Das Jahr 2025 stellte die Elektrofahrzeugindustrie vor große Herausforderungen. Trotz politischer Rückschläge und eingestellter Modelle zeigte sich ein unerwarteter Trend: Das Verbraucherinteresse an E-Autos blieb stabil oder stieg sogar leicht an. Dies deutet auf eine langfristige Verschiebung im Automobilmarkt hin, auch wenn der Übergang in den USA langsamer verläuft als erwartet.
Wichtige Erkenntnisse
- Politische Unterstützung für Elektrofahrzeuge in den USA wurde 2025 stark reduziert.
- Mehrere Autohersteller strichen oder verzögerten geplante E-Modelle.
- Trotz der Rückschläge blieb das Verbraucherinteresse an Elektrofahrzeugen überraschend hoch.
- Die globalen Verkäufe von Elektroautos, insbesondere in China, zeigen einen klaren Aufwärtstrend.
- Die Branche steht vor Herausforderungen wie hohen Anschaffungskosten und Ladeinfrastruktur.
Politische Kehrtwende und ihre Folgen
Die Unterstützung für Elektrofahrzeuge (EVs) erlebte in den USA eine deutliche Reduzierung. Die Regierung hob eine Reihe von Bundesrichtlinien auf, die EVs gefördert hatten. Dazu gehörte die Abschaffung der Möglichkeit Kaliforniens, den Verkauf von Elektrofahrzeugen zu verlangen. Auch die Bundesvorschriften zu Emissionen und Kraftstoffeffizienz wurden neu geschrieben. Die Strafen für Autohersteller, die zu viele Benzinfresser verkauften, wurden auf null gesetzt.
Ein weiterer entscheidender Faktor war das Ende der bundesweiten Steuergutschrift von 7.500 US-Dollar für den Kauf von Elektrofahrzeugen. Diese politischen Änderungen hatten direkte Auswirkungen auf die Branche und die Kaufanreize für Konsumenten.
Faktencheck
Die Steuergutschrift von 7.500 US-Dollar für Elektrofahrzeuge wurde in den USA eingestellt. Dies führte zu einem kurzfristigen Verkaufsanstieg im August und September, als Käufer die letzte Chance nutzten.
Modellstreichungen und Produktionsanpassungen
Als Reaktion auf die veränderten Rahmenbedingungen und die anfängliche Unsicherheit im Markt verzögerten oder strichen Autohersteller mehrere unrentable EV-Pläne. Der vollelektrische Ram 1500 REV wurde noch vor Baubeginn eingestellt. Der vollelektrische Ford Lightning, trotz positiver Kritiken, wurde ebenfalls vom Markt genommen.
Beide Pickups sollen durch Elektrofahrzeuge mit erweiterter Reichweite ersetzt werden, die sowohl eine große Batterie als auch einen Reserve-Benzintank besitzen. Der Volkswagen Buzz ist in anderen Ländern weiterhin erhältlich, nicht aber in den USA. Auch der GM Brightdrop Van ist nicht mehr verfügbar. Diese Anpassungen zeigen die Herausforderungen, mit denen die Hersteller konfrontiert sind.
"Es ist eine Achterbahnfahrt", beschreibt Stephanie Valdez Streaty von Cox Automotive die Verkaufsentwicklung von Elektrofahrzeugen in diesem Jahr.
Unerwartetes Verbraucherinteresse
Trotz der politischen Rückschläge und der Modellstreichungen gab es eine überraschende Entwicklung: Das Interesse der US-Käufer an Elektrofahrzeugen stieg sogar leicht an, nachdem die Steuergutschrift wegfiel. Brent Gruber von J.D. Power, einem Unternehmen für Verbrauchereinblicke, berichtet, dass etwa 25% der Neuwagenkäufer sehr daran interessiert sind, ein Elektrofahrzeug zu kaufen. Diese Zahl blieb über das Jahr hinweg weitgehend konstant.
