Tesla, der führende Hersteller von Elektrofahrzeugen, könnte im vierten Quartal des Jahres 2025 einen Nettoverlust verzeichnen. Diese Prognose basiert auf einer Analyse aktueller Markttrends, sinkender Verkaufspreise und steigender Betriebskosten. Die Anzeichen deuten auf eine herausfordernde Periode für das Unternehmen hin, die CEO Elon Musk möglicherweise in der nächsten Gewinnmitteilung bestätigen muss.
Wichtige Erkenntnisse
- Die Automobilumsätze von Tesla könnten im vierten Quartal um über die Hälfte zurückgehen.
- Günstigere Standardversionen von Model 3 und Y könnten die Einnahmen weiter schmälern.
- Steigende Betriebsausgaben, insbesondere für Forschung und Entwicklung, belasten die Gewinne.
- Selbst unter optimistischen Annahmen könnte ein operativer Verlust eintreten.
Rückgang der Automobilumsätze
Die Automobilsparte von Tesla verzeichnete bereits im ersten und zweiten Quartal 2025 einen Rückgang der Umsätze im Vergleich zum Vorjahr. Dies markiert das erste Mal seit 2012, dass Tesla zwei aufeinanderfolgende Quartale mit sinkenden Einnahmen meldete. Obwohl das dritte Quartal einen Rekordumsatz von 21,2 Milliarden US-Dollar in der Automobilsparte zeigte, war dieser Anstieg größtenteils durch das Auslaufen der US-Bundessteuergutschrift für Elektrofahrzeuge in Höhe von 7.500 US-Dollar am 30. September künstlich angekurbelt.
Andere Automobilhersteller, die ebenfalls einen ähnlichen Anstieg der EV-Verkäufe im dritten Quartal erlebten, haben bereits ihre Verkaufszahlen für November veröffentlicht. Diese Zahlen zeigen einen deutlichen Rückgang. So fielen beispielsweise die EV-Verkäufe der Ford Motor Company im November um 60,8 % im Vergleich zum Vorjahr. Hyundai verzeichnete einen Rückgang von 58,8 %, Kia einen von 62 % und Honda einen dramatischen Rückgang von 88,6 %.
Faktencheck: EV-Verkäufe im November
- Ford: -60,8 %
- Hyundai: -58,8 %
- Kia: -62 %
- Honda: -88,6 %
Selbst wenn Tesla diesen branchenweiten Trend übertreffen und die Fahrzeugverkäufe im vierten Quartal 2025 nur um 50 % gegenüber dem Vorjahr von 495.570 auf 247.785 Einheiten sinken sollten, würde der Automobilumsatz im vierten Quartal 2025 auf etwa 9,9 Milliarden US-Dollar fallen. Die anderen Geschäftsbereiche des Unternehmens – Energieerzeugung/-speicherung und Dienstleistungen – könnten einen Teil des Rückgangs auffangen, wenn sie ihre starken Wachstumsraten im dritten Quartal von 44 % bzw. 25 % gegenüber dem Vorjahr beibehalten. Dies würde jedoch immer noch nur einen Gesamtumsatz von etwa 17,9 Milliarden US-Dollar für Tesla im vierten Quartal bedeuten, ein Rückgang von 10 %.
Geringere Einnahmen pro Fahrzeug
Um die abgelaufene Steuergutschrift von 7.500 US-Dollar teilweise auszugleichen, hat Tesla günstigere „Standard“-Versionen seiner Modelle 3 und Y eingeführt. Diese abgespeckten Modelle kosten etwa 5.000 US-Dollar weniger als ihre Pendants, verfügen jedoch nicht über wichtige Funktionen wie Autopilot und Full Self-Driving.
Hintergrund: Preisstrategie
Die Einführung günstigerer Modelle ist eine Reaktion auf den Wettbewerb und das Auslaufen staatlicher Subventionen. Sie soll die Nachfrage hochhalten, könnte aber die Profitabilität pro Fahrzeug reduzieren.
Sollten alle zukünftig verkauften Model 3 und Y die neuen Standardversionen sein, würde allein der Preisunterschied von 5.000 US-Dollar die Einnahmen des Unternehmens im nächsten Quartal um mehr als 1 Milliarde US-Dollar reduzieren. Selbst bei einer konservativen Schätzung, dass nur die Hälfte der verkauften Fahrzeuge Standardversionen sein werden, würden die Tesla-Einnahmen im vierten Quartal um weitere 600 Millionen US-Dollar sinken und sich auf insgesamt 17,3 Milliarden US-Dollar belaufen.
