wissen, dass die Dummys nichts nützen, wenn sie im Lagerraum liegen, und dass die Autohersteller diese Änderungen nicht umsetzen werden, es sei denn, es wird vorgeschrieben.“
Chris O’Connor von Humanetics teilte diese Bedenken. Er wies darauf hin, dass sein Unternehmen den weiblichen Dummy bereits in Europa und anderen Regionen für Crashtests einsetzt. Er forderte einen klaren Zeitplan und Dringlichkeit in den USA, um weitere Verzögerungen bei der Rettung von Menschenleben zu vermeiden.
Senatoren Tammy Duckworth und Deb Fischer, die den She DRIVES Act unterstützen, ein Gesetz zur Modernisierung der Fahrzeugsicherheitsstandards durch die Verwendung weiblicher Crashtest-Dummys, lobten die Ankündigung ebenfalls. Sie betonten die Notwendigkeit, diese Teststandards dauerhaft zu machen, um Tausende von Leben zu retten und die Straßen für alle Fahrer sicherer zu gestalten.
Dieser Schritt markiert einen bedeutenden Fortschritt in der Automobilsicherheit und verspricht, die Sicherheit für alle Insassen, insbesondere für Frauen, erheblich zu verbessern.




