Tesla Inc. hat in einem ungewöhnlichen Schritt eigene Schätzungen zu Fahrzeugauslieferungen veröffentlicht. Diese deuten darauf hin, dass die Erwartungen für die vierte Quartalslieferung sowie die Jahreslieferungen niedriger ausfallen könnten, als viele Anleger erwartet hatten.
Das Unternehmen stellte auf seiner Webseite Analystenschätzungen bereit, die im Durchschnitt 422.850 Fahrzeuge für das vierte Quartal vorsehen. Dies wäre ein Rückgang von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Eine von Bloomberg erstellte Durchschnittsschätzung lag zuvor bei 440.907 Fahrzeugen, was einem Rückgang von 11 Prozent entsprochen hätte.
Wichtigste Erkenntnisse
- Tesla veröffentlichte eigene, niedrigere Lieferprognosen.
- Erwarteter Rückgang von 15% bei Lieferungen im 4. Quartal.
- Jahreslieferungen könnten um mehr als 8% sinken.
- Die Aktie erholte sich nach anfänglichem Rückgang.
Ungewöhnlicher Schritt von Tesla
Es ist bemerkenswert, dass Tesla diese Zahlen direkt veröffentlicht hat. Normalerweise sammelt das Investor-Relations-Team des Unternehmens solche Schätzungen und teilt sie selektiv mit Analysten und Investoren. Eine öffentliche Bekanntgabe dieser Art ist jedoch neu.
"Das ist höchst ungewöhnlich", schrieb Gary Black, Mitbegründer von Future Fund Advisors, auf X. "Offensichtlich wollte jemand bei TSLA, dass der vom Investor Relations-Team abgeleitete Konsens so breit wie möglich verbreitet wird."
Black spekulierte, dass Teslas tatsächliche Lieferungen wahrscheinlich im Bereich von 420.000 Fahrzeugen liegen werden. Dieser Schritt könnte darauf abzielen, die Markterwartungen zu dämpfen und potenzielle Enttäuschungen zu minimieren.
Fakten auf einen Blick
- Q4 Lieferprognose (Tesla-Mittelwert): 422.850 Fahrzeuge
- Vergleich zu Vorjahr (Q4): -15%
- Bloomberg-Mittelwert (vorher): 440.907 Fahrzeuge
- Jahreslieferprognose (Tesla-Mittelwert): 1,6 Millionen Fahrzeuge
- Vergleich zu Vorjahr (Gesamtjahr): -8%
Jahresausblick und Aktienentwicklung
Tesla steuert auf den zweiten Rückgang der jährlichen Fahrzeugverkäufe in Folge zu. Die vom Unternehmen erstellte Durchschnittsschätzung für das Gesamtjahr liegt bei 1,6 Millionen Auslieferungen, was einem Rückgang von mehr als 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Auch die Schätzungen für die nächsten drei Jahre sind laut Tesla-Daten niedriger als die von Bloomberg ermittelten Durchschnittswerte.
Die Aktien des Unternehmens fielen am Dienstag zunächst um bis zu 1,3 Prozent, konnten diesen Rückgang jedoch später wieder aufholen. Trotz des erwarteten Verkaufsrückgangs im Jahresverlauf ist die Tesla-Aktie auf dem besten Weg, das Jahr mit einem Plus abzuschließen. Bis zum Handelsschluss am Montag stieg der Wert um 14 Prozent, lag damit aber hinter dem Anstieg des S&P 500 Index von 17 Prozent zurück.
Herausforderungen in der Produktion
Die Verkaufszahlen von Tesla sanken Anfang des Jahres erheblich. Dies geschah, als das Unternehmen die Produktionslinien in seinen Montagewerken für das überarbeitete Model Y, sein beliebtestes Fahrzeug, umrüstete. Diese Umstrukturierungsphase fiel auch in eine Zeit, in der CEO Elon Musk eine polarisierende Rolle in der öffentlichen Debatte einnahm.
Im dritten Quartal stiegen die Auslieferungen auf ein Rekordniveau. US-Verbraucher nutzten die letzten Gelegenheiten, um Elektrofahrzeuge zu kaufen, bevor die staatlichen Steuergutschriften von 7.500 US-Dollar Ende September ausliefen. Tesla versuchte, den Verlust dieser Anreize zu Beginn des aktuellen Quartals teilweise auszugleichen. Das Unternehmen führte abgespeckte Versionen des Model Y SUV und der Model 3 Limousine ein, die jeweils unter 40.000 US-Dollar kosteten.
Hintergrund der Entwicklung
Die Automobilindustrie, insbesondere der Elektromobilitätssektor, durchlebt derzeit eine Phase starker Dynamik. Während das Wachstum in einigen Segmenten robust bleibt, sehen sich Hersteller wie Tesla mit steigendem Wettbewerb und veränderten Marktbedingungen konfrontiert. Staatliche Anreize und Umstellungen in der Produktion haben einen direkten Einfluss auf die Lieferzahlen und die finanzielle Performance der Unternehmen.
Blick in die Zukunft
Die Veröffentlichung dieser internen Schätzungen durch Tesla könnte ein Versuch sein, die Kommunikation mit dem Markt transparenter zu gestalten oder aber Erwartungen proaktiv zu managen. Der Markt wird genau beobachten, wie sich die tatsächlichen Lieferzahlen im vierten Quartal entwickeln und welche Auswirkungen dies auf die weitere Strategie des Unternehmens haben wird.
Die Fähigkeit von Tesla, Produktionsanpassungen schnell umzusetzen und auf Marktveränderungen zu reagieren, bleibt entscheidend. Dies gilt insbesondere in einem Umfeld, in dem die Einführung neuer Modelle und die Anpassung an sich ändernde Verbraucherpräferenzen von großer Bedeutung sind.
- Produktionsanpassungen: Umrüstung für Model Y sorgte für anfänglichen Rückgang.
- Steuergutschriften: Auslaufen der US-Förderungen beeinflusste Q4.
- Preisanpassungen: Einführung günstigerer Modelle zur Gegensteuerung.




