Maryland führt eine neue jährliche Gebühr von 150 US-Dollar pro öffentlichem Ladepunkt für Elektrofahrzeuge ein. Diese Maßnahme, die Anfang nächsten Jahres in Kraft tritt, stößt bei Unternehmen und Wirtschaftsexperten auf heftige Kritik. Sie befürchten, dass die hohe Gebühr die Einführung von Elektrofahrzeugen bremsen und das Erreichen der Klimaziele des Staates gefährden könnte.
Wichtige Punkte
- Maryland führt eine jährliche Gebühr von 150 US-Dollar pro öffentlichem E-Ladeanschluss ein.
- Große EV-Unternehmen wie Tesla und Rivian fordern eine Reduzierung der Gebühr auf 25 US-Dollar.
- Wirtschaftsexperten warnen vor einer Verlangsamung der E-Fahrzeug-Adoption im Staat.
- Die Gebühr wird als die höchste im Land kritisiert.
Neue Gebühr soll Inspektionen finanzieren
Das Landwirtschaftsministerium von Maryland (MDA) verteidigt die neue Gebühr. Es gibt an, dass die Einnahmen zur Finanzierung von Inspektionen verwendet werden sollen. Diese Inspektionen sollen sicherstellen, dass die Ladegeräte ordnungsgemäß funktionieren und die Verbraucher geschützt sind.
Das Ministerium betont die Bedeutung der Zuverlässigkeit der Ladeinfrastruktur. Es sieht die Gebühr als notwendige Maßnahme, um Qualitätsstandards aufrechtzuerhalten und das Vertrauen der Nutzer in die Elektromobilität zu stärken.
Faktencheck
Die vorgeschlagene jährliche Gebühr von 150 US-Dollar pro Ladepunkt in Maryland ist die höchste im Vergleich zu anderen US-Bundesstaaten. Viele Staaten erheben überhaupt keine Gebühren.
Widerspruch zu Klimazielen des Staates
Kritiker sehen in der neuen Gebühr einen direkten Widerspruch zu Marylands eigenen Klimazielen. Der Staat hat sich verpflichtet, Kaliforniens Clean-Car-Regel zu folgen. Diese Regel sieht vor, dass bis zum Jahr 2035 alle neu verkauften Autos im Staat emissionsfrei sein sollen.
Ökonom Anirban Basu hebt die Inkonsistenz in der Politikgestaltung hervor. Er argumentiert, dass der Staat einerseits Umwelt- und Elektrifizierungsziele verfolgt, andererseits aber Gebühren erhebt, die diesen Zielen entgegenwirken. Dies könnte die Entwicklung im Bereich der Elektromobilität in Maryland negativ beeinflussen.
„Wir sagen, wir wollen all diese Dinge für die Umwelt, für die Elektrifizierung, für die technologische Entwicklung in Maryland und die wirtschaftliche Entwicklung tun, und dann verabschieden wir Steuern und Gebühren, die in die andere Richtung drängen“, so Anirban Basu.
Kritik von führenden E-Fahrzeug-Unternehmen
Neun große Unternehmen aus dem Bereich der Elektromobilität, darunter Tesla und Rivian, haben einen Brief an die Staatsführung geschickt. In diesem Brief bezeichnen sie die Gebühr als die höchste im Land. Sie fordern eine Reduzierung auf 25 US-Dollar pro Ladepunkt. Zum Vergleich: Die Inspektion von Zapfsäulen für Benzin kostet nur 20 US-Dollar.
Die Unternehmen argumentieren, dass die meisten Staaten überhaupt keine Gebühren erheben. Staaten, die Gebühren verlangen, tun dies zu wesentlich niedrigeren Sätzen als Maryland. Die hohe Gebühr könnte die Bereitstellung neuer Ladeinfrastruktur behindern und zusätzliche Kosten für lokale Unternehmen verursachen.
Hintergrundinformationen
Die Förderung der Elektromobilität ist ein zentraler Bestandteil vieler Klimaschutzstrategien weltweit. Eine gut ausgebaute Ladeinfrastruktur gilt als entscheidend für die Akzeptanz von Elektrofahrzeugen. Hohe Kosten für den Aufbau und Betrieb von Ladestationen können diese Entwicklung behindern.
Befürchtungen vor Rückgang der Ladeinfrastruktur
Die hohen Kosten könnten den Fortschritt verlangsamen. Dies würde dazu führen, dass weniger neue Ladestationen gebaut werden. Für Fahrer von Elektrofahrzeugen gäbe es dann weniger Möglichkeiten zum Aufladen. Dies könnte die Akzeptanz von Elektrofahrzeugen in Maryland im Vergleich zu anderen Staaten verringern.
Robert Borkowski, Inhaber des in Maryland ansässigen Ladeinfrastrukturunternehmens Plug IO, äußert ebenfalls Bedenken. Er warnt davor, dass Ladestationen im ganzen Staat schließen könnten. Dies wäre genau zu einem Zeitpunkt, an dem die Einführung von Elektrofahrzeugen beschleunigt werden sollte.
- Geringere Investitionen: Unternehmen könnten zögern, in neue Ladestationen zu investieren.
- Weniger Lademöglichkeiten: Für E-Fahrzeug-Besitzer würde die Suche nach Ladepunkten schwieriger.
- Wirtschaftliche Belastung: Kleinere Betreiber von Ladestationen könnten gezwungen sein, den Betrieb einzustellen.
Borkowski betont, dass es derzeit noch nicht genug Elektrofahrzeuge auf den Straßen gibt. Die aktuelle Infrastruktur reicht nicht aus, um die Kosten der Installateure zu decken oder Gewinne zu erzielen. Eine zusätzliche hohe Gebühr würde diese Situation weiter verschärfen.
Das Landwirtschaftsministerium von Maryland hat auf Anfragen bezüglich der Bedenken und Forderungen zur Senkung der Gebühr bisher nicht reagiert. Die Diskussion über die Auswirkungen dieser Maßnahme auf die Zukunft der Elektromobilität in Maryland bleibt somit offen.




