Der Elektrofahrzeughersteller Rivian intensiviert seine Bemühungen im Bereich des autonomen Fahrens. Das Unternehmen hat eine umfassende neue KI-Strategie vorgestellt und plant, ab 2026 LiDAR-Technologie in seine Fahrzeuge zu integrieren. Diese Entwicklung markiert einen entscheidenden Schritt in Rivians Bestreben, sich als Technologieführer in der hart umkämpften EV-Branche zu positionieren.
Wichtige Erkenntnisse
- Rivian führt eine neue KI-Strategie und den Gen 3 Autonomy Computer ein.
- LiDAR-Integration beginnt 2026, zunächst in den R2-Modellen.
- Ab März wird für die Funktion des freihändigen Fahrens eine Gebühr erhoben.
- Das Unternehmen meldet Umsatzwachstum, aber auch anhaltende Verluste.
- Rivian reagiert auf sinkende EV-Nachfrage mit Stellenstreichungen.
Rivians Strategie für autonomes Fahren
Rivian verfolgt das Ziel, mehr als nur ein Automobilhersteller zu sein. Das Unternehmen will sich als Technologieführer etablieren, insbesondere im Bereich des autonomen Fahrens. Kürzlich fand der „Autonomy & AI Day“ statt, bei dem Rivian seine aktualisierte KI-Strategie präsentierte.
Ein zentraler Bestandteil dieser Strategie ist der Gen 3 Autonomy Computer. Rivian beschreibt diese dritte Generation seiner Rechenplattform als eine führende Kombination aus Fahrzeugsensoren und Inferenzsystemen in Nordamerika. Der proprietäre Rivian Autonomy Processor, ein Multi-Chip-Modul, ermöglicht die Verarbeitung von fünf Milliarden Pixeln pro Sekunde.
Fakten zu Rivians Autonomie
- Gen 3 Autonomy Computer: Verarbeitet 5 Milliarden Pixel pro Sekunde.
- Rivian Autonomy Processor: Proprietärer Siliziumchip, einer der ersten Multi-Chip-Module im Automobilbereich.
- LiDAR-Integration: Startet 2026 mit zukünftigen R2-Modellen.
Die Rolle von LiDAR in Rivians Zukunft
Ein weiterer wichtiger Schritt ist die Integration der LiDAR-Technologie. Ab 2026 sollen zukünftige R2-Modelle von Rivian mit LiDAR ausgestattet werden. Diese Technologie nutzt Laserlicht, um Entfernungen zu messen und präzise 3D-Karten zu erstellen. Rivian betont, dass LiDAR detaillierte, dreidimensionale räumliche Daten und redundante Sensorik bietet, was die Sicherheit des Systems erhöht.
Diese Entscheidung unterscheidet Rivian von anderen Herstellern, die LiDAR als teuer und unnötig erachten. Rivian setzt jedoch auf die zusätzliche Sicherheitsebene, die LiDAR bieten kann. Die Einführung dieser Technologie wird es Rivian-Fahrzeugen ermöglichen, ab 2026 eine punkt-zu-punkt freihändige Navigation zu erreichen.
„Sie können am Telefon sein oder ein Buch lesen, ohne aktiv am Betrieb des Fahrzeugs beteiligt sein zu müssen“, äußerte sich CEO RJ Scaringe zu den zukünftigen Möglichkeiten des autonomen Fahrens.
Wirtschaftliche Herausforderungen und Anpassungen
Trotz der technologischen Fortschritte steht Rivian vor wirtschaftlichen Herausforderungen. Das Unternehmen musste sich an eine veränderte politische und wirtschaftliche Landschaft anpassen, insbesondere nach dem Ende der 7.500 US-Dollar hohen Steuergutschrift für Elektrofahrzeuge.
Im dritten Quartal verzeichnete Rivian einen Umsatzanstieg von 78 Prozent im Jahresvergleich auf 1,56 Milliarden US-Dollar. Dies übertraf die Analystenschätzungen von 1,5 Milliarden US-Dollar. Überraschenderweise meldete das Unternehmen einen Gewinn von 24 Millionen US-Dollar, nachdem es im Vorjahr noch einen Verlust ausgewiesen hatte. Im vorherigen Quartal lag der Verlust bei 1,1 Milliarden US-Dollar.
