Die US-Wirtschaft hat im dritten Quartal dieses Jahres ein bemerkenswertes Wachstum verzeichnet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im Zeitraum Juli bis September um annualisierte 4,3 Prozent. Dies übertrifft die Erwartungen von Wall Street deutlich und markiert das schnellste Wachstum der US-Wirtschaft seit dem dritten Quartal 2023.
Wichtige Erkenntnisse
- US-BIP wuchs im dritten Quartal um 4,3 Prozent, über den Prognosen.
- Konsumausgaben und Exporte waren die Haupttreiber des Wachstums.
- Das Verbrauchervertrauen sank jedoch den fünften Monat in Folge.
- Experten erwarten eine Verlangsamung des Wachstums im vierten Quartal.
- Der Kupferpreis erreichte ein Rekordhoch, der US-Dollar fiel.
Starkes Wachstum dank Konsum und Exporten
Das US Bureau of Economic Analysis (BEA) berichtete, dass das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal gegenüber den 3,8 Prozent im Zeitraum April bis Juni deutlich zulegte. Analysten hatten lediglich ein Wachstum von 3,3 Prozent erwartet. Dieses robuste Ergebnis ist hauptsächlich auf erhöhte Konsumausgaben, gestiegene Exporte und höhere Staatsausgaben zurückzuführen.
Ein Rückgang der Importe trug ebenfalls positiv zur BIP-Berechnung bei, da Importe als Abzugsposten behandelt werden. Dies deutet auf eine stärkere Binnennachfrage und eine geringere Abhängigkeit von ausländischen Gütern hin.
Faktencheck
- 4,3 Prozent: Annualisiertes BIP-Wachstum im dritten Quartal.
- 3,5 Prozent: Anstieg der Konsumausgaben.
- 8,8 Prozent: Anstieg der Exporte.
- -4,7 Prozent: Rückgang der Importe.
Konsumausgaben als Motor der Wirtschaft
Die Konsumausgaben zeigten sich als entscheidender Faktor für das starke Wachstum. Heather Long, Chefökonomin bei Navy Federal Credit Union, hob hervor, dass dies das beste Quartalswachstum seit zwei Jahren sei. Sie betonte, dass die Verbraucher in diesem Quartal wieder die Hauptantriebskraft der US-Wirtschaft waren.
Obwohl es leichte Rückgänge bei Ausgaben für Automobile und Wohnungseinrichtungen gab, setzten die Konsumenten ihre Ausgaben in fast allen anderen Kategorien fort. Dies schließt auch diskretionäre Artikel wie Freizeitgüter ein. „Dies stimmt optimistisch für 2026“, so Long. „Wenn die Wirtschaft größere Entlassungswellen vermeiden kann, werden die meisten amerikanischen Verbraucher weiter ausgeben können.“
„Dies ist das beste vierteljährliche Wirtschaftswachstum seit zwei Jahren. Die Haupttreiber des Wachstums waren starker Konsum, ungewöhnlich niedrige Importe und etwas höhere Staatsausgaben.“
Verbrauchervertrauen sinkt trotz starker Wirtschaft
Trotz der positiven BIP-Zahlen trübte sich die Stimmung der US-Verbraucher ein. Der US-Verbrauchervertrauensindex des Conference Board fiel im Dezember zum fünften Mal in Folge auf 89,1 Punkte, von 92,9 Punkten im November. Der Index für die aktuelle Lage sank auf 116,8 Punkte, den niedrigsten Stand seit Februar 2021.
Dieses Phänomen einer „K-förmigen Wirtschaft“ deutet darauf hin, dass das Wachstum sich auf Haushalte mit höherem Einkommen und technologiegestützte Investitionen konzentriert. Das breitere Verbrauchervertrauen bleibt unter Druck, was eine mögliche Verlangsamung im vierten Quartal andeutet.
Hintergrund: K-förmige Wirtschaft
Eine K-förmige Erholung beschreibt ein Szenario, in dem verschiedene Teile der Wirtschaft, oder verschiedene demografische Gruppen, sich mit unterschiedlicher Geschwindigkeit erholen. Während einige Sektoren oder Einkommensgruppen stark wachsen, stagnieren oder schrumpfen andere.
Ausblick und weitere Marktentwicklungen
Wirtschaftsexperten, darunter James Knightley, Chefökonom bei ING, erwarten eine Verlangsamung des Wachstums im vierten Quartal. Dies könnte auf die Auswirkungen einer teilweisen Regierungsschließung und das Abklingen des temporären Handelsschubs zurückzuführen sein.
Die überraschend starken BIP-Daten könnten auch den Druck auf die US-Notenbank verringern, die Zinsen so schnell zu senken, wie einige Marktteilnehmer erwartet hatten. Die Renditen zweijähriger US-Staatsanleihen stiegen um 5 Basispunkte auf 3,55 Prozent, während die Renditen zehnjähriger Anleihen um 3,5 Basispunkte auf 4,2 Prozent zulegten.
Kupferpreis erreicht Rekordhoch, US-Dollar schwächelt
Parallel zu den Wirtschaftsdaten erreichte der Kupferpreis ein neues Allzeithoch von über 12.000 US-Dollar pro Tonne im Londoner Handel. Dies ist auf eine Kombination aus Versorgungsengpässen und einer positiven Nachfrageprognose zurückzuführen. Insbesondere die starke Nachfrage nach Kupfer für KI-Rechenzentren spielt hier eine Rolle.
Der US-Dollar hingegen erreichte sein niedrigstes Niveau seit elf Wochen gegenüber einem Korb von Währungen. Dies liegt an den Erwartungen der Anleger, dass die US-Zinsen im Jahr 2026 stärker gesenkt werden könnten, als die Federal Reserve prognostiziert.
- Kupferpreis: Über 12.000 $/Tonne, Rekordhoch.
- US-Dollar: Schwächste Position seit 11 Wochen.
- Pfund Sterling: Stärkster Stand gegenüber dem Dollar seit fast drei Monaten.
KI-Boom zeigt erste Anzeichen einer Verlangsamung
Interessanterweise deutet die Analyse von Paul Ashworth, Chefökonom für Nordamerika bei Capital Economics, darauf hin, dass die Investitionen in künstliche Intelligenz (KI) im dritten Quartal möglicherweise einen Rückschlag erlitten haben. Obwohl die Konsumausgaben für Dienstleistungen, insbesondere im Gesundheitswesen, stark zulegten, verlangsamte sich das Wachstum der Unternehmensinvestitionen auf annualisierte 2,8 Prozent.
Die Investitionen in nicht-wohnwirtschaftliche Strukturen, die auch Rechenzentren umfassen, gingen sogar um 6,3 Prozent zurück. Dies könnte darauf hindeuten, dass der KI-Boom, der das BIP-Wachstum in der ersten Jahreshälfte angetrieben hatte, eine vorübergehende Pause einlegt.
Insgesamt zeigt sich ein gemischtes Bild: Eine robuste Wirtschaft, angetrieben von Konsum und Exporten, trifft auf ein sinkendes Verbrauchervertrauen und eine mögliche Verlangsamung bei den KI-Investitionen. Die kommenden Quartale werden zeigen, ob die US-Wirtschaft ihr hohes Tempo beibehalten kann.




