Die USA haben unter der aktuellen Regierung eine Kehrtwende in der Verkehrspolitik vollzogen, die Anreize für Elektrofahrzeuge (EVs) deutlich reduziert und stattdessen traditionelle Verbrennungsmotoren fördert. Diese strategische Neuausrichtung droht die Dekarbonisierung des US-Verkehrssektors zu verlangsamen und verschafft China einen noch größeren Vorsprung auf dem globalen Elektromobilitätsmarkt.
Wichtige Erkenntnisse
- Die US-Regierung hat Anreize für Elektrofahrzeuge, wie Steuergutschriften und Fördermittel für Ladeinfrastruktur, zurückgenommen.
- Neue Vorschriften senken die erforderlichen Kraftstoffeffizienzstandards für Fahrzeuge.
- Kritiker warnen vor höheren Benzinpreisen und verstärkter Umweltverschmutzung.
- China festigt seine Führungsposition im globalen EV-Markt durch massive staatliche Unterstützung und niedrigere Kosten.
- Die US-Verkehrspolitik könnte die globale Klimaschutzarbeit behindern und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verstärken.
Rücknahme von EV-Anreizen in den USA
Die jüngsten politischen Entscheidungen in den Vereinigten Staaten haben weitreichende Konsequenzen für die Zukunft der Elektromobilität. Die Regierung hat eine Reihe von Initiativen, die den Übergang zu elektrischen Fahrzeugen fördern sollten, aufgehoben.
Dazu gehört die Rücknahme einer Verordnung, die vorsah, dass bis zum Jahr 2030 50 Prozent der in den USA verkauften Fahrzeuge elektrisch sein sollten. Milliarden von Dollar, die für den Ausbau der Ladeinfrastruktur vorgesehen waren, wurden eingefroren. Zudem wurde eine Steuergutschrift von 7.500 US-Dollar für den Kauf von Elektrofahrzeugen gestrichen.
Faktencheck: Kraftstoffeffizienz
Die neuen US-Vorschriften sehen eine Kraftstoffeffizienz von etwa 35 Meilen (ca. 56 Kilometer) pro Gallone vor. Unter den vorherigen Standards wären es 50 Meilen pro Gallone für Pkw und leichte Lkw der Modelljahre 2022-2031 gewesen.
Auswirkungen auf Verbraucher und Umwelt
Kritiker befürchten, dass diese Maßnahmen sowohl die Umwelt als auch die Verbraucher belasten werden. Gouverneur Gavin Newsom aus Kalifornien, einem Vorreiter in erneuerbaren Energien und Elektromobilität, äußerte sich besorgt. Er betonte, dass die Regierung den großen Ölkonzernen genau das gebe, was sie wollen: schwächere Schutzmaßnahmen für Verbraucher und höhere Gewinne für Umweltverschmutzer.
Die US-amerikanische National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) schätzte, dass die nationalen Kraftstoffverbräuche unter den vorherigen Effizienzstandards um 70 Milliarden Gallonen (265 Milliarden Liter) pro Jahr gesenkt worden wären. Steven Higashide, Direktor des Clean Transportation Program der gemeinnützigen Organisation Union of Concerned Scientists, erklärte, dass geschwächte Kraftstoffeffizienzregeln letztendlich die Benzinpreise in die Höhe treiben werden. Er fügte hinzu, dass fünfzig Jahre steigender Kraftstoffeffizienzstandards die Autofahrer vor Schocks auf dem Ölmarkt geschützt, die Luft sauberer gemacht und letztendlich über 5 Billionen US-Dollar gespart haben.
Chinas Aufstieg zur globalen EV-Macht
Die USA scheinen den Wettlauf um die Elektromobilität zu verlieren, während China seine Führungsposition weiter ausbaut. Ben Scott, Leiter für Energienachfrage bei der britischen Klima-Denkfabrik Carbon Tracker, bezeichnete die Rücknahme der Autoeffizienzstandards in den USA als einen klaren Gewinn für die US-Ölindustrie, aber als einen noch größeren Sieg für China, da es die USA im EV-Übergang weiter zurückwerfe.
Globale EV-Verkaufszahlen 2024
- Weltweit wurden 2024 etwa 17 Millionen Elektrofahrzeuge verkauft.
- Dies entspricht einem Anstieg von 25% gegenüber 2023.