Hintergrund: Steuergutschrift für Elektrofahrzeuge
Die 7.500 US-Dollar Steuergutschrift der US-Regierung hat den Verkauf von Elektrofahrzeugen über Jahre hinweg angekurbelt. Ihr Auslaufen führte kurzfristig zu einem Anstieg der Verkäufe im ersten bis dritten Quartal, da die Verbraucher die Gutschrift noch vor dem Ablauf Ende September nutzen wollten. Langfristig wird jedoch mit einer sinkenden Nachfrage gerechnet, was Hersteller wie Rivian zu Anpassungen zwingt.
Reaktionen auf sinkende Nachfrage
Rivian hat seine Jahresprognose für den bereinigten EBITDA-Verlust von 2 Milliarden bis 2,25 Milliarden US-Dollar sowie die Kapitalausgaben von bis zu 1,9 Milliarden US-Dollar beibehalten. Die Lieferprognose für das Gesamtjahr wurde jedoch von 40.000 bis 46.000 Fahrzeugen auf 41.500 bis 43.500 Fahrzeuge eingegrenzt.
Als Reaktion auf die sinkende Nachfrage nach Elektrofahrzeugen und zur Kostensenkung kündigte Rivian Entlassungen an. Mehr als 600 Mitarbeiter, etwa 4 Prozent der Belegschaft von rund 15.000 Mitarbeitern Ende letzten Jahres, sind betroffen. Dies war die zweite Entlassungsrunde innerhalb weniger Monate, nachdem bereits im September 1,5 Prozent der Belegschaft abgebaut wurden.
Die Maßnahmen sollen das Unternehmen auf die Einführung des erschwinglicheren R2 SUV im Jahr 2026 vorbereiten.
Vergütungsplan für den CEO und zukünftige Dienste
Rivian orientiert sich bei der Vergütung seines CEOs RJ Scaringe an einem ähnlichen Modell wie Tesla für Elon Musk. Scaringes neuer Vergütungsplan, der sich über die nächsten zehn Jahre auf bis zu 4,6 Milliarden US-Dollar belaufen könnte, ist stark an Leistungsziele geknüpft. Dazu gehören ein Aktienkursziel von 140 US-Dollar sowie angepasste Betriebsertrags- und Cashflow-Ziele.
Um diese Ziele zu erreichen, muss Rivian nicht nur die Autoverkäufe steigern, sondern auch seine Technologieführerschaft ausbauen. Ein Beispiel hierfür ist die Monetarisierung neuer Funktionen: Ab März wird Rivian eine Gebühr für die freihändige Fahrfunktion erheben. Kunden können diese entweder im Monatsabonnement für 50 US-Dollar oder als einmalige Zahlung von 2.500 US-Dollar erwerben.
Rivian CEO Vergütung
- Vergütungsplan: Bis zu 4,6 Milliarden US-Dollar über 10 Jahre.
- Ziele: Aktienkurs von 140 US-Dollar, Betriebsertrags- und Cashflow-Ziele.
Langfristige Vision und Marktpositionierung
Trotz der aktuellen Herausforderungen bleibt Rivian optimistisch hinsichtlich der langfristigen Zukunft. CEO Scaringe betonte, dass die Automobilindustrie seiner Meinung nach vollständig elektrisch, autonom und softwaredefiniert sein wird. Rivians vertikal integrierte Technologien und das Direktvertriebsmodell sollen das Unternehmen positionieren, eine führende Marke mit einem starken Produktportfolio für die Märkte in den USA und Europa aufzubauen.
Die Partnerschaft mit Amazon, die darauf abzielt, bis 2030 100.000 Lieferwagen auf die Straße zu bringen, unterstreicht Rivians Ambitionen, auch im kommerziellen Sektor eine wichtige Rolle zu spielen.
- Langfristige Vision: Vollelektrische, autonome und softwaredefinierte Automobilindustrie.
- Strategie: Vertikal integrierte Technologien und Direktvertriebsmodell.
- Partnerschaft: Ziel sind 100.000 Amazon-Lieferwagen bis 2030.




