Scout Motors, die neue Marke der Volkswagen Gruppe, sieht sich in Colorado mit einer Klage konfrontiert. Eine Gruppe von VW-, Audi- und Porsche-Händlern hat den Staat verklagt, weil er Scout Motors eine Lizenz für den Direktvertrieb erteilt hat. Der Kern des Rechtsstreits dreht sich um die Definition von Elektrofahrzeugen und Scouts Pläne, Fahrzeuge mit erweiterter Reichweite anzubieten.
Wichtige Punkte
- Händler verklagen den Staat Colorado wegen der Direktvertriebslizenz für Scout Motors.
- Der Streitpunkt ist die Definition von Elektrofahrzeugen, insbesondere im Hinblick auf Range-Extended EVs (EREVs).
- Scout Motors plant, sowohl reine Elektrofahrzeuge als auch EREVs zu produzieren.
- 80% der Vorbestellungen für Scout-Fahrzeuge betreffen EREVs.
- Die Produktion der Scout Terra und Traveler beginnt 2027 in South Carolina.
Der Rechtsstreit um die Direktvertriebslizenz
Die Klage wurde am 20. Januar beim Bezirksgericht Denver eingereicht. Die Händler behaupten, die Abteilung für Kraftfahrzeuge des Finanzministeriums des Staates habe das Gesetz von Colorado falsch ausgelegt. Sie argumentieren, dass Scout Motors nicht ausschließlich Elektrofahrzeuge herstellt und die finanzielle Unterstützung durch die Volkswagen Gruppe heruntergespielt wurde.
Die Händler sehen Scout und die VW Gruppe als eine Einheit. Dies würde bedeuten, dass VW mit seinen eigenen Franchise-Händlern konkurriert, was nach den geltenden Händlergesetzen nicht erlaubt ist. Diese Gesetze sollen verhindern, dass Hersteller ihre eigenen Händler direkt unterbieten.
Wichtige Fakten
- Mehr als ein Drittel der VW-, Audi- und Porsche-Händler in Colorado sind an der Klage beteiligt.
- Colorado änderte 2020 seine Händler-Franchise-Gesetze.
- Die neue Gesetzgebung erlaubt Herstellern den Direktvertrieb nur, wenn sie ausschließlich Elektrofahrzeuge herstellen und keine Franchise-Händler der gleichen Marke im Staat haben.
Die Rolle der Range-Extended EVs (EREVs)
Ein zentraler Aspekt der Klage ist Scouts Entscheidung, EREVs anzubieten. Dies sind Elektrofahrzeuge mit benzinbetriebenen Generatoren, die die Batterie speisen. Die Kläger bezeichnen Scouts EREV-System als Plug-in-Hybrid-System.
Sie argumentieren, dass Scout daher nicht für die Ausnahmen im Gesetz von Colorado qualifiziert ist. Diese Ausnahmen sind eigentlich für reine EV-Marken wie Tesla und Rivian gedacht. Scout Motors vertritt jedoch die Auffassung, dass sowohl batterieelektrische Fahrzeuge als auch EREVs unter die Definition von Elektrofahrzeugen gemäß dem Gesetz von Colorado fallen.
„Batterieelektrische Fahrzeuge und Elektrofahrzeuge mit erweiterter Reichweite erfüllen beide die Definition von Elektrofahrzeugen nach dem Gesetz von Colorado, weshalb der Händlerausschuss unsere Lizenz mit überwältigender Mehrheit genehmigt hat“, erklärte ein Sprecher von Scout Motors.
Scouts Modellpalette und Marktstrategie
Scout Motors plant die Einführung der Modelle Terra (Pickup) und Traveler (SUV). Diese sollen sowohl in rein elektrischen Versionen als auch als „Harvester“-Varianten mit erweiterter Reichweite erhältlich sein. Die Harvester-Modelle verfügen über kleinere Batterien und einen Vierzylinder-Benzinmotor zur Reichweitenverlängerung.
Scout prognostiziert für die EREVs eine Reichweite von etwa 800 Kilometern. Die reinen Elektrofahrzeuge sollen rund 560 Kilometer schaffen. Diese Modelle gehen voraussichtlich 2027 in einem neuen Werk in South Carolina in Produktion.
Hintergrund der EREV-Popularität
EREVs erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, besonders bei großen SUVs und Pickups. Reine Elektroversionen dieser Fahrzeugtypen hatten es oft schwer am Markt. EREVs bieten das Beste aus beiden Welten: emissionsfreies Fahren im Alltag und die Sicherheit eines Benzinmotors für längere Fahrten oder schwere Lasten.
Andere Hersteller folgen diesem Trend. Ford plante eine EREV-Version des F-150 Lightning. Hyundai will 2027 einen EREV-SUV mit über 960 Kilometern Reichweite in den USA einführen. Auch Ram und Jeep haben dieses Jahr Markteinführungen in diesem Segment.
Verändertes Verbraucherverhalten und Scout's Weitsicht
Die Nachfrage nach reinen Elektrofahrzeugen hat sich verlangsamt. Scouts Entscheidung, auch Hybridoptionen anzubieten, erweist sich als vorausschauend. Dies zeigt sich auch in den Vorbestellungen.
Scott Keogh, CEO von Scout Motors, gab im Oktober bekannt, dass 80% der rund 130.000 Vorbestellungen für Fahrzeuge mit erweiterter Reichweite sind. Dies unterstreicht die Attraktivität dieses Antriebskonzepts für viele Kunden.
Colorado ist ein wichtiger Markt für robuste Nutzfahrzeuge und Elektrofahrzeuge. Die aktuelle Klage könnte Scouts Pläne für den Direktvertrieb in diesem Bundesstaat erheblich beeinflussen. Der Ausgang des Rechtsstreits hängt maßgeblich von der juristischen Auslegung des Begriffs „Elektrofahrzeug“ ab.
Die Definition von Elektrofahrzeugen im Fokus
Das Gesetz von Colorado besagt, dass ein Hersteller eigene Autohäuser betreiben darf, wenn er ausschließlich Elektrofahrzeuge herstellt und keine Franchise-Händler derselben Marke im Staat hat. Die Händler argumentieren, dass EREVs keine reinen Elektrofahrzeuge sind.
Die Gesetzeszusammenfassung definiert ein Elektrofahrzeug als ein Kraftfahrzeug, das vollständig mit elektrischer Energie betrieben werden kann. Unter dieser Definition könnten EREVs durchaus qualifizieren, da sie nicht zwingend Benzin benötigen, um zu funktionieren. Diese Interpretation wird von Scout Motors unterstützt und war entscheidend für die Genehmigung ihrer Lizenz durch den Händlerausschuss.
Der Direktvertrieb könnte die Zukunft sein, aber Autohäuser kämpfen weiterhin vehement um ihre Kontrolle. Ähnliche Klagen gegen Scout und die Volkswagen Group of America gab es bereits in Florida und Kalifornien. Dies zeigt einen landesweiten Trend, bei dem etablierte Händler versuchen, neue Vertriebsmodelle zu blockieren.




