Tesla, einst der unangefochtene Marktführer für Elektrofahrzeuge, sieht sich einem wachsenden Wettbewerb gegenüber. Die Verkaufszahlen des Unternehmens gehen in wichtigen Märkten wie den USA, Europa und China zurück. Dieser Trend deutet darauf hin, dass die Konkurrenz im EV-Sektor deutlich zugenommen hat.
Wichtige Erkenntnisse
- Globale Tesla-Auslieferungen werden für dieses Jahr voraussichtlich um 7 % sinken.
- In Europa brachen die Tesla-Verkäufe im Oktober um 48,5 % im Jahresvergleich ein.
- In China fielen die Auslieferungen im Oktober um 35,8 % auf ein Dreijahrestief.
- Neue, günstigere Modelle und lokale Anpassungen der Konkurrenz setzen Tesla unter Druck.
- Tesla konzentriert sich verstärkt auf Robotaxis und humanoide Roboter.
Wachsender Wettbewerb und sinkende Auslieferungen
Nach Jahren des rasanten Wachstums erlebt Teslas Kerngeschäft, der Fahrzeughandel, nun einen Rückgang. Dies geschieht, während der breitere Markt für Elektrofahrzeuge weiterhin expandiert. Prognosen von Visible Alpha deuten auf einen Rückgang der globalen Auslieferungen um 7 % in diesem Jahr hin, nachdem sie bereits 2024 um 1 % gesunken waren.
Diese Entwicklung steht im krassen Gegensatz zu den früheren Versprechen von CEO Elon Musk. Ende letzten Jahres prognostizierte er ein Wachstum der Fahrzeugverkäufe von 20 % bis 30 % für 2025. Dieses Ziel ist jedoch aus den offiziellen Unternehmensprognosen verschwunden.
Faktencheck
Im dritten Quartal gab Tesla zwar Rekordauslieferungen bekannt. Diese Zahlen wurden jedoch durch US-Käufer beeinflusst, die ihre Bestellungen vor dem Auslaufen einer wichtigen staatlichen EV-Steuergutschrift am 30. September abschließen wollten.
Europa erlebt den stärksten Einbruch
Besonders deutlich zeigt sich der Rückgang in Europa. Laut der European Automobile Manufacturers' Association sanken die Tesla-Verkäufe dort im Oktober um 48,5 % im Jahresvergleich. Im bisherigen Jahresverlauf liegt das Volumen von Tesla in der Region um etwa 30 % unter dem Vorjahreswert, obwohl die EV-Verkäufe der gesamten Branche um 26 % gestiegen sind.
Dieser Einbruch folgt auf eine turbulente Zeit, die Ende letzten Jahres begann. Äußerungen von Elon Musk lösten Proteste und Boykotte in mehreren europäischen Märkten aus. Eine anschließende Phase der politischen Zurückhaltung von Musk führte bisher nicht zu einer kommerziellen Erholung.
"Europas EV-Showrooms ähneln heute kaum noch der Landschaft, die Tesla vor einem Jahrzehnt mitgestaltet hat."
Der europäische Markt bietet heute eine viel größere Auswahl. Mehr als ein Dutzend Elektromodelle sind für unter 30.000 US-Dollar erhältlich, und weitere günstige Optionen kommen hinzu. Chinesische Hersteller drängen zudem verstärkt mit Elektro-, Verbrennungs- und Hybridmodellen in die Region.
Analysten weisen darauf hin, dass Tesla in Europa im Wesentlichen nur mit zwei Massenmarktmodellen, der Model 3 Limousine und dem Model Y SUV, konkurriert. Erst kürzlich wurde eine abgespeckte, preisgünstigere Model Y Variante eingeführt, um die Nachfrage wieder anzukurbeln. Allein im Vereinigten Königreich sind über 150 EV-Modelle von etablierten und neuen Marken erhältlich, darunter eine schnell wachsende Gruppe chinesischer Hersteller.
Hintergrund: Marktsituation in Europa
Die Website Electrifying.com erwartet, dass im nächsten Jahr mindestens 50 neue Elektromodelle auf den Markt kommen werden. Keines davon wird ein Tesla-Logo tragen, was den zunehmenden Wettbewerb unterstreicht.