Zusätzlich dazu leidet Tesla seit Jahren unter einem Margendruck. Im ersten Quartal 2022 erreichte die Bruttomarge ihren Höhepunkt bei 29,1 %, ist aber seitdem stetig gesunken. Im dritten Quartal lag die Bruttomarge von Tesla bei 18 %, dem höchsten Wert seit über einem Jahr. Sollte sich der sequentielle Quartalsrückgang der Margen fortsetzen, würde die Bruttomarge im vierten Quartal bei 17,2 % liegen. Dies entspricht der Bruttomarge im zweiten Quartal und ist ein Anstieg gegenüber den 16,3 % im ersten Quartal und vierten Quartal 2024. Wendet man eine Bruttomarge von 17,2 % auf die geschätzten Einnahmen von 17,3 Milliarden US-Dollar im vierten Quartal an, würde der Bruttogewinn des Unternehmens knapp 3 Milliarden US-Dollar betragen.
Steigende Ausgaben
Die Schätzung des Bruttogewinns von 3 Milliarden US-Dollar berücksichtigt noch nicht die Betriebsausgaben. Im dritten Quartal erklärte das Unternehmen, dass einer der Hauptfaktoren für den Rückgang des Betriebsergebnisses um 40 % gegenüber dem Vorjahr ein „Anstieg der Betriebsausgaben, angetrieben durch Vertriebs- und Verwaltungskosten, KI- und andere Forschungs- und Entwicklungsprojekte“, war. Diese „gestiegenen“ Betriebsausgaben beliefen sich im dritten Quartal auf 3,4 Milliarden US-Dollar.
"Der Anstieg der Betriebsausgaben, getrieben durch SG&A, KI und andere F&E-Projekte, war ein wesentlicher Faktor für den Rückgang unseres Betriebsergebnisses im dritten Quartal."
Angesichts von Elon Musks neuem Fokus auf Robotik und Automatisierung erscheint es unwahrscheinlich, dass die Betriebsausgaben des Unternehmens im vierten Quartal sinken werden. Es ist vielmehr zu erwarten, dass sie erheblich steigen. Doch selbst wenn sie gegenüber dem dritten Quartal bei 3,4 Milliarden US-Dollar stabil bleiben, übersteigen sie immer noch den optimistischen Bruttogewinn von 3 Milliarden US-Dollar im vierten Quartal. Dies würde zu einem operativen Verlust von 400 Millionen US-Dollar im vierten Quartal führen und wahrscheinlich zu einem noch höheren Nettoverlust, wenn nicht-operative Ausgaben wie Steuern und Zinsen berücksichtigt werden.
Ein optimistisches Szenario
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Tesla bereits unrentabel erscheint, selbst wenn folgende optimistische Annahmen zutreffen:
- Der Rückgang der EV-Verkäufe im vierten Quartal ist geringer als bei der Konkurrenz.
- Die Einnahmen aus anderen Geschäftsbereichen wachsen weiterhin stark.
- Die günstigeren Standardversionen von Model 3 und Y machen nur 50 % der Verkäufe aus.
- Diese Standardversionen haben keinen Einfluss auf die Bruttomargen des Unternehmens.
- Die gesamten Bruttomargen sinken nur geringfügig und kehren nicht auf das niedrigere Niveau des ersten Quartals zurück.
- Die Betriebsausgaben, einschließlich der Forschungs- und Entwicklungskosten, steigen nicht wesentlich an.
Sollte sich eine dieser optimistischen Annahmen als falsch erweisen – zum Beispiel, wenn der Rückgang der Tesla-EV-Verkäufe dem anderer Automobilhersteller entspricht oder die F&E-Ausgaben stark ansteigen – könnte der Nettoverlust wesentlich höher ausfallen.
Es ist natürlich möglich, dass Tesla uns mit einem Rückgang der Verkäufe von nur 25 % gegenüber dem Vorjahr überrascht, oder einem Anstieg der Einnahmen außerhalb des Automobilbereichs, oder einer anderen unerwarteten Situation, die das Unternehmen im Quartal in den schwarzen Zahlen hält. Die aktuelle Datenlage deutet jedoch darauf hin, dass Elon Musk in der Gewinnmitteilung für das vierte Quartal offenlegen muss, dass das Unternehmen bereits mit Verlust arbeitet. Aktionäre sollten sich auf diese Möglichkeit einstellen.




