Ein Rivian R1T-Besitzer hat auf einer Langstreckenfahrt mit dem neuen elektrischen Wohnanhänger Pebble Flow eine deutliche Steigerung der Effizienz und Reichweite seines Elektro-Pickups festgestellt. Die innovative 'Tow Assist'-Funktion des Anhängers, die den Zugwiderstand aktiv reduziert, führte dazu, dass das Navigationssystem des Rivian den Anhänger leichter einstufte und die verbleibende Reichweite signifikant anstieg.
Wichtige Erkenntnisse
- Die 'Tow Assist'-Funktion des Pebble Flow Anhängers verbessert die Effizienz von Elektro-Zugfahrzeugen erheblich.
- Der Rivian R1T stufte den Anhänger mit aktiver Assistenz als 1.500 Pfund leichter ein.
- Die Reichweite auf einer kritischen Etappe erhöhte sich von 4% auf 26% Restladung.
- Der Pebble Flow verfügt über einen eigenen 45 kWh LFP-Akku und Elektromotoren.
- Das Konzept könnte die Zukunft des elektrischen Anhängerziehens neu gestalten.
Revolution beim elektrischen Anhängerziehen
Das Ziehen von Anhängern mit Elektrofahrzeugen stellt oft eine Herausforderung dar, da der Energieverbrauch stark ansteigt. Ein kürzlich veröffentlichter Bericht eines Rivian R1T-Besitzers zeigt jedoch, wie eine neue Technologie diese Dynamik verändern könnte. Der Besitzer, bekannt als JamuJoe im Rivian Forum, unternahm eine Fahrt von Fremont, Kalifornien, nach Durango, Colorado, mit einem der ersten Pebble Flow Elektro-Anhänger.
JamuJoe ist ein erfahrener Camper und hatte zuvor über 14.000 Meilen mit einem 28-Fuß Airstream-Wohnwagen zurückgelegt. Dabei erreichte sein Rivian R1T eine durchschnittliche Effizienz von etwa 1,1 Meilen pro Kilowattstunde (mi/kWh). Der Pebble Flow versprach eine neue Ära des elektrischen Anhängerziehens durch seine integrierte 'Tow Assist'-Funktion.
Fakten zum Pebble Flow
- Länge: fast 25 Fuß (ca. 7,5 Meter)
- Achsen: Einzelachser
- Batterie: 45 kWh LFP-Akku
- Antrieb: Zwei Elektromotoren für 'Tow Assist'
- Besonderheit: Keine Gasversorgung, alle Systeme elektrisch
Die innovative 'Tow Assist'-Funktion
Die zentrale Innovation des Pebble Flow ist die 'Tow Assist'-Funktion. Diese nutzt die Elektromotoren des Anhängers, um den Luftwiderstand und Rollwiderstand aktiv auszugleichen. Dadurch wird die Last, die das Zugfahrzeug wahrnimmt, deutlich reduziert. Die Steuerung erfolgt nahtlos über ein iPad mini, das auch die Manövrierfähigkeit des Anhängers auf dem Campingplatz oder in der Einfahrt ermöglicht.
JamuJoe bemerkte, dass der Rivian R1T, der ohnehin über reichlich Leistung verfügt, den Unterschied während der Fahrt nicht sofort dramatisch spürbar machte. Die wahren Vorteile zeigten sich jedoch in den Effizienzdaten und der Reichweitenprognose des Fahrzeugs.
„Die Rivian-Software berechnet das Anhängergewicht nach jeder Ankupplung und einigen Meilen Fahrt neu, auf die nächsten 500 Pfund gerundet. Ohne Tow Assist schätzte der Rivian das Gewicht des Anhängers auf 6.500 Pfund. Mit Tow Assist, während der Fahrt, berechnete der Rivian das Gewicht des Anhängers auf 5.000 Pfund neu.“
Messbare Effizienzsteigerung und Reichweitengewinn
Die Auswirkungen der 'Tow Assist'-Funktion waren auf einer 168 Meilen langen Strecke mit 65 mph (ca. 105 km/h) deutlich sichtbar. Der Rivian R1T erreichte eine Effizienz von 1,76 mi/kWh. Dies ist eine erhebliche Verbesserung gegenüber dem langjährigen Durchschnitt von 1,1 mi/kWh, den JamuJoe mit seinem Airstream-Wohnwagen erzielt hatte.
