Die Nachfrage nach Lademöglichkeiten für Elektrofahrzeuge ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen, doch die Ladeinfrastruktur kann mit diesem Wachstum nicht mithalten. Trotz des Ausbaus um 190.000 neue Ladepunkte im Jahr 2025 übersteigt die Nutzung die Kapazität um 20 Prozent.
Diese Diskrepanz stellt eine wachsende Herausforderung für Elektroautofahrer dar und könnte die Akzeptanz von E-Fahrzeugen in Zukunft bremsen, wenn keine schnellen Lösungen gefunden werden.
Wichtige Erkenntnisse
- Die Nachfrage nach Ladediensten stieg 2025 um 34%.
- Die Installation neuer Ladepunkte hinkte der Nutzung um 20% hinterher.
- Plug-in-Hybride machen 16% der AC-Ladevorgänge aus.
- Fast 60% der Ladekilometer wurden in den letzten zwei Jahren ermöglicht.
Wachsende Diskrepanz zwischen Bedarf und Angebot
Im Jahr 2025 verzeichnete der Markt für Elektrofahrzeuge ein bemerkenswertes Wachstum. Die weltweiten EV-Verkäufe stiegen um 20%, in Europa sogar um 33%. Selbst in den USA, wo die Stimmung gegenüber Elektrofahrzeugen teilweise kritischer ist, war 2025 das zweitbeste Verkaufsjahr für E-Autos überhaupt.
Parallel dazu meldete ein großer Anbieter von Ladeinfrastruktur, dass die Nachfrage nach seinen Ladediensten um beeindruckende 34% gestiegen ist. Dies zeigt, wie viele neue Elektrofahrzeuge auf die Straßen gekommen sind und wie intensiv sie genutzt werden.
Faktencheck
- 190.000 neue Ladepunkte wurden 2025 installiert.
- Die Nutzung überstieg das Wachstum der Infrastruktur um 20%.
- In den letzten zwei Jahren wurden fast 60% der gesamten Ladekilometer ermöglicht.
Trotz dieser positiven Entwicklung beim Fahrzeugabsatz und dem Ausbau der Ladeinfrastruktur entsteht ein Problem: Die Anzahl der installierten Ladepunkte hält nicht mit der steigenden Nachfrage Schritt. Obwohl 190.000 neue Ladestationen, sowohl AC- als auch DC-Schnellladepunkte, in Betrieb genommen wurden, übertraf die Auslastung der bestehenden Infrastruktur das Wachstum der Ladepunkte um 20 Prozent.
Herausforderungen für Elektroautofahrer
Diese Entwicklung führt zu spürbaren Engpässen. Immer mehr Elektroautofahrer berichten von längeren Wartezeiten an öffentlichen Ladestationen oder finden diese bereits besetzt vor. Für Fahrer, die keine Möglichkeit zum Laden zu Hause haben, kann dies schnell von einer kleinen Unannehmlichkeit zu einem ernsten Problem werden.
Die Planbarkeit von Fahrten wird schwieriger, und spontane Lademöglichkeiten, beispielsweise während des Einkaufs, sind seltener geworden. Dies beeinträchtigt das Fahrerlebnis und könnte potenzielle Käufer abschrecken, die noch zögern, auf ein Elektrofahrzeug umzusteigen.
„Die zunehmende Auslastung der Ladestationen ist ein Zeichen für den Erfolg der Elektromobilität, aber auch eine Warnung. Wir müssen den Ausbau der Infrastruktur massiv beschleunigen, um mit dem Wachstum der Fahrzeugflotte Schritt zu halten.“
Die Rolle von Plug-in-Hybriden
Eine interessante Beobachtung ist der Anteil von Plug-in-Hybridfahrzeugen (PHEVs) an den Ladevorgängen. Etwa 16% aller AC-Ladevorgänge in dem untersuchten Netzwerk werden von PHEVs durchgeführt. Diese Fahrzeuge nutzen die öffentliche Infrastruktur, tragen aber gleichzeitig zum Gesamtbedarf bei. Dies verdeutlicht, dass nicht nur reine Elektroautos, sondern auch Hybridmodelle einen signifikanten Anteil am Ladebedarf haben.
Hintergrundinformationen
Ein großer Ladeinfrastruktur-Anbieter hat über die letzten 18 Jahre hinweg Daten gesammelt. Fast 60% der gesamten Fahrkilometer, die durch seine Ladeinfrastruktur ermöglicht wurden, sind in den letzten zwei Jahren entstanden. Dies unterstreicht die explosionsartige Zunahme der Elektromobilität in jüngster Zeit.
Ausblick auf 2026 und mögliche Lösungen
Experten erwarten, dass sich diese Diskrepanz im Jahr 2026 weiter verschärfen wird, es sei denn, die Installationsrate von Ladestationen steigt deutlich an. Die Branche steht vor der Aufgabe, den Ausbau der Infrastruktur nicht nur fortzusetzen, sondern zu beschleunigen.
Eine mögliche Entwicklung könnte eine Verlangsamung der EV-Verkäufe in einigen Regionen sein, wie sie für die USA prognostiziert wird. Dies könnte den Anbietern von Ladeinfrastruktur etwas Zeit verschaffen, um neue Ladestationen zu bauen und so die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage zu verringern. Allerdings ist dies keine langfristige Lösung für ein globales Problem.
Notwendige Maßnahmen
- Beschleunigter Ausbau: Regierungen und private Unternehmen müssen den Bau neuer Ladestationen massiv vorantreiben.
- Intelligentere Netze: Die Entwicklung intelligenter Ladesysteme, die die Auslastung optimieren und Wartezeiten minimieren, ist entscheidend.
- Bessere Planung: Eine vorausschauende Planung der Infrastruktur, die das prognostizierte Wachstum der Elektrofahrzeugflotte berücksichtigt, ist unerlässlich.
- Förderung des Heimladens: Anreize für das Laden zu Hause können den Druck auf die öffentliche Infrastruktur mindern.
Die Zukunft der Elektromobilität hängt maßgeblich davon ab, ob die Ladeinfrastruktur mit dem rasanten Wachstum Schritt halten kann. Nur so lässt sich das Vertrauen der Verbraucher weiter stärken und der Übergang zu emissionsfreier Mobilität erfolgreich gestalten.




