Norwegen hat im Jahr 2025 einen bemerkenswerten Meilenstein erreicht: Fast alle neu zugelassenen Fahrzeuge waren elektrisch. Die Verkaufszahlen zeigen, dass reine Elektrofahrzeuge einen Anteil von 95,9 Prozent an den gesamten Neuwagenverkäufen des Landes ausmachten. Damit nähert sich Norwegen seinem ehrgeizigen Ziel, ab 2025 keine neuen Verbrennungsmotoren mehr zuzulassen, fast ein Jahrzehnt früher als viele andere europäische Länder.
Dieser Erfolg ist das Ergebnis einer konsequenten Politik, die sowohl Anreize für Elektroautos als auch hohe Steuern für Benziner umfasst. Obwohl das Land nicht zur Europäischen Union gehört, hat es seine eigenen strengen Umweltziele verfolgt und demonstriert nun, wie eine schnelle Verkehrswende gelingen kann.
Wichtige Erkenntnisse
- 95,9% der Neuwagenverkäufe in Norwegen waren 2025 reine Elektrofahrzeuge.
- Tesla blieb das fünfte Jahr in Folge die meistverkaufte Marke mit 19,1% Marktanteil.
- Chinesische Automobilhersteller steigerten ihren Marktanteil auf 13,7%.
- Die Mehrwertsteuerbefreiung für E-Autos wird 2026 auf Fahrzeuge unter 30.000 US-Dollar begrenzt.
- Hohe Steuern auf Verbrennungsmotoren machten diese unwirtschaftlich.
Norwegens Weg zur Elektromobilität: Ein Jahrzehnt Vorsprung
Vor einem Jahrzehnt lag der Anteil von Elektrofahrzeugen an den Neuwagenverkäufen in Norwegen noch bei unter 30 Prozent. Diese rasante Entwicklung hin zu fast 100 Prozent Elektroautos im Jahr 2025 ist ein klares Zeichen für die Wirksamkeit der norwegischen Strategie. Während viele EU-Länder ihren ursprünglichen Plan, den Verkauf reiner Verbrennungsmotoren bis 2035 zu beenden, verschoben haben, hat Norwegen sein Ziel fast zehn Jahre früher erreicht.
Die Europäische Union weist im Vergleich dazu eine durchschnittliche Elektroauto-Einführungsrate von lediglich 17 Prozent auf. Dies unterstreicht die Vorreiterrolle Norwegens in der globalen Verkehrswende. Andere nordische Länder wie Dänemark (über 50 % Elektroanteil) und Schweden (ca. 37 % Elektroanteil) folgen, liegen aber noch deutlich hinter Norwegen.
Faktencheck: Elektromobilität in Zahlen
- Norwegen 2025: 95,9% reine Elektrofahrzeuge
- EU-Durchschnitt: 17% Elektrofahrzeuge
- Dänemark: Über 50% Elektrofahrzeuge
- Schweden: Ca. 37% Elektrofahrzeuge
- Marktanteil Tesla (Norwegen): 19,1%
- Marktanteil chinesische Hersteller (Norwegen): 13,7% (2025), gegenüber 10,4% (2024)
Steuerliche Anreize und hohe Kosten für Verbrenner
Der Erfolg Norwegens basiert auf einer Kombination aus Fördermaßnahmen für Elektrofahrzeuge und hohen Abgaben auf Autos mit Verbrennungsmotor. Lange Zeit waren alle Elektrofahrzeuge von der Mehrwertsteuer befreit. Diese Befreiung wurde jedoch schrittweise angepasst und ist seit 2025 an einen Preisrahmen gebunden.
Für das Jahr 2026 qualifizieren sich nur noch Elektrofahrzeuge unter 30.000 US-Dollar für die Mehrwertsteuerbefreiung. Das bedeutet, dass die meisten populären Modelle, die derzeit verkauft werden, nicht mehr davon profitieren. Diese Änderung könnte die Kaufentscheidungen der Verbraucher beeinflussen und eine Verschiebung hin zu kleineren, erschwinglicheren Elektroautos bewirken.
„Die Kombination aus hohen Registrierungsgebühren und hohen Kraftstoffsteuern macht den Kauf und Betrieb eines Benziners teurer als den eines Elektroautos. Deshalb entscheiden sich die Norweger massenhaft für Letzteres.“
Zusätzlich zu den Anreizen für Elektroautos tragen auch die stark gestiegenen Kosten für Verbrennungsmotoren zur Attraktivität der E-Fahrzeuge bei. Hohe Registrierungsgebühren und Kraftstoffsteuern machen den Besitz eines Benziners in Norwegen zunehmend unwirtschaftlich. Dies hat die Verbraucher dazu bewogen, in großer Zahl auf Elektroautos umzusteigen.
Marktführer und aufstrebende Wettbewerber
Im fünften Jahr in Folge war Tesla die beliebteste Automarke in Norwegen und erreichte einen Marktanteil von 19,1 Prozent. Dicht dahinter folgten Volkswagen und Volvo. Diese Zahlen zeigen die starke Präsenz etablierter Elektroautohersteller auf dem norwegischen Markt.
Bemerkenswert ist auch der Aufstieg chinesischer Automobilhersteller. Ihr kollektiver Marktanteil stieg von 10,4 Prozent im Jahr 2024 auf 13,7 Prozent im Jahr 2025. Dieser Trend deutet darauf hin, dass chinesische Marken zunehmend an Bedeutung gewinnen und eine ernstzunehmende Konkurrenz für etablierte Hersteller darstellen, insbesondere im Segment der erschwinglicheren Elektrofahrzeuge.
Hintergrund: Spezialfahrzeuge und Ausnahmen
Die wenigen im Jahr 2025 in Norwegen gekauften Verbrennungsmotoren waren hauptsächlich Spezialfahrzeuge. Für diese gab es zum Kaufzeitpunkt keine gleichwertigen elektrischen Alternativen. Dies unterstreicht, dass die Umstellung auf Elektromobilität in den meisten Bereichen bereits weit fortgeschritten ist.
Ausblick auf das Jahr 2026: Eine neue Dynamik?
Die bevorstehende Änderung der Mehrwertsteuerbefreiung im Jahr 2026, die nur noch Elektrofahrzeuge unter 30.000 US-Dollar berücksichtigt, könnte eine neue Dynamik in den norwegischen Automobilmarkt bringen. Es bleibt abzuwarten, ob der Aufwärtstrend bei den Elektroauto-Verkäufen trotz dieser Einschränkung anhält.
Experten vermuten, dass diese Regelung den Verkauf von kleineren und preisgünstigeren Elektroautos ankurbeln könnte, die bisher möglicherweise weniger Beachtung fanden. Mit einer wachsenden Auswahl an guten kleinen Elektroautos von europäischen Herstellern und den preislich attraktiven chinesischen Modellen, die unter die Befreiung fallen, könnte das Jahr 2026 eine Verschiebung in der Größe der in Norwegen gekauften Fahrzeuge markieren.
Norwegen bleibt ein wichtiges Beispiel dafür, wie politische Maßnahmen die Akzeptanz von Elektromobilität beschleunigen können. Der nahezu vollständige Übergang zu Elektrofahrzeugen im Land bietet wertvolle Einblicke für andere Nationen, die ähnliche Ziele verfolgen.




