Tesla, der führende Hersteller von Elektrofahrzeugen, hat eine Klage gegen das Verkehrsministerium von North Dakota eingereicht. Das Ministerium hatte Teslas Anträge zur Eröffnung von Autohäusern in Bismarck und Fargo abgelehnt. Der Konflikt dreht sich um ein staatliches Gesetz, das Fahrzeugherstellern den Direktvertrieb an Verbraucher untersagt. Dieser Rechtsstreit wirft ein Schlaglicht auf die anhaltenden Herausforderungen, denen sich Elektrofahrzeughersteller beim Markteintritt in den USA gegenübersehen.
Wichtige Punkte
- Tesla klagt gegen North Dakota wegen Verbot des Direktvertriebs.
- Das staatliche Gesetz verbietet Herstellern den direkten Verkauf an Kunden.
- Tesla argumentiert, dass sein Geschäftsmodell eine Ausnahme erfordert.
- Der Fall wird im Dezember vor Gericht verhandelt.
- Ähnliche Streitigkeiten gab es bereits in über 40 US-Bundesstaaten.
Der Kern des Rechtsstreits: Direktvertrieb vs. Händlermodell
Der Rechtsstreit zwischen Tesla und dem Verkehrsministerium von North Dakota begann, nachdem die Behörde Teslas Anträge zur Eröffnung von Autohäusern im Jahr 2024 ablehnte. Als Begründung wurde ein Gesetz des Bundesstaates angeführt, das Fahrzeugherstellern den direkten Verkauf von Neuwagen an Endkunden untersagt. Dieses Gesetz soll traditionelle Franchise-Händler und Verbraucher schützen.
Tesla argumentiert, dass sein Geschäftsmodell von diesen Bestimmungen ausgenommen sein sollte. Das Unternehmen verkauft seine Fahrzeuge weltweit direkt an Kunden und hat keine unabhängigen Franchise-Händler. Diese Herangehensweise ist ein grundlegender Bestandteil von Teslas Marktstrategie seit seiner Gründung.
Fakten zum Elektrofahrzeugmarkt in North Dakota
- North Dakota gehört zu den US-Bundesstaaten mit den niedrigsten Quoten an Elektrofahrzeugbesitz pro Kopf.
- Mögliche Gründe sind das kalte Klima, die mangelnde Ladeinfrastruktur und die starke Ölindustrie des Staates.
- Der aktuelle Rechtsstreit könnte die Verfügbarkeit von Elektrofahrzeugen im Staat beeinflussen.
Teslas Argumentation: Definition und Verfassungsrecht
In seiner Klage führt Tesla mehrere Argumente an. Das Unternehmen behauptet, es erfülle die Definition eines „Herstellers“ nach staatlichem Recht nicht vollständig. Das Gesetz definiert einen Hersteller als jemanden, der Fahrzeuge an Händler zum Weiterverkauf liefert. Da Tesla keine Drittanbieter-Händler hat, argumentiert das Unternehmen, falle es nicht unter diese Definition.
Selbst wenn Tesla als Hersteller eingestuft würde, so die Argumentation weiter, sollte dem Unternehmen eine Ausnahmeregelung gewährt werden. Eine solche Ausnahme erlaubt Herstellern den Betrieb eines Autohauses, wenn kein unabhängiger Händler verfügbar ist. Tesla betont, dass es in keinem Bundesstaat Franchise-Händler besitzt.
„Traditionelle Kraftfahrzeughersteller verkaufen ihre Fahrzeuge über unabhängige Franchise-Händler. Tesla hingegen verkauft seine Fahrzeuge direkt an Kunden in den gesamten Vereinigten Staaten. Infolgedessen hat Tesla in keinem Bundesstaat Franchise-Händler“, heißt es in den Gerichtsunterlagen des Unternehmens.
Hintergrund der Händlergesetze
Die meisten heutigen Händlergesetze entstanden ab den 1930er Jahren. Sie sollten die Macht großer Fahrzeughersteller gegenüber kleinen Händlern einschränken. Damals gab es dokumentierten Missbrauch, bei dem Hersteller Händler ausbeuteten. Diese Gesetze sollten einen Schutzmechanismus schaffen.