Dies deutet darauf hin, dass die grundlegende Attraktivität von Elektrofahrzeugen für viele Konsumenten bestehen bleibt, unabhängig von kurzfristigen politischen oder wirtschaftlichen Schwankungen. Die Zufriedenheit unter bestehenden EV-Besitzern ist ebenfalls sehr hoch; 94% planen, beim nächsten Fahrzeugkauf wieder ein Elektrofahrzeug zu wählen.
Hintergrund: Die Politisierung der E-Mobilität
BJ Birtwell, der die Electrify Expo leitet, bemerkt, dass Elektrofahrzeuge unter einer Politisierung leiden. Viele Amerikaner lehnen sie von vornherein ab. Er sagt jedoch, dass Testfahrten oft Skepsis in Begeisterung verwandeln. Das Fahrgefühl und die einfache, kostengünstige Lademöglichkeit zu Hause überzeugen viele Zweifler.
Herausforderungen für den US-Markt
Obwohl das Interesse der Verbraucher hoch bleibt, ist der Markt für batteriebetriebene Fahrzeuge in den USA langsamer gewachsen, als von Branchenexperten erwartet. Dies liegt nicht nur an der Politik, sondern auch an Marktrealitäten. Das Laden zu Hause ist für Hausbesitzer einfach, stellt aber für Bewohner von Mehrfamilienhäusern ohne eigene Lademöglichkeit ein Problem dar.
Zudem sind die Anschaffungspreise für Elektrofahrzeuge oft höher als für vergleichbare Verbrenner. Obwohl niedrigere Kraftstoff- und Wartungskosten dies langfristig ausgleichen können, schreckt der höhere Preis viele potenzielle Käufer ab. Diese Faktoren tragen zur Verlangsamung des Übergangs bei.
Wirtschaftliche Auswirkungen auf Zulieferer
Die Verzögerungen und Stornierungen haben weitreichende Folgen. Automobilhersteller haben Milliarden von Dollar in gestrichene oder verschobene EV-Designs investiert. Doch auch das Netzwerk der Zulieferer leidet. Ken O'Trakoun von RPM Partners, der mit angeschlagenen Autozulieferern zusammenarbeitet, spricht von einem "Peitschenhieb-Effekt".
Zulieferer, die in Fabriken investierten, um Teile für Fahrzeuge zu liefern, die nun entweder nicht oder in viel geringerem Umfang produziert werden, stehen vor großen Herausforderungen. Dies führt zu Störungen und kann Arbeitsplatzverluste verursachen, da Automobilhersteller auch Personal von Batteriewerken und EV-Produktionslinien abziehen oder umbesetzen.
- Hohe Anschaffungskosten: EVs sind oft teurer in der Anschaffung.
- Ladeinfrastruktur: Herausforderungen für Wohnungseigentümer.
- Zuliefererkette: Investitionen in nicht realisierte Projekte belasten.
- Arbeitsplätze: Umstrukturierungen können zu Entlassungen führen.
Der globale Trend bleibt klar
Trotz der Verlangsamung in den USA geben Autohersteller ihre EV-Pläne nicht auf. Das liegt zum einen am anhaltenden Verbraucherinteresse und zum anderen daran, dass es sich um globale Unternehmen handelt. Sie wollen auch den Rest der Welt beliefern können. Huiling Zhou, US-EV-Analystin bei BloombergNEF, weist darauf hin, dass Verbrennungsmotoren global bereits vor acht bis neun Jahren ihren Höhepunkt überschritten haben.
Etwa jeder vierte weltweit verkaufte Neuwagen war in diesem Jahr elektrisch. Dieser Trend wird maßgeblich von China angetrieben, das Elektrofahrzeuge bemerkenswert schnell angenommen hat. China exportiert zunehmend Elektroautos in die ganze Welt. Der globale Markt für Benzin- oder Dieselfahrzeuge schrumpft, während der Markt für batteriebetriebene Autos wächst – und China dominiert ihn.
Wenn Automobilhersteller weltweit wettbewerbsfähig bleiben wollen, können sie es sich schlichtweg nicht leisten, aus der EV-Entwicklung auszusteigen. Der globale Druck und die Marktchancen sind zu groß, um die Elektromobilität zu ignorieren.