Herausforderungen im hart umkämpften China
Auch in China, dem Epizentrum des globalen EV-Wettbewerbs, verliert Tesla Marktanteile, obwohl das Unternehmen weiterhin ein wichtiger Akteur ist. Die Auslieferungen von Tesla in China fielen im Oktober um 35,8 % und erreichten damit ein Dreijahrestief. Für das Jahr bis Oktober sanken sie um 8,4 %.
Dieser Rückgang findet vor dem Hintergrund unermüdlicher Produktneueinführungen, Preissenkungen und Technologie-Upgrades durch heimische Hersteller statt. Diese haben ihre Fahrzeuge an lokale Vorlieben in Bezug auf Kabinendesign, Infotainment und Fahrerassistenzsysteme angepasst. Gleichzeitig senken sie schnell die Batteriekosten.
Das Tesla Model Y steht unter besonderem Druck von Neueinsteigern wie Xiaomi, dessen YU7 Crossover seit seiner Einführung im Juni als direkter Konkurrent aufgetreten ist. Der YU7 zielt auf dasselbe Segment der mittelgroßen SUVs und die gleiche Preisklasse ab. Etablierte chinesische Marken wie Chery feiern zudem mit aktualisierten EV-Portfolios Comebacks.
Preisanpassungen und strategische Neuausrichtung in den USA
Auch die Vereinigten Staaten zeigen Anzeichen einer Belastung. Schätzungen des Forschungsunternehmens Motor Intelligence zeigen, dass die US-Verkäufe von Tesla im September um 18 % anstiegen. Dies lag daran, dass Verbraucher ihre Käufe abschlossen, bevor die staatliche EV-Steuergutschrift von 7.500 US-Dollar Ende des Monats auslief. Auf diesen Anstieg folgte im Oktober ein Rückgang von 24 %.
Tesla reagierte auf die Verlangsamung der Verkäufe mit einer Reihe von Preisanpassungen, anstatt einer umfassenden Produktneuausrichtung. Das Unternehmen führte kürzlich günstigere Varianten des Model 3 und Model Y ein. Dabei wurden die Listenpreise in einigen Konfigurationen um etwa 5.000 US-Dollar gesenkt, um die Fahrzeuge wettbewerbsfähiger gegenüber neueren Rivalen zu machen und den Verlust der Steueranreize auszugleichen.
- Preisstrategie: Tesla senkt Preise für Model 3 und Model Y.
- Wettbewerbsdruck: Neue Modelle der Konkurrenz erfordern Anpassungen.
- Steueranreize: Wegfall von Subventionen beeinflusst Kaufentscheidungen.
Zukunftspläne: Fokus auf Robotaxis und KI
Mehrere Analysten argumentieren, dass Tesla ein völlig neues Fahrzeug benötigt – insbesondere zu einem niedrigeren Preis –, um die Verkaufszahlen wieder zu beleben und Marktanteile in Europa und China zu verteidigen. Bislang gibt es jedoch kaum konkrete Beweise dafür, dass ein neues Massenmarktmodell kurz vor der Produktion steht.
Stattdessen hat Musk wiederholt eine strategische Neuausrichtung auf autonome Robotaxis und humanoide Roboter betont. Er positioniert Software- und KI-gesteuerte Dienste als zukünftige Wachstumsmotoren des Unternehmens. Dieser Fokus wirft bei Investoren und Branchenbeobachtern Fragen auf, ob Tesla kurzfristige Produktzyklen zugunsten langfristiger Wetten auf vollständig autonomes Fahren und Robotik vernachlässigt.
Tesla hat auf Anfragen von Reuters bezüglich seiner aktuellen Verkaufsleistung, Wettbewerbsstrategie oder Produkt-Roadmap nicht geantwortet. Das Unternehmen, das einst die moderne EV-Kategorie definierte, navigiert nun in einem Markt, in dem die Rivalen günstiger, zahlreicher und schneller bei der Aktualisierung ihrer Produktpaletten sind. Teslas eigene zukünftige Wetten auf Autonomie und Robotik müssen sich derweil noch in erneuter Stärke auf dem Verkaufsboden niederschlagen.