Die Gegenposition des Staates: Schutz des Franchise-Systems
Der stellvertretende Generalstaatsanwalt von North Dakota, Michael Pitcher, verteidigt die Position des Verkehrsministeriums. Er argumentiert, dass Teslas enge Auslegung der Herstellerdefinition den eigentlichen Zweck des Gesetzes untergräbt. Das Gesetz zielt darauf ab, ein Franchise-System für den Verkauf neuer Fahrzeuge zu etablieren und zu schützen.
Pitcher betont, dass das Franchise-System ein legitimer Schutz für Fahrzeughändler ist und keine verfassungsmäßigen Rechte verletzt. Die Gesetze von North Dakota sollen Händler nicht per se vor Wettbewerb schützen, sondern vor Ausbeutung durch Hersteller, die sie sonst unterbieten könnten. Seiner Ansicht nach fällt Tesla als Hersteller genau unter diese Bedenken.
Die bestehenden Ausnahmeregelungen des Staates passen laut Pitcher nicht zu Teslas Situation. Diese Ausnahmen sind für temporäre Fälle gedacht, in denen ein Hersteller einen bestehenden Händler übernehmen kann, um Marktstörungen zu vermeiden. Tesla hingegen strebt die Einrichtung eigener, dauerhafter Händler an.
Präzedenzfälle und die Zukunft des Fahrzeughandels
North Dakota ist nicht der erste Bundesstaat, in dem Tesla solche Gesetze anfechtet. Daniel Crane, Rechtsprofessor an der University of Michigan und Autor eines Buches über Teslas rechtliche Bemühungen, erklärt, dass Tesla in ähnlichen Fällen in anderen Bundesstaaten meist erfolgreich war. Heute betreibt Tesla in über 40 US-Bundesstaaten Geschäfte in verschiedenen Formen.
Crane weist darauf hin, dass das traditionelle Verkaufsmodell von Verbrennungsmotoren für Elektrofahrzeuge nicht gut funktioniert. Elektrofahrzeuge erfordern weniger Wartung und Service, was das Geschäftsmodell traditioneller Händler, die stark auf Serviceeinnahmen angewiesen sind, untergräbt. Dies reduziert den Anreiz für Händler, Elektrofahrzeuge von etablierten Marken zu verkaufen.
Der Professor ist ein Befürworter des Direktvertriebs. Er bestreitet das Argument, dass das Franchise-Modell den Verbrauchern durch lokalen Wettbewerb Vorteile bringt. Beim Direktvertrieb werden neue Tesla-Fahrzeuge zu einem festen Preis verkauft, was die Verhandlungen, die den Autokauf oft prägen, einschränkt.
Teslas rechtliche Erfolge
- Seit 2013 fordert Tesla staatliche Händlergesetze in den USA heraus.
- Das Unternehmen war in den meisten dieser Bemühungen erfolgreich.
- Tesla betreibt heute Geschäfte in mehr als 40 Bundesstaaten.
Ausblick auf die Gerichtsverhandlung im Dezember
Die mündlichen Verhandlungen in diesem Fall sind für Dezember angesetzt. Richterin Bonnie Storbakken wird die Argumente beider Seiten anhören. Der Ausgang des Verfahrens könnte weitreichende Auswirkungen auf den Direktvertrieb von Elektrofahrzeugen in North Dakota und möglicherweise darüber hinaus haben.
Unabhängig vom Ergebnis dieses spezifischen Falles wird die Frage, wie Elektrofahrzeuge verkauft werden, angesichts der wachsenden Nachfrage weiterhin ein Thema bleiben. Experten wie Daniel Crane erwarten, dass auch etablierte Fahrzeughersteller möglicherweise Gesetzesänderungen anstreben werden, um im Wettbewerb mithalten zu können.
Der Übergang zu Elektrofahrzeugen stellt nicht nur die Technologie, sondern auch die etablierten Vertriebsmodelle der Automobilindustrie auf die Probe. Die Entwicklung in North Dakota ist ein weiteres Beispiel für diesen tiefgreifenden Wandel.




