Tesla steht in Kalifornien vor einer möglichen 30-tägigen Aussetzung seiner Verkaufslizenz. Hintergrund ist eine Entscheidung einer Verwaltungsrichterin, die dem Unternehmen irreführende Marketingpraktiken bei seinen Fahrassistenzsystemen "Autopilot" und "Full Self-Driving" vorwirft. Diese Maßnahme könnte Anfang nächsten Jahres in Kraft treten, falls Tesla nicht die geforderten Änderungen vornimmt.
Wichtige Punkte
- Kalifornien droht Tesla mit 30-tägigem Verkaufsverbot.
- Grund ist irreführende Werbung für "Autopilot" und "Full Self-Driving".
- Tesla hat 90 Tage Zeit, die Marketingaussagen anzupassen.
- Die Produktionslizenz ist nicht betroffen.
- Trotzdem erreicht der Aktienkurs von Tesla neue Höchststände.
Richterin stellt irreführende Praktiken fest
Verwaltungsrichterin Juliet Cox kam nach fünftägigen Anhörungen in Oakland, Kalifornien, zu dem Schluss, dass Tesla über Jahre hinweg täuschende Marketingmethoden angewendet hat. Die Begriffe "Autopilot" und "Full Self-Driving" suggerierten Fähigkeiten, die die Technologie nicht besaß. Das kalifornische Department of Motor Vehicles (DMV) hatte bereits im Jahr 2023 Klage gegen Tesla eingereicht.
Die Richterin empfahl ursprünglich auch, Teslas Produktionslizenz für das Werk in Fremont, Kalifornien, auszusetzen. Das DMV wird diesen Teil der Empfehlung jedoch nicht umsetzen. Die primäre Strafe konzentriert sich auf die Verkaufslizenz.
Faktencheck
- Verfahrensdauer: Die Anhörungen erstreckten sich über fünf Tage im Juli.
- Vorwurf: Irreführende Marketingaussagen seit mehreren Jahren.
- Konsequenz: Empfehlung zur Aussetzung der Verkaufslizenz für 30 Tage.
Teslas Reaktion und erforderliche Änderungen
Tesla hat nun 90 Tage Zeit, um seine Marketingkommunikation anzupassen. Ziel ist es, die Grenzen der Fahrassistenzsysteme klarer zu verdeutlichen. Bereits nach der Klage des DMV im Jahr 2023 hatte Tesla eine wichtige Änderung vorgenommen: Der Wortlaut wurde angepasst, um klarzustellen, dass das "Full Self-Driving"-Paket weiterhin die Überwachung durch einen menschlichen Fahrer erfordert.
"Tesla kann einfache Schritte unternehmen, um diese Entscheidung auszusetzen und das Problem dauerhaft zu lösen – Schritte, die autonome Fahrzeugunternehmen und andere Autohersteller bereits erfolgreich umgesetzt haben", erklärte Steve Gordon, Direktor des California Department of Motor Vehicles.
Tesla selbst bezeichnete die Entscheidung in einem Post auf Musks X-Dienst als übertriebene Regulierung. Das Unternehmen betonte, dass kein einziger Kunde Probleme gemeldet habe und die Verkäufe in Kalifornien ohne Unterbrechung weitergehen würden.
Hintergrund: Kritik und rechtliche Auseinandersetzungen
Kalifornien ist nicht die erste Instanz, die Tesla vorwirft, die Fähigkeiten seiner selbstfahrenden Technologie potenziell gefährlich zu übertreiben. Das Unternehmen hat stets darauf bestanden, dass die Informationen in den Bedienungsanleitungen und auf seiner Website deutlich machen, dass menschliche Überwachung notwendig ist. Dies steht im Gegensatz zu einem Video aus dem Jahr 2020, das ein Tesla-Fahrzeug angeblich autonom fährt und fast vier Jahre lang auf der Unternehmenswebsite zu sehen war.
Hintergrundinformationen
Das Video von 2020 wurde als Beweismittel gegen Tesla in der Entscheidung angeführt, die eine Aussetzung der Verkaufslizenz empfiehlt. Es zeigte ein Fahrzeug, das augenscheinlich ohne menschliches Eingreifen unterwegs war, während Tesla intern wusste, dass dies nicht den tatsächlichen Fähigkeiten entsprach.
Tesla wurde bereits in mehreren Klagen angegriffen, in denen behauptet wurde, die falschen Darstellungen über die Selbstfahrtechnologie hätten Fahrer in eine trügerische Sicherheit gewiegt, die zu tödlichen Unfällen führte. Obwohl das Unternehmen einige Fälle beigelegt oder gewonnen hat, wurde Tesla Anfang des Jahres von einer Jury in Miami teilweise für einen tödlichen Unfall in Florida verantwortlich gemacht, der sich ereignete, als der Autopilot aktiviert war. Das Gericht verurteilte den Autohersteller zur Zahlung von über 240 Millionen Dollar Schadensersatz.
Aktienentwicklung und Musks Zukunftsvisionen
Trotz des drohenden Verkaufsverbots in Kalifornien und eines globalen Nachfragerückgangs erreichte der Aktienkurs von Tesla am Mittwochmorgen einen Höchststand von 495,28 Dollar. Später fiel der Kurs zwar unter 470 Dollar, liegt aber immer noch über dem Niveau vor Elon Musks kurzer Tätigkeit in der Trump-Administration.
Der Rückgang der Autoverkäufe um 9% von 2024 bis in die ersten neun Monate dieses Jahres ist auf verschiedene Faktoren zurückzuführen, darunter verstärkte Konkurrenz und eine ältere Fahrzeugpalette. Tesla hat jedoch sein meistverkauftes Fahrzeug, das Model Y, überarbeitet und günstigere Versionen des Model Y und Model X vorgestellt.
Die beeindruckende Aktienperformance im Kontext sinkender Autoverkäufe spiegelt wider, dass Investoren zunehmend auf Musks Bemühungen setzen, Künstliche Intelligenz für humanoide Roboter und eine Flotte autonom fahrender Tesla-Robotaxis zu entwickeln. Musk verspricht seine Robotaxi-Vision seit Jahren. Anfang dieses Jahres begann das Unternehmen mit Tests in Austin, zunächst noch mit menschlicher Überwachung. Vor wenigen Tagen gab Musk bekannt, dass Tesla Tests seiner Robotaxis ohne Sicherheitsfahrer im Fahrzeug gestartet hat.
Zukunft der Mobilität
- Robotaxi-Tests: Erste unüberwachte Fahrten in Austin, Texas.
- KI-Entwicklung: Fokus auf humanoide Roboter und autonome Fahrsysteme.
- Investorenvertrauen: Trotz Herausforderungen starker Glaube an Musks KI-Visionen.