- 11 Millionen dieser Fahrzeuge wurden in China verkauft.
- In den USA waren es lediglich etwa 1,6 Millionen.
- Fast die Hälfte der chinesischen Autoverkäufe waren 2024 Elektrofahrzeuge, verglichen mit nur 10% in den USA.
China dominiert den globalen EV-Markt durch massive staatliche Anreize, die die Kosten gesenkt haben. Elektroautos sind dort oft günstiger als die meisten Benziner. Die aktuellen US-Maßnahmen werden diese Kluft noch vergrößern, da sie die US-amerikanischen Automobilhersteller an veraltete Verbrennungsmotortechnologie binden, anstatt sich vollständig der Zukunft zu verschreiben.
"Der Übergang zu Elektrofahrzeugen ist überall unvermeidlich."
Der US-Autoriese Ford hat bereits angekündigt, seine Pläne zur Elektrifizierung größerer Fahrzeuge teilweise aufgrund regulatorischer Änderungen zurückzuziehen und sich stattdessen auf benzinbetriebene und Hybrid-Lkw zu konzentrieren. Obwohl China derzeit ein Überangebot an EVs hat, unter anderem aufgrund von Zöllen der USA und der Europäischen Union, die Exporte begrenzen, glaubt Scott, dass diese günstigeren Autos ihren Weg in preissensible Märkte im globalen Süden finden werden.
Klimaschutz und die Rolle des Recyclings
Der Verkehr in den USA trägt zu 29 Prozent der klimaschädlichen Kohlenstoffemissionen bei, dem größten Anteil aller Sektoren der Wirtschaft. Die neuesten Kraftstoffeffizienzstandards hätten laut NHTSA verhindert, dass über 710 Millionen Tonnen Klimaverschmutzung in die Atmosphäre gelangen. Elektroautos, die ein Drittel der Emissionen von Benzinern verursachen, sollten die Dekarbonisierung der US-Straßen beschleunigen, da die EV-Verkäufe in den ersten neun Monaten des Jahres 2025 Rekorde brachen. Dieser Fortschritt droht nun zu stagnieren.
Hintergrund: US-Klimaziele
Die unvorhersehbare Natur der US-Politik in Bezug auf Kraftstoffeffizienzstandards und EV-Anreize wird die Dekarbonisierung der US-Fahrzeugflotten verlangsamen. Dies wird letztendlich den Fortschritt beim Klimaschutz verlangsamen.
Trotz Bedenken, dass EV-Batterien viel Energie und Ressourcen verbrauchen, kann robustes Batterierecycling die Menge der benötigten neu abgebauten Materialien erheblich reduzieren, erklärte Ellen Kennedy, Expertin für sauberen Transport am Rocky Mountain Institute, einer US-amerikanischen Energie-Denkfabrik. Mehr als 90 Prozent Lithium und 95 Prozent Nickel und Kobalt können aus Batterien recycelt werden.
Kennedy betonte: "Das Recycling und die Rückgewinnung von Batteriemineralien verbessern sich ständig, während fossile Brennstoffe in ihrer Versorgung begrenzt sind und nur einmal verwendet werden können." Im Gegensatz zum einmaligen Verbrauch von 2.150 Millionen Tonnen Öl im Jahr 2024 für den globalen Straßenverkehr können etwa 125 Millionen Tonnen Mineralien durch Wiederverwendung und Recycling eine unerschöpfliche Kreislaufwirtschaft für Batterien schaffen. Dies ist eine sich selbst erhaltende Gewinnung, die Elektrofahrzeuge auch in Zukunft auf der Straße halten kann.
Ausblick: Eine geteilte Zukunft der Mobilität
Die aktuellen politischen Entscheidungen in den USA schaffen eine deutliche Spaltung im globalen Automobilmarkt. Während China mit starken staatlichen Impulsen und einem Fokus auf Innovation die Elektromobilität vorantreibt, scheinen die USA einen Rückschritt zu machen. Dies könnte nicht nur wirtschaftliche, sondern auch erhebliche ökologische Folgen haben.
Die Welt steuert auf eine Zukunft zu, in der Elektromobilität eine zentrale Rolle spielt. Die Frage ist, welche Nationen an der Spitze dieser Entwicklung stehen und welche riskieren, den Anschluss zu verlieren. Die Weichen werden jetzt gestellt.




