Fahrer von Elektro- und Hybridfahrzeugen müssen sich auf eine neue, nutzungsabhängige Straßensteuer einstellen. Die britische Regierung hat angekündigt, ab April 2028 eine Gebühr pro gefahrenem Kilometer einzuführen. Dieser Schritt soll die sinkenden Einnahmen aus der Kraftstoffsteuer ausgleichen, da immer mehr Menschen auf emissionsfreie Fahrzeuge umsteigen.
Für reine Elektroautos wird eine Gebühr von 3 Pence pro Meile (ca. 1,86 Pence pro Kilometer) fällig, während Fahrer von Plug-in-Hybriden 1,5 Pence pro Meile (ca. 0,93 Pence pro Kilometer) zahlen müssen. Die Regierung betont, dass diese Sätze etwa halb so hoch sind wie die aktuelle Kraftstoffsteuer für Benzin- und Dieselfahrzeuge.
Die wichtigsten Punkte
- Einführungstermin: Die neue Steuer tritt im April 2028 in Kraft.
- Steuersätze: 3 Pence pro Meile für Elektroautos, 1,5 Pence pro Meile für Plug-in-Hybride.
- Erfassung: Die Kilometerstände werden jährlich, in der Regel bei der Hauptuntersuchung (MOT), erfasst.
- Erwartete Einnahmen: Die Regierung rechnet im ersten Jahr mit Einnahmen von 1,1 Milliarden Pfund.
Wie die neue Steuer funktionieren wird
Die Umsetzung der Kilometer-Steuer soll in das bestehende System der Kraftfahrzeugsteuer (Vehicle Excise Duty) integriert werden, das von der Driver and Vehicle Licensing Agency (DVLA) verwaltet wird. Für die meisten Fahrzeughalter wird die jährliche Erfassung des Kilometerstandes unkompliziert sein.
Die Ablesung erfolgt bei der jährlichen technischen Überprüfung des Fahrzeugs, in Großbritannien als MOT bekannt. Bei neueren Fahrzeugen, die in den ersten Jahren von der MOT befreit sind, soll der Kilometerstand um den ersten und zweiten Jahrestag der Zulassung herum erfasst werden.
Herausforderung Tachomanipulation
Die Regierung räumt ein, dass die neue Steuer einen Anreiz zur Manipulation von Kilometerzählern, dem sogenannten „Clocking“, schaffen könnte. Man sei sich dieses Risikos bewusst und prüfe derzeit Maßnahmen, um diesem Betrug entgegenzuwirken. Wie genau diese Schutzmechanismen aussehen werden, ist Teil einer laufenden Konsultation.
Geltungsbereich der Steuer
Die Gebühr gilt für alle in Großbritannien zugelassenen Elektro- und Hybridfahrzeuge, unabhängig davon, wo auf der Welt sie gefahren werden. Im Ausland zugelassene E-Fahrzeuge, die in Großbritannien unterwegs sind, bleiben von der Regelung ausgenommen.
Finanzielle Auswirkungen für Fahrer und Staat
Die Regierung hat ein Rechenbeispiel veröffentlicht, um die Kosten für die Fahrer zu veranschaulichen. Ein E-Autofahrer mit einer jährlichen Fahrleistung von 8.500 Meilen (ca. 13.680 km) müsste im Finanzjahr 2028/29 mit zusätzlichen Kosten von rund 255 Pfund rechnen. Dies entspricht etwa der Hälfte dessen, was Fahrer von Verbrennerfahrzeugen pro Meile an Kraftstoffsteuer zahlen.
Gleichzeitig wurde die seit langem bestehende Senkung der Kraftstoffsteuer um 5 Pence pro Liter bis September 2025 verlängert. Danach soll sie jedoch schrittweise wieder angehoben werden.
Staatliche Einnahmen
Das Office for Budget Responsibility (OBR), der unabhängige Prognostiker der Regierung, schätzt die Einnahmen aus der neuen Steuer auf 1,1 Milliarden Pfund im ersten Jahr (2028-29). Bis zum Finanzjahr 2030-31 sollen die Einnahmen auf 1,9 Milliarden Pfund ansteigen. Die tatsächliche Höhe hängt jedoch stark von der zukünftigen Verbreitung von Elektroautos ab.
Kritik aus der Industrie und von Verbrauchern
Die Ankündigung hat in der Automobilbranche und bei E-Auto-Besitzern für erhebliche Unruhe gesorgt. Viele sehen darin ein falsches Signal zu einem kritischen Zeitpunkt der Mobilitätswende. Sowohl der Autohersteller Ford als auch der Branchenverband SMMT (Society of Motor Manufacturers and Traders) bezeichneten die Steuer als „die falsche Maßnahme zur falschen Zeit“.
„Die Regierung sendet eine verwirrende Botschaft aus, während sie versucht, Autofahrer zum Umstieg auf Elektrofahrzeuge zu bewegen“, erklärte ein Sprecher von Ford. Der SMMT warnte, dass die Gebühr die Nachfrage untergraben werde.
Auch Fahrer fühlen sich bestraft. Stephen Walton, der 2023 ein E-Auto für seine Frau kaufte, um „das Richtige für die Umwelt zu tun“, sagte, die neue Steuer sei „buchstäblich der letzte Strohhalm“. Er fühle sich dafür bestraft, eine teurere, umweltfreundliche Entscheidung getroffen zu haben.
Auswirkungen auf die Elektromobilitäts-Ziele
Die neue Steuer könnte die ehrgeizigen Ziele der Regierung zur Förderung der Elektromobilität gefährden. Ab 2030 ist der Verkauf neuer Benzin- und Dieselfahrzeuge in Großbritannien verboten. Experten befürchten, dass die zusätzlichen Betriebskosten die Attraktivität von E-Autos mindern.
Das OBR prognostiziert, dass die Kilometer-Steuer die Lebenszeitkosten von E-Autos erhöht und dadurch die Nachfrage senken wird. Konkret rechnet die Behörde mit rund 440.000 weniger verkauften Elektroautos als Folge der Steuer. Andere staatliche Fördermaßnahmen könnten diesen Effekt zwar teilweise abmildern, es wird aber dennoch ein negativer Einfluss erwartet.
Edmund King, Präsident des Automobilclubs AA, fasste die Situation zusammen:
„Der Haushalt stellt die Fahrer an eine Weggabelung. Die Fahrer verstehen vollkommen, dass die Regierung die richtige Balance zwischen der Finanzierung von Straßeninvestitionen und der Sicherstellung finden muss, dass die Umstellung auf Elektroautos nicht verlangsamt wird.“
Organisationen wie die Renewable Energy Association fordern einen faireren Ansatz. Ihrer Meinung nach sollten alle Fahrzeugtypen besteuert werden, wobei die Umweltbelastung eine Rolle spielen sollte – nach dem Prinzip „der Verursacher zahlt“.




