Die Verkaufszahlen für Elektrofahrzeuge werden im Jahr 2026 das langsamste Wachstum seit der globalen Pandemie verzeichnen. Neue Herausforderungen beeinflussen den Übergang weg vom Verbrennungsmotor. Experten prognostizieren eine deutliche Abschwächung der Dynamik, die in den letzten Jahren den Markt prägte.
Wichtige Erkenntnisse
- Das weltweite Wachstum der Elektrofahrzeugverkäufe soll 2026 auf 13 Prozent sinken.
- China, Europa und die USA erleben eine Verlangsamung oder sogar einen Rückgang der Verkaufszahlen.
- Hybride und Plug-in-Hybride gewinnen an Beliebtheit aufgrund unzureichender Ladeinfrastruktur.
- Politische Änderungen in den USA und Europa beeinflussen die Marktentwicklung.
- Chinesische Hersteller wie BYD drängen mit günstigeren Modellen auf den Markt.
Globale Verlangsamung im EV-Markt
Die Euphorie um Elektrofahrzeuge (EVs) kühlt ab. Nach Jahren explosiven Wachstums, insbesondere angeführt von China, steht der EV-Sektor vor einer Phase moderaterer Expansion. Forscher des Unternehmens Benchmark Mineral Intelligence prognostizieren für 2026 einen Anstieg der EV-Verkäufe um 13 Prozent auf 24 Millionen Einheiten. Dies ist ein deutlicher Rückgang gegenüber den geschätzten 22 Prozent Wachstum im Vorjahr.
Diese Entwicklung ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Eine nachlassende Nachfrage in China, ein schwächeres Wachstum in Europa und sogar ein Rückgang im US-Markt tragen zu dieser Verlangsamung bei. Die Branche muss sich an neue Realitäten anpassen.
Faktencheck
- 2026 wird das Wachstum der EV-Verkäufe voraussichtlich 13 Prozent erreichen.
- Im Vergleich dazu lag das geschätzte Wachstum im Vorjahr bei 22 Prozent.
- Der US-Markt könnte 2026 einen Rückgang von 29 Prozent erleben.
Regionale Unterschiede und politische Einflüsse
USA: Steueranreize und Modellwechsel
In den Vereinigten Staaten wird ein deutlicher Rückgang erwartet. Benchmark Mineral Intelligence prognostiziert, dass die Verkaufszahlen in den USA in diesem Jahr um 29 Prozent auf 1,1 Millionen Fahrzeuge fallen könnten, nachdem sie 2025 einen Rekordwert von 1,5 Millionen erreicht hatten. Dies ist teilweise auf die Streichung von Steueranreizen für Elektrofahrzeuge durch die Trump-Regierung zurückzuführen.
Ford-CEO Jim Farley äußerte sich kritisch zur aktuellen Marktentwicklung. Er stellte fest, dass die vollständige Elektrifizierung nicht immer die attraktivste Option für Verbraucher ist. Farley sagte:
"Beide Märkte (in den USA und Europa) lernen, dass eine teilweise Elektrifizierung genauso interessant ist wie eine vollständige Elektrifizierung."
Ford selbst hat im vergangenen Monat eine Belastung von 19,5 Milliarden US-Dollar verbucht. Das Unternehmen hat mehrere EV-Modelle, darunter den vollelektrischen F-150 Pick-up, eingestellt, um sich auf profitablere Hybrid- und Verbrennungsmotormodelle zu konzentrieren. Farley schätzt, dass der Anteil von EVs am Neuwagenmarkt in den USA kurzfristig von etwa 10 Prozent im letzten Jahr auf 5 Prozent fallen könnte.
Europa: Regulierung und Infrastruktur
Auch in Europa verlangsamt sich das Wachstum. Hier sollen die Verkaufszahlen nach einem geschätzten Anstieg von 33 Prozent im Jahr 2025 um 14 Prozent auf 4,9 Millionen steigen. Die EU hat ihre ursprünglichen Pläne für ein Verbot von Benzinautos bis 2035 abgeschwächt, was ebenfalls zur gedämpften Nachfrage beiträgt.
