Die britische Regierung hat jüngste Behauptungen über eine angebliche „Kriegserklärung an Autofahrer“ entschieden zurückgewiesen. Diese Behauptungen entstanden nach der Veröffentlichung neuer Sicherheitsrichtlinien durch Active Travel England. Ein Sprecher des Verkehrsministeriums bezeichnete die Darstellungen in einigen Medien als „falsch“ und eine „Verzerrung der Leitlinien“, die Anfang des Monats veröffentlicht wurden.
Wichtigste Punkte
- Active Travel England identifiziert 16 kritische Sicherheitsmängel auf Straßen.
- Die Empfehlung betrifft Fahrbahnbreiten zwischen 3,25m und 3,9m, die Kollisionen begünstigen können.
- Es gibt keine rechtlich bindenden Standards für Fahrbahnbreiten, und dies bleibt so.
- Regierung betont, auf der Seite der Autofahrer zu stehen und in die Straßeninfrastruktur zu investieren.
Hintergrund der Kontroverse
Die aktuelle Debatte entzündete sich an einem spezifischen Punkt der neuen Leitlinien von Active Travel England. Diese Organisation hat insgesamt 16 häufige Designmerkmale auf englischen Straßen benannt, die mit einem erhöhten Kollisionsrisiko für Fußgänger, Rollstuhlfahrer und Radfahrer verbunden sind. Jedes dieser Probleme wird detailliert beschrieben, oft mit Illustrationen und Verweisen auf relevante Studien.
Besondere Aufmerksamkeit erregte der dritte Punkt, der sich mit den Fahrbahnbreiten befasst. Die Leitlinien weisen darauf hin, dass die Breite einer Fahrspur einen erheblichen Einfluss darauf haben kann, wie Autofahrer Radfahrer überholen und welches Kollisionsrisiko dabei entsteht.
Faktencheck Fahrbahnbreiten
- Schmaler als 3,25m: Autofahrern ist in der Regel klar, dass kein Platz zum sicheren Überholen ist.
- Zwischen 3,25m und 3,9m: Diese Breiten können dazu führen, dass Autofahrer versuchen zu überholen, obwohl nicht genug Platz ist, was das Risiko von Auffahr- oder Streifkollisionen erhöht.
- Breiter als 3,9m: Bieten in der Regel ausreichend Platz für sicheres Überholen.
Active Travel England empfiehlt, Fahrspuren zwischen 3,25m und 3,9m zu vermeiden, um dieses Problem zu lösen. Als mögliche Lösungen werden beispielsweise die Anpassung von Fahrspuren auf 3,25m und 4,05m oder das Entfernen der Mittellinie genannt. Oft entstehen diese problematischen Breiten durch die Einführung von Fußgängerinseln. In solchen Fällen könnten formellere Übergänge wie Zebrastreifen oder Puffin-Ampeln eine Lösung bieten, da sie keine Insel erfordern.
Regierungsstellungnahme und Medienberichte
Verschiedene Medien, darunter The Telegraph, Daily Mail, The Sun und Daily Express, interpretierten die Leitlinien als Plan, Straßen zu verschmälern, um Autofahrer am Überholen von Radfahrern zu hindern. Dies wurde als „Krieg gegen Autofahrer“ dargestellt.
„Die Behauptungen sind falsch und verzerren die Leitlinien von Active Travel England“, so ein Sprecher des Verkehrsministeriums. „Es gab niemals rechtlich bindende Standards für Fahrbahnbreiten – und das bleibt auch so.“
Das Verkehrsministerium stellte klar, dass die genannten Dimensionen von Fahrspuren zwischen 3,2m und 3,9m lediglich auf potenzielle Sicherheitsprobleme für Radfahrer und Autofahrer hinweisen, da hier oft nicht ausreichend Platz für ein sicheres Überholen besteht. Transportministerin Heidi Alexander wies die Behauptungen eines „Krieges gegen Autofahrer“ ebenfalls zurück.
