Die chinesische Regierung hat Spekulationen über ein angebliches Verbot schneller Beschleunigung bei Elektrofahrzeugen (EVs) dementiert. Das Ministerium für Öffentliche Sicherheit stellte klar, dass ein Entwurf für eine nationale Fahrzeugsicherheitsnorm lediglich eine Standard-Startbeschleunigung von mindestens fünf Sekunden vorschreibt, die nach dem Einschalten des Fahrzeugs standardmäßig aktiv sein muss. Diese Regelung betrifft nicht die maximale Leistung oder die Fähigkeit von E-Autos, in deutlich kürzerer Zeit zu beschleunigen.
Wichtige Erkenntnisse
- Der Entwurf der chinesischen Sicherheitsnorm schreibt eine Mindestbeschleunigungszeit von fünf Sekunden von 0 auf 100 km/h für den Standard-Startmodus vor.
- Diese Regelung gilt nur für den Standard-Startmodus nach dem Einschalten, nicht für die maximale Beschleunigungsleistung des Fahrzeugs.
- Fahrer können weiterhin schnellere Beschleunigungsmodi manuell aktivieren.
- Die Maßnahme soll die Fahrzeugkontrolle verbessern und Unfälle beim Anfahren reduzieren, insbesondere bei leistungsstarken E-Fahrzeugen.
- Der Entwurf beinhaltet auch weitere Sicherheitsbestimmungen, wie Anforderungen an regeneratives Bremsen und Systeme zur Vermeidung von Fehlbedienungen der Pedale.
Klarstellung des Ministeriums für Öffentliche Sicherheit
Am 10. November veröffentlichte das Ministerium für Öffentliche Sicherheit einen Konsultationsentwurf zur Aktualisierung der nationalen Norm „Technische Bedingungen für die Betriebssicherheit von Kraftfahrzeugen“. Ein Passus in diesem Entwurf sorgte in sozialen Medien und unter Autofahrern für Verwirrung. Er besagt, dass Personenkraftwagen nach jedem Einschalten oder Zündvorgang (ausgenommen automatische Start-Stopp-Systeme) standardmäßig in einem Betriebsmodus starten müssen, in dem die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h mindestens fünf Sekunden beträgt.
Die Formulierung führte schnell zu der Annahme, dass eine schnelle Beschleunigung für Elektrofahrzeuge generell verboten werden sollte. Themen wie „EV-Beschleunigungsleistung verboten“ verbreiteten sich rasch auf verschiedenen Online-Plattformen.
Faktencheck
Die Regelung gilt ausschließlich für den Standard-Startmodus. Sie verbietet nicht die technische Fähigkeit eines Fahrzeugs, schneller zu beschleunigen. Leistungsstarke E-Fahrzeuge wie der Xiaomi SU7 Max (2,78 Sekunden), der BYD Han L EV (2,7 Sekunden) und der Geely Galaxy E8 (3,49 Sekunden) können diese Zeiten weiterhin erreichen.
Der entscheidende Unterschied: Standard-Startmodus
Beamte des Ministeriums erklärten gegenüber Caijing, dass die Öffentlichkeit die Klausel falsch interpretiert habe. Der Schlüsselbegriff ist „Standard-Startmodus“. Dieser bezieht sich auf den anfänglichen Betriebsmodus des Fahrzeugs unmittelbar nach dem Einschalten oder Zünden. In diesem Modus muss die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h mindestens fünf Sekunden dauern.
Der Entwurf verhindert nicht, dass Fahrzeuge schnellere Zeiten erreichen, sobald zusätzliche Fahrereingaben oder Leistungsmodi aktiviert werden. Eine Beschleunigung unter fünf Sekunden bleibt somit möglich, da die Vorschrift nur die Drehmomentabgabe beim Start betrifft und nicht die Spitzenleistung des Fahrzeugs.
„Die Regelung zielt darauf ab, die Kontrolle über das Fahrzeug im Moment des Anfahrens zu erleichtern und die Sicherheit zu erhöhen, insbesondere für weniger erfahrene Fahrer. Sie schränkt die Leistungsfähigkeit moderner Elektrofahrzeuge in keiner Weise ein, wenn der Fahrer bewusst einen leistungsstärkeren Modus wählt.“
Hintergrund der neuen Vorschrift
Ein mit der Ausarbeitung befasster Beamter erläuterte, dass die Anpassung auf aktuelle Trends im chinesischen Markt reagiert. Der Verkauf von New-Energy Vehicles (NEVs), zu denen Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeuge gehören, hat stark zugenommen. Viele dieser Modelle liefern ein sehr starkes initiales Drehmoment, was die Fahrzeugkontrolle aus dem Stand für einige Fahrer erschweren kann.
Der Beamte wies darauf hin, dass die Zahl der Vorfälle mit Kontrollverlust beim Anfahren gestiegen ist, am häufigsten bei Elektrofahrzeugen. Hochleistungs-Verbrennungsmotoren bergen ähnliche Risiken, ihr Marktanteil ist jedoch geringer.
Hintergrundinformation
Chinas Markt für Elektrofahrzeuge ist der größte der Welt. Die schnelle Entwicklung und Einführung leistungsstarker Modelle hat neue Herausforderungen für die Verkehrssicherheit mit sich gebracht. Die Regierung reagiert mit präventiven Maßnahmen, um das Risiko von Unfällen zu minimieren, ohne die technologische Innovation zu behindern.
Weitere Sicherheitsbestimmungen im Entwurf
Der Konsultationsentwurf enthält mehrere zusätzliche Sicherheitsbestimmungen für New-Energy Vehicles. Dazu gehören Anforderungen an regenerative Bremssysteme vom Typ A, um das Fahren mit einem Pedal zu standardisieren. Es gibt auch Grenzwerte für die Verzögerung nach dem Loslassen des Gaspedals. Des Weiteren werden obligatorische Systeme zur Unterdrückung von Fehlbedienungen der Pedale vorgeschrieben.
- Regeneratives Bremsen: Standardisierung des Ein-Pedal-Fahrens.
- Verzögerungsgrenzen: Begrenzung der Bremswirkung nach Loslassen des Gaspedals.
- Fehlbedienung der Pedale: Systeme, die fehlerhafte Eingaben im Stand oder beim Kriechen überwachen und die Leistungsabgabe einschränken, während sie eine klare akustische oder visuelle Warnung ausgeben.
Auch die Nutzung von Infotainment-Systemen wird reguliert: Video-Wiedergabe und Spiele müssen sich ausschalten, wenn das Fahrzeug 10 km/h überschreitet. Zudem müssen die Batterien von reinen Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeugen der nationalen Norm GB 38031 entsprechen und über gerichtete Druckentlastungs- und Druckausgleichsstrukturen verfügen.
Der Entwurf befindet sich weiterhin in der Phase der öffentlichen Konsultation. Dies ist Teil des nationalen Standardisierungsüberarbeitungsprozesses in China. Die endgültige Fassung wird nach Berücksichtigung des öffentlichen Feedbacks veröffentlicht.