Noch beeindruckender war die Auswirkung auf die Reichweitenprognose des Rivian. Auf dem letzten Abschnitt der Heimreise von Gallup, New Mexico, prognostizierte das Navigationssystem des R1T zunächst eine Ankunft mit nur 4% Restladung. Dies wäre ein riskantes Unterfangen gewesen, da nur eine unsichere Schnellladestation auf der Strecke lag.
Hintergrund: Rivian R1T
Der Rivian R1T ist ein elektrischer Pickup-Truck, der für seine Kombination aus Geländetauglichkeit und moderner Technologie bekannt ist. Er verfügt über vier unabhängige Elektromotoren, die eine präzise Drehmomentverteilung ermöglichen. Seine relativ kompakte Größe verbessert die Manövrierfähigkeit im Vergleich zu traditionellen Full-Size-Pickups. Ein besonderes Merkmal ist der 'Gear Tunnel', ein durchgehender Stauraum zwischen Kabine und Ladefläche, der zusätzlichen geschlossenen Stauraum bietet.
Nach Aktivierung von 'Tow Assist' änderte sich die Prognose des Navigationssystems drastisch. Die geschätzte Ankunfts-Ladung stieg auf 26%. Nach 156 Meilen und 1.200 Fuß Höhenunterschied bei kalten 30°F (ca. -1°C) erreichte der Truck sein Ziel mit genau dieser Restladung. Dies zeigt, dass die Technologie nicht nur auf dem Papier, sondern auch unter realen Bedingungen einen entscheidenden Unterschied macht.
Technologie und zukünftige Perspektiven
Die Diskussion in Online-Foren drehte sich auch um die Frage, ob die Effizienzsteigerung lediglich eine Verschiebung des Energieverbrauchs auf die Anhängerbatterie darstellt. Es ist korrekt, dass der Pebble Flow seine eigene Batterie nutzt, um den Antrieb zu unterstützen. Er kann jedoch auch Energie bei Bergabfahrten rekuperieren. JamuJoe berichtete von bis zu 6,4 kW, die bei langen Gefällstrecken zurückgewonnen wurden.
Der entscheidende Punkt ist, dass das kombinierte System die Energie intelligenter verwaltet, als es ein passiver Anhänger je könnte. Dies ist ein wichtiger Schritt in Richtung einer effizienteren Elektromobilität beim Ziehen von Lasten.
- Ladeinfrastruktur: Der Pebble Flow nutzt einen CCS1-Anschluss, was den Zugang zu den meisten öffentlichen Schnellladenetzen ermöglicht.
- Aerodynamik: Der Anhänger ist aerodynamisch optimiert, ohne Klimaanlagen auf dem Dach und mit versenkten Solarpaneelen.
- Alltagstauglichkeit: Die Möglichkeit, den Anhänger mit eigener Kraft zu bewegen, vereinfacht das Rangieren erheblich.
Aus branchenweiter Sicht deutet diese Reise auf eine neue Entwicklung im Anhängerziehen hin. Statt die Batteriekapazität von Zugfahrzeugen immer weiter zu erhöhen, könnte die Verteilung von Energiespeicherung und Antrieb auf Zugfahrzeug und Anhänger die Gleichung verändern. Dies reduziert den Nachteil des Anhängerziehens, ohne extreme Lösungen zu erfordern. Für Freizeitfahrzeuge und potenziell auch für den gewerblichen Güterverkehr könnte diese Idee die Designprioritäten in den kommenden zehn Jahren neu gestalten.
Diese Erfahrungen zeigen, dass das elektrische Anhängerziehen über mehrere Bundesstaaten hinweg mit nutzbarer Reichweite und ohne Reichweitenangst keine Theorie mehr ist. Es geschieht bereits, leise, Besitzer für Besitzer, Meile für Meile. So beginnt oft der wahre Wandel in der Automobilwelt: nicht mit großen Ankündigungen, sondern damit, dass jemand einfach seinen Anhänger ankuppelt und nach Hause fährt.




