Ford passt seine Elektrofahrzeugstrategie grundlegend an. Das Unternehmen zieht sich von mehreren geplanten vollelektrischen Modellen zurück. Stattdessen konzentriert sich Ford nun stärker auf Hybridantriebe, Fahrzeuge mit Reichweitenverlängerung und den Ausbau des Batteriegeschäfts für Energiespeichersysteme.
Wichtige Erkenntnisse
- Ford stellt Produktion des F-150 Lightning EV und geplanter E-Lieferwagen ein.
- Strategische Neuausrichtung auf Hybride und Elektro-Trucks mit Reichweitenverlängerer.
- Investitionen in Batterie-Energiespeichersysteme für Stromnetze und Rechenzentren.
- Neues kommerzielles Lieferwagenmodell mit Benzin- und Hybridantrieb ab 2029.
- Erwartung: 50% des globalen Volumens bis 2030 durch Hybride und Range-Extender.
Ford zieht sich von bestimmten Elektrofahrzeugen zurück
Ford hat angekündigt, die Produktion des rein elektrischen F-150 Lightning EV einzustellen. Auch die Pläne für einen elektrischen Nutzfahrzeugtransporter in Europa und Nordamerika wurden gestrichen. Diese Entscheidung ist eine Reaktion auf die geringere Nachfrage, hohe Kosten und regulatorische Änderungen im EV-Markt.
Das Unternehmen sieht den geschäftlichen Nutzen für diese größeren Elektrofahrzeuge als nicht mehr gegeben an. Diese strategische Kurskorrektur hat finanzielle Auswirkungen. Ford erwartet, in seinen Finanzergebnissen Sonderposten von rund 19,5 Milliarden US-Dollar ausweisen zu müssen.
Faktencheck: Fords EV-Umschwung
- F-150 Lightning EV: Produktion eingestellt.
- Geplante E-Lieferwagen: Projekte für Europa und Nordamerika gestrichen.
- Kosten: Erwartete Sonderposten von ca. 19,5 Milliarden US-Dollar.
Fokus auf Hybride und Reichweitenverlängerung
Anstelle reiner Elektrofahrzeuge setzt Ford nun auf eine breitere Antriebspalette. Das Unternehmen will mehr Hybridmodelle und Elektrofahrzeuge mit Reichweitenverlängerung anbieten. Dies soll den Kunden mehr Auswahl bieten und der veränderten Marktnachfrage gerecht werden.
Der F-150 Lightning soll in einer zukünftigen Generation als Pick-up mit Reichweitenverlängerung zurückkehren. Ähnliche elektrifizierte Versionen sind auch für größere SUVs wie den Expedition und Navigator denkbar. Ford erwartet, dass bis 2030 etwa 50% des globalen Absatzvolumens aus Hybrid- und Reichweitenverlängerer-Fahrzeugen bestehen wird, gegenüber 17% im aktuellen Jahr.
„Dies ist eine kundenorientierte Verlagerung, um ein stärkeres, widerstandsfähigeres und profitableres Ford zu schaffen“, sagte Jim Farley, CEO von Ford. „Die operative Realität hat sich geändert, und wir setzen Kapital in wachstumsstärkere Chancen um: Ford Pro, unsere marktführenden Trucks und Vans, Hybride und margenstarke Möglichkeiten wie unser neues Batterie-Energiespeichergeschäft.“
Neue kommerzielle Lieferwagen und Kleinwagen
Für den nordamerikanischen Markt wird Ford ab 2029 einen neuen, erschwinglichen Nutzfahrzeugtransporter im Werk Avon Lake, Ohio, bauen. Dieses Modell wird sowohl Benzin- als auch Hybridmotoren anbieten. Dies ersetzt die ursprünglich geplanten elektrischen Transporter.
Trotz der Abkehr von größeren Elektrofahrzeugen bleibt Ford kleinen, erschwinglichen Elektrofahrzeugen auf Basis der Universal EV Platform verpflichtet. Das erste Modell dieser Art soll 2027 auf den Markt kommen und etwa 30.000 US-Dollar kosten.
Hintergrund: Fords EV-Strategie
Ford hatte ursprünglich stark auf eine reine Elektro-Zukunft gesetzt. Die Realität des Marktes, mit langsamerer Akzeptanz von E-Fahrzeugen, hohen Produktionskosten und der Notwendigkeit einer umfangreichen Ladeinfrastruktur, hat jedoch zu einer Neubewertung geführt. Der Fokus auf Hybride und Range-Extender ermöglicht es dem Unternehmen, flexibler auf Kundenbedürfnisse zu reagieren und gleichzeitig die Emissionsziele zu verfolgen.
Umbenennung von Werken und neue Produktionspläne
Die strategische Neuausrichtung führt auch zu Änderungen in der Produktionslandschaft. Das Tennessee Electric Vehicle Center wird in Tennessee Truck Plant umbenannt. Ab 2029 sollen dort neue, erschwingliche benzinbetriebene Trucks gebaut werden.
Ursprünglich war dieses Werk für die Produktion der nächsten Generation des F-150 Lightning vorgesehen. Diese Änderung unterstreicht Fords verstärkten Fokus auf traditionelle und hybridisierte Nutzfahrzeuge.
Einstieg in das Batterie-Energiespeichergeschäft
Neben der Fahrzeugproduktion steigt Ford in das Geschäft mit Batterie-Energiespeichersystemen ein. Das Unternehmen plant, Verkaufs- und Serviceleistungen für Stromnetze und Rechenzentren anzubieten. Dies ist teilweise eine Reaktion auf überschüssige Batterieproduktionskapazitäten, die durch die Reduzierung der EV-Produktion frei werden.
Das Werk in Glendale, Kentucky, wird umfunktioniert, um fortschrittliche 5 MWh+ Batterie-Energiespeichersysteme herzustellen. Dort sollen LFP-Prismenzellen, Batteriespeichersystem-Module und 20-Fuß-DC-Containersysteme gefertigt werden. Auch der BlueOval Battery Park in Marshall, Michigan, wird Lösungen für die Energiespeicherung im Wohnbereich herstellen, zusammen mit LFP-Prismenzellen für die Universal EV Platform.
- Glendale, Kentucky: Produktion von 5 MWh+ Batterie-Energiespeichersystemen.
- Marshall, Michigan: Herstellung von Energiespeicherlösungen für den Wohnbereich.
Diese Initiative zeigt Fords Bestreben, seine technologischen Kapazitäten breiter zu nutzen und neue Einnahmequellen außerhalb des reinen Fahrzeugbaus zu erschließen.