Ein weiteres Problem ist die unzureichende Ladeinfrastruktur. Diese hält viele Verbraucher davon ab, reine Elektrofahrzeuge zu kaufen. Stattdessen gewinnen Hybride und Plug-in-Hybride an Beliebtheit. Diese bieten eine Brückenlösung für Fahrer, die Flexibilität wünschen.
Hintergrundinformationen
Die Automobilindustrie hat über ein Jahrhundert lang mit benzinbasierten Autos erhebliche Gewinne erzielt. Die schnelle Einführung von Elektrofahrzeugen in den letzten Jahren schien diese Ära zu beenden. Nun zeigt sich jedoch, dass der Übergang komplexer ist als erwartet. Hersteller müssen ihre Strategien anpassen, um in einem sich wandelnden Markt bestehen zu können.
China: Vom Motor des Wachstums zum moderaten Tempo
China bleibt der größte EV-Markt weltweit. Doch auch hier verlangsamt sich das Wachstum. Nach Jahren rasanter Expansion, in denen die Verkaufszahlen von rund 1,1 Millionen auf über 13 Millionen stiegen, wird für 2026 ein moderaterer Anstieg erwartet. Laut Benchmark-Prognosen sollen die Verkäufe in China 15,5 Millionen erreichen, gegenüber 13,3 Millionen im Jahr 2025.
Obwohl es sich immer noch um ein zweistelliges Wachstum handelt, liegt dieses unter dem Tempo der vergangenen fünf Jahre. Die chinesische Regierung hatte die EV-Branche mit großzügigen Subventionen und Steueranreizen unterstützt, um sie zu einem globalen Champion zu machen. Obwohl Peking diese Unterstützung zurückgefahren hat, wurde die Handelssubventionspolitik, die auch Rabatte für EVs umfasst, um ein drittes Jahr verlängert.
Mark Wakefield, Geschäftsführer der Beratungsfirma AlixPartners, kommentierte die Situation:
"Wir haben Gegenwind in China, das der Wachstumsmotor war, und es wird wahrscheinlich noch mehr Lockerungen bei den europäischen Vorschriften geben."
BYD überholt Tesla
Chinesische Hersteller, allen voran BYD, haben im letzten Jahr die Verkaufszahlen im Inland und in Europa angekurbelt. Sie brachten günstigere Modelle auf den Markt, die europäische und US-amerikanische Automobilhersteller unterboten. BYD hat im Jahr 2025 Tesla als weltweit größten Hersteller von Elektroautos abgelöst. Das chinesische Unternehmen expandiert stark in Europa und anderen Überseemärkten.
Die Zukunft der Mobilität: Flexibilität ist entscheidend
Die Aussicht auf ein anspruchsvolleres Jahr bedeutet, dass Automobilhersteller ihre Produktpaletten während des Übergangs von Verbrennungsmotoren flexibel gestalten müssen. Markus Haupt, CEO von Seat-Cupra, der spanischen Massenmarktmarke von Volkswagen, betonte die Notwendigkeit dieser Flexibilität. Er fügte hinzu:
"Wir sind überzeugt, dass die Zukunft elektrisch ist. Wir müssen die Mobilität dekarbonisieren."
Die Branche steht vor der Aufgabe, Innovationen voranzutreiben und gleichzeitig auf die sich ändernden Bedürfnisse der Verbraucher und politischen Rahmenbedingungen zu reagieren. Der Fokus auf Hybridfahrzeuge zeigt, dass der Weg zur vollständigen Elektrifizierung möglicherweise länger und vielfältiger ist als ursprünglich angenommen.
Investitionen in die Ladeinfrastruktur und weitere Anreize könnten dazu beitragen, das Vertrauen der Verbraucher in reine Elektrofahrzeuge wiederherzustellen. Bis dahin spielen Hybride eine wichtige Rolle beim Übergang zu einer nachhaltigeren Mobilität.




