Der globale Markt für Elektrofahrzeuge (EVs) steht vor erheblichen Herausforderungen. Trotz der Aussicht auf sinkende Preise und eine steigende Verfügbarkeit gebrauchter Modelle, prägen politische Unsicherheiten und eine angespannte Marktlage die Branche. Experten beobachten eine zunehmende Nervosität bei Herstellern und Verbrauchern gleichermaßen.
Wichtige Erkenntnisse
- Über 243.000 EV-Leasingverträge laufen 2026 in den USA aus, potenziell bis zu 330.000.
- Dies führt zu einem Überschuss an gebrauchten EVs und einem erwarteten Preisverfall.
- Der Wegfall von Steuergutschriften in den USA schwächt die Nachfrage nach neuen EVs.
- Automobilhersteller wie Ford und GM reduzieren ihre EV-Produktionspläne.
- Handelstarife zwischen den USA und China belasten die globalen EV-Märkte.
Gebrauchtwagenmarkt vor einer EV-Lawine
Der US-amerikanische Markt für gebrauchte Elektrofahrzeuge steht vor einer massiven Veränderung. Im Jahr 2026 werden voraussichtlich mindestens 243.000 EV-Leasingverträge auslaufen. Eine Studie von J.D. Power prognostiziert sogar einen Anstieg auf bis zu 330.000 Rückläufer. Dies entspricht einer Verdreifachung im Vergleich zu den Zahlen von 2025.
Dieser Zustrom von Fahrzeugen wird das Angebot auf dem Gebrauchtwagenmarkt erheblich erhöhen. Die Folge: Die Preise für gebrauchte Elektroautos könnten stark fallen. Einige Beobachter sprechen bereits von einer „EV-Lawine“, die den Markt überrollen wird. Diese Entwicklung könnte Elektrofahrzeuge für eine breitere Käuferschicht attraktiver machen.
Faktencheck: Leasingrückläufer
- 2025: Geplante Rückläufer ca. 110.000
- 2026: Prognostizierte Rückläufer bis zu 330.000
- Dies ist ein Anstieg von über 200% innerhalb eines Jahres.
Politische Kehrtwende und ihre Folgen
Gleichzeitig erleben die Elektrofahrzeugmärkte in den Vereinigten Staaten einen politischen Kurswechsel. Die Regierung von Donald Trump hat die Fördermaßnahmen für die Branche deutlich zurückgefahren. Die 7.500 US-Dollar umfassende Bundessubvention für Elektrofahrzeuge ist am 30. September dieses Jahres ausgelaufen. Dieser Schritt hat unmittelbare Auswirkungen auf die Kaufbereitschaft der Verbraucher.
Ohne diese Anreize könnten viele potenzielle Käufer zögern. Der Auto Blog kommentierte, dass Fahrer möglicherweise die Elektrifizierung aufgeben und sich stattdessen für Hybridantriebe entscheiden könnten. Dies deutet auf eine nachlassende Dynamik in einem Sektor hin, der noch vor Kurzem stark wuchs.
„Mit dem Auslaufen der EV-Steuergutschriften und der anhaltenden Priorisierung von Hybridantrieben durch die Automobilhersteller könnten sich Fahrer gegen die Elektrifizierung entscheiden.“
Reduzierung der Produktion bei Herstellern
Die Auswirkungen dieser politischen und marktbezogenen Veränderungen sind bereits spürbar. Elektrofahrzeuge machen derzeit nur sechs Prozent der Neuwagenverkäufe aus. Im September, kurz vor dem Ende der Steuergutschriften, lag dieser Anteil noch bei 12,9 Prozent. Dieser Rückgang veranlasst Automobilhersteller wie Ford, Kia und General Motors, ihre Produktionspläne für den US-Markt zu überdenken und teilweise zu kürzen.
Hintergrund: Herstellerstrategien
Viele große Automobilkonzerne hatten in den letzten Jahren massiv in die Entwicklung und Produktion von Elektrofahrzeugen investiert, um den Übergang zur Elektromobilität zu beschleunigen. Aktuelle Marktveränderungen zwingen sie nun, ihre Strategien anzupassen und Investitionen zu überprüfen.
Elaine Buckberg, Senior Fellow am Salata Institute for Climate and Sustainability der Harvard University und ehemalige Chefökonomin bei General Motors, äußerte sich besorgt. Sie erklärte, dass Hersteller neue Modelle verzögern oder sogar ganz zurückziehen. Sie bewegen sich nicht mehr so ambitioniert in den Markt, wie es noch vor sechs Monaten geplant war.
Handelskriege belasten globale EV-Märkte
Neben den internen Herausforderungen in den USA belasten auch internationale Handelstarife die globale EV-Branche. Die Vereinigten Staaten haben einen 100-prozentigen Zoll auf chinesische Elektrofahrzeuge erhoben. Dies trifft chinesische Hersteller hart und hat weitreichende Auswirkungen auf die globalen Lieferketten und Marktpreise.
China reagiert auf diese Zölle. Peking übt Druck auf westliche Mächte aus, indem es landwirtschaftliche Sanktionen gegen Bauern in Kanada, Europa und den Vereinigten Staaten verhängt. Berichte zeigen, dass China bereit ist, diese Agrarzölle erst dann aufzuheben, wenn die westlichen Regierungen ihre EV-Zölle zurücknehmen.
- US-Zölle auf chinesische EVs: 100%
- Chinas Reaktion: Agrarsanktionen gegen USA, EU, Kanada
Die Xiaomi Corporation, ein chinesischer Hersteller von Elektrofahrzeugen und Smartphones, hat in den letzten Monaten einen erheblichen Kursrückgang erlebt. Das Unternehmen, das einst als Marktliebling galt, ist zu einer der am schlechtesten performenden Tech-Aktien des Landes geworden.
Lichtblicke und zukünftige Prognosen
Trotz der extremen Volatilität und der „düsteren“ Aussichten in den USA gibt es weltweit immer noch Hoffnung für die Zukunft der Elektrofahrzeuge. In vielen anderen Regionen der Welt bleiben die EV-Verkäufe stark und werden voraussichtlich weiter zunehmen, da die Preise für Elektrofahrzeuge sinken.
Brutale Preiskämpfe innerhalb des chinesischen Marktes sorgen dafür, dass die Preise in Märkten ohne Zölle niedrig bleiben. Dies könnte die globale Akzeptanz von Elektrofahrzeugen weiter vorantreiben. Der Global EV Outlook 2025 der Internationalen Energieagentur (IEA) prognostiziert, dass der Anteil von Elektroautos am gesamten Neuwagenabsatz bis 2030 unter den heutigen politischen Rahmenbedingungen 40% überschreiten wird.
Diese Prognose zeigt, dass der langfristige Trend zur Elektromobilität intakt bleibt. Auch wenn der Weg dorthin von kurzfristigen Turbulenzen geprägt sein mag, deutet vieles darauf hin, dass Elektrofahrzeuge eine zentrale Rolle in der zukünftigen Mobilität spielen werden.