Regierungsstrategie für Verkehr
Die Regierung betont, auf der Seite der Autofahrer zu stehen und sich auf sicherere und reibungslosere Fahrten sowie Kosteneinsparungen für Autofahrer zu konzentrieren. Im vergangenen Jahr wurden zusätzliche 500 Millionen Pfund investiert, um lokale Behörden bei der Instandhaltung ihrer Straßennetze zu unterstützen – genug, um sieben Millionen Schlaglöcher zu füllen. Zudem wurden 1 Milliarde Pfund für die Reparatur von Brücken, Überführungen und Tunneln bereitgestellt und über 30 Straßenprojekte genehmigt, um landesweite Fahrten zu verbessern.
Reaktionen von Fahrergruppen
Die Medienberichterstattung führte zu scharfer Kritik von Autofahrerorganisationen. Brian Gregory, Politikdirektor der Alliance of British Drivers, äußerte gegenüber der Daily Mail, dass „die ganze Idee nur darauf abzielt, das Autofahren unangenehm zu machen, anstatt zu versuchen, alle zur Kooperation und zum sicheren Miteinander auf den Straßen zu bewegen“.
„Es geht nur darum, Autofahrer zu bestrafen. Es ist völlig dumm“, so Gregory.
Edmund King, Präsident der AA, bezeichnete es als „unmöglich und unpraktisch, die Breiten aller unserer Straßen zu ändern, die sich seit römischer Zeit entwickelt haben“. Das Verkehrsministerium stellte jedoch klar, dass eine solche umfassende Änderung nicht auf der Agenda steht, was die von der Regierung beklagte „Verzerrung“ der Leitlinien unterstreicht. King fügte hinzu, dass britische Straßen immer ein gewisses Maß an Geben und Nehmen erfordern würden, das nicht einfach durch Vorschriften beseitigt werden könne.
Weitere Sicherheitsmängel
Die Leitlinien von Active Travel England beleuchten nicht nur Fahrbahnbreiten. Sie thematisieren auch andere „kritische Sicherheitsmängel“, die ein erhöhtes Kollisionsrisiko für Menschen darstellen, die zu Fuß, im Rollstuhl oder mit dem Fahrrad unterwegs sind. Dazu gehören bestimmte Kreisverkehrs- und Kreuzungsdesigns, aufgemalte Radwege in sogenannten „Dooring-Zonen“ (Bereiche, in denen sich Autotüren in den Radweg öffnen können) sowie schlecht gewartete Oberflächen, die Radfahrer gefährden.
Die Organisation definiert ein kritisches Sicherheitsproblem als eine Straßenanordnung oder einen Zustand, der mit einem erhöhten Kollisionsrisiko verbunden ist. Das „Route Check Tool“ von Active Travel England identifiziert diese 16 kritischen Sicherheitsprobleme. Die bereitgestellten Leitlinien dienen dazu, diese Risiken zu erkennen und zu beseitigen, um die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer zu verbessern.
- Kreisverkehrsdesign: Einige Designs können für Radfahrer und Fußgänger verwirrend und gefährlich sein.
- Kreuzungsdesigns: Unklare oder komplexe Kreuzungen erhöhen das Unfallrisiko.
- Radwege in Dooring-Zonen: Radwege, die zu nah an parkenden Autos verlaufen, bergen die Gefahr von Kollisionen mit sich öffnenden Türen.
- Schlecht gewartete Oberflächen: Schlaglöcher, Risse oder unebene Oberflächen gefährden besonders Radfahrer und Fußgänger.
Die Empfehlung, sich auf die Identifizierung und Beseitigung kritischer Probleme zu konzentrieren, wurde national im Local Transport Note 1/20 für den Radverkehr und regional durch Ansätze wie Londons „Healthy Streets Check“ und Greater Manchesters „Streets for All Check“ eingeführt.




