Ein beunruhigender Trend gefährdet die Infrastruktur für Elektrofahrzeuge: Immer häufiger werden Kabel von Ladesäulen gestohlen oder beschädigt. Diese Vorfälle beeinträchtigen nicht nur die Verfügbarkeit von Lademöglichkeiten, sondern könnten auch das Vertrauen der Verbraucher in die Elektromobilität untergraben. Experten warnen vor den weitreichenden Folgen dieser Kriminalität.
Wichtige Erkenntnisse
- Kabeldiebstahl an EV-Ladesäulen nimmt zu, besonders in Großbritannien.
- Der Hauptgrund ist der Wert des Kupfers in den Kabeln.
- Netzbetreiber berichten von erheblichen finanziellen Schäden.
- Die Vandalismus-Welle könnte die Akzeptanz von Elektroautos bremsen.
- Forderungen nach härteren Strafen und Einstufung als kritische Infrastruktur werden laut.
Zunehmender Vandalismus an Ladesäulen
Die Elektromobilität gilt als eine Säule der Energiewende. Doch mit dem Ausbau der Ladeinfrastruktur tauchen neue Herausforderungen auf. Ein besonders besorgniserregendes Phänomen ist der Diebstahl von Ladekabeln. Fahrer von Elektroautos finden immer häufiger beschädigte oder fehlende Kabel an öffentlichen Ladesäulen vor. Dies führt zu Frustration und unplanmäßigen Stopps.
Ein aktueller Fall, der in Online-Foren diskutiert wurde, zeigt das Ausmaß des Problems. Ein Elektroautofahrer berichtete, wie er an einer Ladesäule ankam und feststellen musste, dass die Kabel abgeschnitten waren. Solche Erlebnisse sind für die Betroffenen nicht nur ärgerlich, sondern werfen auch Fragen zur Zuverlässigkeit der Ladeinfrastruktur auf.
Faktencheck: Kabeldiebstahl
- Betroffene Region: Besonders Großbritannien meldet eine Zunahme der Vorfälle.
- Hauptmotiv: Der hohe Kupferanteil in den Ladekabeln.
- Finanzieller Schaden: Ein großer Netzbetreiber bezifferte den Schaden auf über 410.000 Pfund (ca. 480.000 Euro) innerhalb von 18 Monaten.
- Häufigkeit: Eine Kette von 13 Ladestationen wurde 33 Mal Ziel von Diebstählen oder Vandalismus.
Das lukrative Geschäft mit Kupfer
Der Hauptgrund für den Diebstahl der Ladekabel ist ihr Materialwert. Die Kabel, insbesondere die für Schnellladestationen, enthalten eine erhebliche Menge an Kupfer. Dieses Metall erzielt auf dem Schrottmarkt hohe Preise. Kriminelle sehen hier eine leichte Beute, da die Kabel oft frei zugänglich sind und der Diebstahl relativ schnell erfolgen kann.
Ein Nutzer in einem Online-Forum erklärte die Motivation hinter den Taten: „Es ist der Kupfergehalt des Kabels. Je höher die Leistung der Ladestation, desto mehr Kupfer ist in diesem Kabel enthalten.“ Diese einfache Logik macht leistungsstarke Ladestationen zu bevorzugten Zielen für Diebe.
"Wenn Vandalen und Diebe Ladegeräte entfernen, kommen wir nicht voran. Das hilft nicht. Es wird mehr Menschen Sorgen bereiten und könnte sogar Leute davon abhalten, Elektroautos zu kaufen." — Keith Burry, Besitzer eines Elektrofahrzeugs
Auswirkungen auf die Elektromobilität
Die zunehmenden Diebstähle haben weitreichende Konsequenzen. Erstens führt jeder Vorfall dazu, dass eine Ladesäule außer Betrieb genommen werden muss. Dies reduziert die ohnehin noch nicht flächendeckende Ladeinfrastruktur und erhöht den Druck auf die verbleibenden Stationen. Für Fahrer bedeutet dies längere Wartezeiten oder die Notwendigkeit, weitere Wege in Kauf zu nehmen.
Zweitens entstehen den Betreibern der Ladesäulen erhebliche Kosten. Allein ein großer Ladenetzbetreiber bezifferte den Schaden durch Kabeldiebstahl zwischen November 2023 und April 2025 auf 410.000 Pfund, umgerechnet etwa 539.000 US-Dollar. Diese Kosten müssen letztlich über höhere Ladepreise oder geringere Investitionen in den Ausbau der Infrastruktur kompensiert werden.
Hintergrund: Die Entwicklung der Ladeinfrastruktur
Mit der steigenden Zahl an Elektrofahrzeugen wächst auch der Bedarf an einer robusten und zuverlässigen Ladeinfrastruktur. Regierungen und private Unternehmen investieren Milliarden in den Ausbau von öffentlichen und privaten Ladepunkten. Die Zuverlässigkeit dieser Infrastruktur ist entscheidend für die Akzeptanz von Elektroautos. Probleme wie Kabeldiebstahl untergraben diese Bemühungen.
Die Frustration der EV-Fahrer
Die Reaktion der Elektroauto-Community auf diese Entwicklung ist eindeutig: Frustration und Enttäuschung. Viele Fahrer äußerten Bedenken, dass solche Vorfälle potenzielle Käufer von Elektrofahrzeugen abschrecken könnten. "Es ist einfach deprimierend, nicht wahr? Jede gute Sache wird von denjenigen am unteren Ende kaputt gemacht, vandalisiert oder gestohlen", kommentierte ein Nutzer.
Diese Sichtweise verdeutlicht, dass es nicht nur um den materiellen Schaden geht. Es geht auch um das Gefühl der Sicherheit und Verlässlichkeit, das für die breite Einführung einer neuen Technologie unerlässlich ist. Wenn die Infrastruktur als unsicher oder anfällig wahrgenommen wird, sinkt die Bereitschaft, auf Elektroautos umzusteigen.
Mögliche Lösungsansätze
Um dem Problem des Kabeldiebstahls entgegenzuwirken, werden verschiedene Maßnahmen diskutiert. Eine häufig genannte Forderung ist die Einstufung von Ladesäulen als kritische Infrastruktur. Dies würde bedeuten, dass Diebstahl und Vandalismus härter bestraft würden.
- Videoüberwachung: Installation von Kameras an Ladesäulen, um Täter abzuschrecken und zu identifizieren.
- Robustere Materialien: Einsatz von widerstandsfähigeren oder weniger kupferhaltigen Kabeln, sofern technisch machbar.
- Sicherere Befestigung: Entwicklung von Systemen, die das Entfernen der Kabel erschweren oder unmöglich machen.
- Härtere Strafen: Eine Einstufung als kritische Infrastruktur könnte zu empfindlicheren Strafen führen und somit eine abschreckende Wirkung haben.
Die Betreiber der Ladenetze arbeiten bereits an Lösungen. Es ist jedoch eine gemeinsame Anstrengung von Herstellern, Betreibern, Gesetzgebern und der Öffentlichkeit notwendig, um die Ladeinfrastruktur effektiv zu schützen und die Zukunft der Elektromobilität zu sichern.




